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Etwa jeder fünfte Krebsfall wäre vermeidbar

Frauenärztin Karin Heinig sprach vor betroffenen Frauen über Nachsorge-Maßnahmen bei Brustkrebs.
Frauenärztin Karin Heinig sprach vor betroffenen Frauen über Nachsorge-Maßnahmen bei Brustkrebs. FOTO: Anja Guhlan
Spremberg. Die Diagnose Brustkrebs kann jede Frau treffen. Derzeit erkrankt in Deutschland jede zehnte Frau daran. Anja Guhlan

Aber: etwa 30 Prozent der Tumorerkrankungen wären laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation vermeidbar - durch einen gesunden und vernünftigen Lebensstil. Im Rahmen einer Patientenveranstaltung im Haus der Gesundheit in Spremberg hat Frauenärztin Karin Heinig, die eine Praxis mit dem Schwerpunkt gynäkologische Onkologie führt, über die Nachsorge bei Brustkrebs referiert. Ihr Fazit: Betroffene können selbst viel für ihre Genesung tun.

"Eine gesunde Lebensweise spielt daher auch bei der Nachsorge eine große Rolle", erklärte Karin Heinig. Viele Patientinnen stellen oft die Frage, was sie selbst für ihre Genesung tun können. Laut der Frauenärztin ist die wichtigste Maßnahme, innerhalb des normalen Körpergewichtsbereiches so schlank wie möglich zu bleiben. Das heißt, der sogenannte Body-Mass-Index (BMI) sollte dem Alter entsprechen. Übergewicht und die Zunahme des Bauchumfangs seien zu vermeiden, denn eine erhöhte Körperfettmasse begünstige die Entstehung von Tumoren. Dabei spielt auch eine gesunde Ernährung eine wichtige Rolle. Reichlich Getreide- und Kartoffelprodukte sowie viel Obst und Gemüse, ein bis zweimal in der Woche Fisch, Milch und Milchprodukte sowie zwei bis drei Liter Flüssigkeit am Tag sollten auf dem Speiseplan stehen. Verzichten sollten Betroffene auf rotes Fleisch, auf viel Zucker und Salz sowie Nahrungsergänzungsmittel. Auch Nikotin und Alkohol seien strikt zu vermeiden, so die Frauenärztin, da diese ebenfalls das Risiko für Krebs erhöhen.

Es sei aber nicht nur hilfreich, auf sein Gewicht zu achten, sondern auch aktiv zu bleiben. So empfiehlt die Frauenärztin Ausdauersportarten wie Wandern, Walken, Joggen, Radfahren und Schwimmen. Zusätzlich sollte zweimal wöchentlich ein leichtes Krafttraining stattfinden. Auch Stress reduzierende Tätigkeiten wie Tanzen, Yoga und Qi Gong können praktiziert werden. Zwei Patientinnen erkundigten sich, ob Bowling und der Gang in die Sauna angebracht wären. Karin Heinig versicherte, dass Saunagänge legitim seien, solange die Patientinnen keine Schmerzen verspüren. Auf das Bowling sollten Betroffene, die Brustkrebs auf der Wurfarm-Seite haben, verzichten.

Mit körperlichen Aktivitäten könne nicht nur das Brustkrebs-Risiko gezielt gesenkt, sondern können auch Schlafstörungen und Erschöpfungszustände vermieden werden. Zudem fördert regelmäßige Bewegung Motivation sowie Mut und stärkt das Selbstvertrauen.

In einem zweiten Vortrag erfuhren die Patientinnen mehr über die Möglichkeit, die zirkulierenden Tumorzellen im Blut, die für die Metastasenbildung verantwortlich sind, mittels Zellzahlenbestimmung zu kontrollieren.

Zum Ausklang nutzten viele Frauen die Möglichkeit für persönliche Gespräche.

Zum Thema:
Frauen, die an Krebs erkrankt sind, treffen sich in dieser Gesprächsgruppe einmal im Monat, um Gedanken auszutauschen, über Probleme mit der Krankheit zu sprechen, Mut zu machen und Wege aufzuzeigen, um mehr Lebensqualität zu erlangen. Laut Leiterin Carola Metag gehören der Gruppe derzeit 25 Frauen an. Da noch mehr Interesse und Bedarf vorhanden sind, werde derzeit versucht, eine zweite Gruppe zu eröffnen.