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| 16:42 Uhr

Kriminalität
Fahrraddiebstahl bleibt Ärgernis

Ein Schloss am Rad macht es dem Gelegenheitsdieb schwer. Die Güte des Schlosses sollte sich dabei am Wert des Rades orientieren, empfiehlt die Verbraucherzentrale.
Ein Schloss am Rad macht es dem Gelegenheitsdieb schwer. Die Güte des Schlosses sollte sich dabei am Wert des Rades orientieren, empfiehlt die Verbraucherzentrale. FOTO: LR / Katrin Kunipatz
Forst. Polizei greift nur auf nationale Fahndungsliste zurück. Empfehlung: Rahmennummer notieren. Von Katrin Kunipatz

Über gestohlene Fahrräder ärgert sich RUNDSCHAU-Leser Kazimierz Krubski. Mehrmals seien ihm oder seiner Frau in den vergangenen Monaten Fahrräder entwendet worden. Einmal beim Rewe, einmal beim Netto und zweimal sogar vom eigenen Grundstück. „Nur ein einziges Mal seien die gestohlenen Räder wieder aufgetaucht und ich konnte sie bei der Polizei abholen“, berichtet er. Zu allem Ärger kündigt ihm sein Hausratversicherer an, beim nächsten Schadensfall eine höhere Selbstbeteiligung anzusetzen oder den Vertrag ganz zu kündigen. Der Keuner Kazimierz Krubski ist sauer. Zumal er das Gefühl habe, die Polizei würde nicht intensiv genug nach gestohlenen Rädern fahnden. Einen Hauptgrund vermutet er in den Fahndungsdateien, die nicht europaweit, sondern nur landesweit geführt werden.

Polizeisprecherin Ines Filohn bestätigt, dass gestohlene Fahrräder tatsächlich nur in den nationalen Fahndungssystemen registriert werden. Aber laut Polizeistatistik nimmt die Zahl der angezeigten Fahrraddiebstähle ab. 2014 wurden in Forst 952 Räder als gestohlen gemeldet; 2017 waren es 545 Räder. Wie viele Menschen einen Fahrraddiebstahl nicht anzeigen, lasse sich nicht abschätzen. Filohn geht jedoch davon aus, dass sich die meisten Betroffenen melden, allein schon aus dem Grund, damit die Versicherung zahlt. Den Gesamtschaden schätzt die Polizei auf 230 000 Euro im Jahr 2017, im Durchschnitt über 400 Euro pro Rad. Bei insgesamt 2277 Straftaten machten Fahrraddiebstähle im vergangenen Jahr ein Viertel der Delikte aus. Der Anteil der Kfz-Diebstähle lag bei zwei und der der Wohnungseinbrüche bei einem Prozent.

Tatsächlich lasse sich mit Fahrrädern schnelles Geld machen, so die Polizeisprecherin. Dies nutzen vor allem Betäubungsmittelkonsumenten oder Jugendliche aus. Gleichfalls berichtet Ines Filohn, dass es mancher Fahrradbesitzer den Dieben leicht mache, wenn er sein Rad unangeschlossen abstelle. „Bei einer Präventionsveranstaltung an einer Cottbuser Schule fanden wir etwa 50 Prozent nicht angeschlossene Fahrräder“, berichtet sie.

Die Aufklärungsquote von Fahrraddiebstählen liege bei 8,4 Prozent. Im Hinblick auf die relativ wenigen Spuren schätzt Filohn dies als gut ein. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 19 Tatverdächtige (15 männlich, vier weiblich) ermittelt. Zu diesen 19 zählten zwei Jugendliche, vier bis 21-Jährige, ansonsten Erwachsene. Die meisten – genau 15 – waren laut Auskunft der Polizei Deutsche.

Grenzüberschreitende Ermittlungen seien im Fall der Fahrradkriminalität selbstverständlich. Beispielsweise würden deutsche Polizisten mit Fahndungslisten nach Polen fahren, wenn dort bei einem Täter mehrere vermutlich gestohlene Räder entdeckt werden, so Filohn. Schwieriger sei es dagegen, wenn einer Streife eine Person auffällt, deren Äußeres nicht mit dem mitgeführten Fahrrad korrespondiert. Denn bei der Fahndungsanfrage würde nur auf die nationale Listen zugegriffen, so die Polizeisprecherin. Dies sei aber nicht nur im Grenzgebiet problematisch, sondern in ganz Europa. Denn Fahrräder würden auch in Frankreich oder Holland gestohlen und nach Osten gebracht, um dort verkauft zu werden.

Um ein gefundenes Rad dem rechtmäßigen Eigentümer zurückgeben zu können, muss es die Polizei eindeutig identifizieren können. „Bei wertintensiven Gegenständen sollte man sich die Rahmennummer und kleine Besonderheiten notieren“, empfiehlt Ines Filohn. Denn so lässt sich bei einem Diebstahl das Eigentum nachweisen.