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| 01:35 Uhr

Experten ordnen Rudolf Kühn geschichtlich ein

Forst. Er stand für kühne Bau-Zeiten in Forst, stand jedoch ideologisch eher auf der falschen Seite – Stadtbaurat Rudolf Kühn. Das haben Fachvorträge im Rahmen der Veranstaltung „Kühn(e)-Zeiten in Forst“ zum 125. jas

Geburtstag von Rudolf Kühn am Dienstagabend deutlich gemacht.

So gehöre der Stadtbaurat, der mit seinem Wirken in Forst von 1920 bis 1934 deutliche Spuren hinterließ, nicht in die Reihe der Bauhaus-Architekten, sondern habe einer konservativen Gegenströmung angehört, so Architekt Lars Scharnholz vom Institut für neue Industriekultur (Inik) in Cottbus. Der Kunsthistoriker und Landtagsabgeordnete Jens Lipsdorf (FDP) sieht den Forster Stadtbaurat als Technokraten und vergleicht sein Werk mit dem des Architekten Speer. Albert Speer war der führende Architekt des Nationalsozialismus.

Kühn sei Nationalist, späteres NSDAP-Mitglied und ein Mann der Selbstinszenierung gewesen, ordnet Lipsdorf den Forster Stadtbaudirektor geschichtlich ein. Entwürfe zeigen immer wieder den Hang zum Monumentalen. Deutlich wird das etwa in einem Entwurf für ein gewaltiges Schwimmbad in Forst, das Lipsdorf als Beispiel zeigt. Auch frühe Entwürfe des Krematoriums erinnerten weniger an einen „abendländischen Dom“, wie die Anlage einmal beschrieben wurde, als an eine Burganlage, so die Interpretation des Kunsthistorikers. Kühn sei „in und mit seiner Zeit gewachsen“, müsse in diesem Kontext betrachtet werden und habe in Forst ein Experimentierfeld vorgefunden, so Lipsdorf, der in seinem Vortrag besonders auf die Lange Brücke und Berge eingeht.

Besonders deutlich wird die Einordnung am Dienstagabend durch Lars Scharnholz, der dem Schaffen Kühns die Entwicklung Breslaus vor der Zeit von Rudolf Kühn in der Metropole entgegensetzt. Sie war durch Strömungen des Bauhaus geprägt und habe dennoch eine gewisse Anziehungskraft auf Kühn gehabt, so der Experte. Er sieht Kühn als typischen Vertreter seiner Zeit, der sich mit vielen Kunst-Strömungen auseinandersetzte und seinen Weg suchte. Der Stadtbaurat kam 1934 nach Breslau, hinterließ in der Metropole jedoch weniger Spuren.