Der Parkleiter sagt es wie es ist: "Die Seepyramide ist aus der Form geraten."

Genau das ist auch der Grund, warum derzeit so oft so viel Betrieb auf dem ansonsten eher einsamen Bauwerk im Branitzer Park herrscht. Normalerweise thront es still über dem Pyramidensee. Aber am Dienstag tummelte sich gleich ein ganzer Pulk von Fachleuten auf dem Tumulus und untersuchte den Baugrund. "Das ist ein wichtiger Grundstein für die Restaurierung im kommenden Jahr", erklärt Claudius Wecke.

Dabei wurde der Seepyramide am Dienstag mit einer leichten Rammsonde zu Leibe gerückt. "Damit kann die Lagerungsdichte der Erdarchitektur erkundet werden", sagt der Parkleiter. Darüber hinaus sind bei der Gelegenheit Bohrkerne genommen worden, um Rückschlüsse auf die Bodenzusammensetzung des Bauwerkes zu erhalten.

Fürst Pückler hatte im April 1856 einen Vertrag mit dem Zolleinnehmer und Bauunternehmer Loebel über den Bau des Tumulus geschlossen, erzählt Claudius Wecke. In dem Papier wurden unter anderem die Maße des Erdkörpers festgelegt - etwa die Höhe von 40 Fuß, was 12,56 Metern entspricht. "Die ersten Ergebnisse der baulichen Erkundung lassen vermuten, dass weitestgehend gemäß des Vertrages gebaut wurde", sagt der Parkleiter. Die äußere Hülle der Seepyramide wurde demnach mit einer etwa einen Meter starken Schicht schweren Bodens ausgebildet. Dabei handelt es sich Claudius Wecke zufolge um ein Ton-Lehm-Gemisch.

"Diese Schicht scheint entscheidend für die Stabilität und die Begrünung des Tumulus zu sein", sagt der Parkleiter nach der eingehenden Analyse. "Im Inneren wurde hingegen vermutlich überwiegend sandig-lehmiges Material aus dem Aushub des umliegenden Pyramidensees verwendet."

Bereits Anfang März war die Ruhe der Pyramide gestört worden. Ein Pflanzenfachmann hatte Steckhölzer der Weinpflanzen auf dem Tumulus geschnitten. Die kamen direkt in die neu eingerichtete Branitzer Baumuniversität. Dort werden die Stecklinge der historischen Branitzer Weinsorten - Gewöhnliche Jungfernrebe und Uferrebe - genetisch identisch vermehrt. "Im kommenden Frühjahr werden sie als Nachverdichtung der erhaltenen Weinpflanzen auf dem Tumulus gepflanzt." Bei der Gelegenheit soll auch die vierte, dem Tierpark zugewandte Pyramidenseite, bepflanzt werden. Sprich: Das berühmte Branitzer Wasserbauwerk kann dann im Herbst wieder richtig erröten. Wildwuchs - insbesondere Brombeere - hatte den von Pückler angepflanzten Wein fast ganz verdrängt.

Möglich wird die geplante Sanierung des Tumulus und der gesamten Pyramidenebene durch ein Förderprogramm der Europäischen Union, das Projekte in den Partnerstädten Cottbus und Zielona Góra unterstützt, die auf die Stärkung und Weiterentwicklung der touristischen, kulturellen und Erholungs-Infrastruktur gerichtet sind.

Für den Tumulus und sein Umfeld stehen nach Angaben der Stiftung in den Jahren 2013 und 2014 rund 1,6 Millionen Euro zur Verfügung. 85 Prozent dieser Summe sind Fördermittel. Der Eigenanteil der Stadt Cottbus beträgt 15 Prozent.

Vorgesehen ist die Sanierung des Tumulus sowie der Inseln im Pyramidensee. Außerdem wird die bereits begonnene Gewässerentschlammung fortgesetzt. Es werden Ufer befestigt und bereits 1,2 Kilometer historische Wege wiederhergestellt.

Die Seepyramide ist seit dem Jahr 1871 die Ruhestätte von Hermann Fürst von Pückler-Muskau. Im Jahr 1884 wurde Pücklers Ehefrau und Lebensgefährtin Lucie Fürstin Pückler (1776 bis 1854) zu ihm in den Tumulus umgebettet.

Zum Thema:
Einen Vortrag zur geschichtlichen Entwicklung der Seepyramide und den geplanten Schritten der Restaurierung wird Parkleiter Claudius Wecke am Mittwoch, dem 21. August, halten. Die Veranstaltung findet um 18.30 Uhr im Besucherzentrum auf dem Gutshof Branitz statt.