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Feilen an Sprache und Stempeln

In der Spielzeugwerkstatt: Projektleiterin Michaela Kirschke mit Abdulhalim Alamer, Zekriya Askari und Hartmut Petrow (v.l.).
In der Spielzeugwerkstatt: Projektleiterin Michaela Kirschke mit Abdulhalim Alamer, Zekriya Askari und Hartmut Petrow (v.l.). FOTO: Steffi Ludwig
Forst. Seit April 2016 gibt es in Forst ein ungewöhnliches Projekt: Flüchtlinge und arbeitslose Forster arbeiten gemeinsam in einer Spielzeugwerkstatt. Sie arbeiten vor allem kaputtes Spielzeug für sozial benachteiligte Kinder auf und lernen dabei die jeweils andere Kultur kennen. Initiiert wurde das Projekt vom Jobcenter Spree-Neiße und der Beschäftigungs-, Qualifizierungs- und Strukturfördergesellschaft Döbern (BQS). Steffi Ludwig

Gefeilt wird in der Spielzeugwerkstatt viel - an kaputten oder neu hergestellten Spielsachen und an der Sprache. Denn ungefähr die Hälfte der momentan zehn Projektteilnehmer sind Flüchtlinge. Sie haben bereits eine Anerkennung und sind demzufolge in Zuständigkeit des Jobcenters. Die andere Hälfte der Teilnehmer sind langzeitarbeitslose Forster. Gemeinsam über das Spielzeug ins Gespräch zu kommen ist die Devise.

"Spielzeug ist ein gutes Mittel, das kennen alle in der Welt", sagt Projektleiterin Michaela Kirschke (50) von der BQS. Abdulhalim Alamer (27) aus Syrien, der als fachlicher Anleiter im Projekt arbeitet, kann dies nur bestätigen. "Einige von uns haben hier sogar neue Talente entdeckt", berichtet der Syrer, der seit Mai 2015 in Forst lebt. "Und wir helfen einander mit der Sprache, weil wir wissen, dass sie das Wichtigste ist", so Abdulhalim Alamer, der nebenbei Alphabetisierungskurse für Flüchtlinge anbietet, die noch wenig Deutsch können. Der 27-Jährige hatte in Syrien IT und E-Marketing studiert, das Studium jedoch nicht abschließen können, weil er vor dem Krieg flüchtete. Nun will er eine Ausbildung zum Physiotherapeuten machen.

Doch jetzt steht erstmal das Projekt Spielzeugwerkstatt an, in dem die Teilnehmer auch mit Tugenden wie Pünktlichkeit auf den Arbeitsmarkt vorbereitet werden. "Wir reparieren kaputtes Spielzeug, säubern es und geben es an bedürftige Bürger ab", erklärt Michaela Kirschke. Das Spielzeug könne jeder in der Werkstatt (siehe Kasten) abgeben, die Mitarbeiter könnten es auch abholen. "Die Resonanz könnte etwas größer sein - auch die der Abholer", so die Projektleiterin. Denn bedürftige Familien könnten das reparierte Spielzeug kostenlos erhalten.

"Vor Weihnachten haben wir uns auch an der Aktion des Landkreises beteiligt und Spielzeug für die Päckchen für die Tafeln beigesteuert", so Michaela Kirschke. Bei der Weihnachtsfeier der Flüchtlingsunterkunft in der Mühlenstraße sei ebenfalls Spielzeug verschenkt worden. Die Werkstatt habe sich zudem am Büchertauschmarkt, der mit dem Grundbildungszentrum der BQS veranstaltet wird, beteiligt. Und auch neue Spielsachen wie ein Puppentheater hätten die Teilnehmer gebastelt - dieses werde wahrscheinlich an eine Kindereinrichtung gegeben. Baraa Ashraklaban (26) aus dem syrischen Damaskus feilt gerade an Stempeln, die für die Forster Kita "Talitha Kumi" gefertigt werden.

Den Forstern, die nebenbei etwas über die Ursachen der Flucht ihrer Kollegen erfahren, gefällt das Projekt ebenfalls. "Wir verständigen uns auch über Gesten", sagt Hartmut Petrow (54), der früher in der LPG arbeitete und seitdem in vielen Maßnahmen tätig war. Deshalb hoffen die Beteiligten, dass es nach der einjährigen Laufzeit weitergeht. Die Weiterführung werde beim Jobcenter beantragt, so die Projektleiterin.

Zum Thema:
Die Spielzeugwerkstatt ist in der Cottbuser Straße 47 in Forst untergebracht. Hier kann nicht mehr benötigtes oder reparaturbedürftiges Spielzeug abgegeben werden. Bedürftige können hier auch Spielzeug für ihre Kinder gegen Nachweis kostenfrei abholen. Kontakt: Telefon 0151 62411238