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| 12:01 Uhr

Staatsanwaltschaft wartet psychiatrisches Gutachten ab
Fall Franziska: Tatverdächtiger Stiefvater weiter in U-Haft

Die Waldsiedlung in Groß Schacksdorf. Hier wurde die ein halbes Jahr vermisste Franziska bei ihrem Stiefvater gefunden. Die Siedlung ist ein sozialer Brennpunkt. Das Jugendamt musste in der Siedlung schon mehrfach Kinder aus Familien holen.
Die Waldsiedlung in Groß Schacksdorf. Hier wurde die ein halbes Jahr vermisste Franziska bei ihrem Stiefvater gefunden. Die Siedlung ist ein sozialer Brennpunkt. Das Jugendamt musste in der Siedlung schon mehrfach Kinder aus Familien holen. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau
Groß Schacksdorf. Mutter des Mädchens ist auf freiem Fuß. Staatsanwaltschaft wartet psychiatrisches Gutachten ab. Von Simone Wendler

Sechs Monate lang war eine 13-Jährige aus Groß Schacksdorf (Spree-Neiße) verschwunden. Im März wurde das Mädchen, das zur Zeit ihres Verschwindens noch zwölf Jahre alt war, schließlich in der Wohnung seines Stiefvaters entdeckt. Die Ermittlungen gegen ihn und die Kindesmutter wegen sexuellen Missbrauchs des Mädchens dauern weiter an.

Die Staatsanwaltschaft Cottbus wartet im Rahmen des Ermittlungsverfahrens gegen das Paar aus Groß Schacksdorf noch auf Ergebnisse der Auswertung von Datenträgern und psychiatrischen Gutachten der beiden. Das teilte Oberstaatsanwalt Horst Nothbaum auf RUNDSCHAU-Nachfrage mit. Die 52-Jährige und ihr 46-jähriger Lebensgefährte stehen im dringenden Tatverdacht, die Ältere der beiden Töchter der Frau ein halbes Jahr lang versteckt und sexuell missbraucht zu haben.

Die Mutter des Mädchens ist nach kurzer Untersuchungshaft seit April wieder auf freiem Fuß. Sie soll bei der Staatsanwaltschaft Cottbus zu den Vorwürfen ausgesagt haben. Ihr Lebensgefährte Norman B. sitzt noch immer in Haft. Einen im April gestellten Antrag auf Haftprüfung hatte er wieder zurückgezogen.

Der Fall hatte für großes Aufsehen in der Region gesorgt, weil über Monate ein Lebenszeichen des Kindes fehlte. Die Polizei hatte mit einem Zeugenaufruf und Fahndungsplakaten nach dem Mädchen gesucht.

Das Kind lebte zum Zeitpunkt seines Verschwindens seit mehr als zwei Jahren in einem Kinderheim in Cottbus. Die Wochenenden durfte es bei der Mutter in Groß Schacksdorf verbringen. Verschwunden war die Minderjährige dann an einem Donnerstag im Oktober 2017. Nach einem Arztbesuch sollte sie in die Schule gehen.

Bereits am 20. März berichtete die Lausitzer Rundschau über den Vorfall aus Groß Schacksdorf.
Bereits am 20. März berichtete die Lausitzer Rundschau über den Vorfall aus Groß Schacksdorf. FOTO: LR / Elisabeth Wrobel

Die Polizei hatte schon nach einiger Zeit offenbar einen Verdacht, dass sich das Kind in Groß-Schacksdorf aufhalten könnte. Mehrere Durchsuchungen in der Wohnung der Mutter blieben jedoch zunächst ergebnislos. Im März konnten Beamte das Mädchen dann in der im selben Haus gelegenen Wohnung des Lebensgefährten entdecken. Beide Kinder befinden sich wieder in der Obhut des Jugendamtes.

Nach einem früheren Medienbericht wurden Franziska und ihre Schwester schon vor Jahren in Berlin der Mutter und deren damaligem Partner weggenommen und in einem Kinderheim untergebracht. Seit drei Jahren soll die Kindesmutter mit dem nun in U-Haft befindlichen Stiefvater zusammenleben.

Dieser soll erst 2012 nach einer mehrjährigen Haftstrafe wegen einer schweren Gewalttat in Berlin aus dem Gefängnis gekommen sein und während der Zeit, in die der Vorfall mit Franziska fällt, noch unter Führungsaufsicht gestanden haben.

Wann genau die Mutter von Franziska nach Groß Schacksdorf zog, ist nicht bekannt. Die ehemalige Armee-Siedlung wechselte in den vergangenen Jahren mehrmals den Eigentümer. Die Vermieter, die mit hohem Leerstand zu kämpfen hatten, warben vor Jahren bundesweit auch insbesondere in Berlin und unter Hartz-IV-Beziehern für einen Umzug in die Siedlung in Groß Schacksdorf.

Versprochen wurden dafür die Übernahme der Umzugskosten und auch Geschenke – wie zum Beispiel ein Fernseher. Der Leerstand der Siedlung ging dadurch zurück, dafür erhöhten sich die Einsätze des Jugendamtes unter sozial problematischen, einkommensschwachen Mietern.

2016 kam jede sechste Meldung einer Kindeswohlgefährdung in Spree-Neiße aus der Waldsiedlung. Jedes vierte Kind, das aus seiner Familie geholt wurde, wohnte dort.