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Fachärzte und Nachwuchs fehlen

Der Gefäßchirurg Dr. Boguslaw Gracz (M.) praktiziert seit September 2013 in Guben. Er gehört zu den vier Medizinern, die sich im Vorjahr in der Neißestadt niedergelassen haben.
Der Gefäßchirurg Dr. Boguslaw Gracz (M.) praktiziert seit September 2013 in Guben. Er gehört zu den vier Medizinern, die sich im Vorjahr in der Neißestadt niedergelassen haben. FOTO: S. Halpick
Guben. Auf einen Hausarzt in Guben kommen rechnerisch 1275 Einwohner. Das ist mehr als im Landesdurchschnitt. Der demografische Wandel, das zunehmende Alter der Ärzte sowie fehlende Fachmediziner bleiben die Herausforderungen der Zukunft, wie der aktuelle Bericht zur medizinischen Versorgung in Guben zeigt. Silke Halpick

"30 Arztpraxen gibt es in Guben", sagt Ina Schulz von der Stadtverwaltung, die die aktuellen Zahlen vor dem Ausschuss für Soziales, Bildung, Jugend und Kultur präsentiert. Nicht mitgerechnet sind die 18 Zahnmediziner in der Neißestadt. "Das entspricht einem Zuwachs von vier Ärzten im Vergleich zu 2012", führt sie weiter aus. Im vergangenen Jahr haben sich in Guben zwei neue Hausärzte, ein HNO-Mediziner sowie ein Gefäßchirurg niedergelassen. Im Januar 2014 wurde die Tagesklinik für Geratrie (Altersheilkunde) eröffnet. Zu verdanken sind die Neuansiedlungen dem Engagement vieler, betont Schulz, "angefangen bei der Kassenärztlichen Vereinigung bis hin zu den vor Ort ansässigen Ärzten". Die 14 niedergelassenen Hausärzte versorgen insgesamt 17 847 Gubener (Stand: 31. Dezember 2013). Das entspricht einem Anteil von 1275 Einwohnern pro Mediziner. Rechnet man die Bürger der anliegenden Gemeinde Schenkendöbern hinzu, kommt man auf 1543 Einwohner pro Arzt. "Selbst damit liegen wir noch unter dem Durchschnitt von 1603 Einwohnern pro Mediziner im Land Brandenburg", betont Ina Schulz.

Die statistischen Zahlen offenbaren aber auch: Der Großteil der in Guben praktizierenden Mediziner ist 50 Jahre und älter. Nur 35 Prozent sind jünger. Ähnlich sieht es bei den Patienten aus: 38 Prozent haben ihren 60. Geburtstag bereits hinter sich. 33 Prozent sind zwischen 41 und 60 Jahre alt. Besonders viele ältere Menschen leben in den Wohnkomplexen WKII und WKI. Die meisten medizinischen Einrichtungen gibt es jedoch in der Altstadt Ost. Hier steht auch das Krankenhaus des Naemi-Wilke-Stiftes, an das auch die Medizinische Einrichtungsgesellschaft mit ambulanten Fachärzten angegliedert ist.

Die meisten Mediziner in Guben sind Zahnärzte (18), gefolgt von Allgemeinärzten (7) und Fachärzten für Innere Medizin (7). Dagegen gibt es nur einen Augenarzt, der mittlerweile schon über 60 Jahre alt ist. Überhaupt nicht in Guben vertreten sind die Fachrichtungen Kardiologie, Diabetes und Dermatologie.

"Wir werden uns auch künftig bemühen, Fachärzte nach Guben zu locken", sagt Fred Mahro, amtierender Bürgermeister der Stadt, auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Insbesondere das Modell des KV RegioMed Zentrums, das am Wilke-Stift bereits praktiziert wird, bezeichnet er als erfolgversprechend. Dabei arbeiten die Mediziner als Angestellte der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg. In Guben sind das ein Haus- und eine HNO-Arzt.