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| 08:41 Uhr

"Es fehlen die Leute auf der Straße"

Forst.. Gestern demonstrierten in Forst etwa 100 Menschen gegen die Arbeitsmarktreformen der Bundesregierung, die am 1. Januar in Kraft getreten sind. Die Veranstalter der Demo in Forst zeigten sich etwas enttäuscht von der Beteiligung. Immerhin ist etwa jeder Fünfte in der Rosenstadt bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet. Trotz der geringen Resonanz soll es auch in den nächsten Wochen weitere Demonstrationen geben. Nach Angaben von Landrat Dieter Friese (SPD) gab es in Spree-Neiße keine Probleme beim Anlaufen des Eigenbetriebs, der für die Arbeitslosengeld II-Bezieher zuständig ist. Bernd-Volker Brahms

"Reiht euch ein", ruft Doris Dreßler den Leuten am Straßenrand zu, "wir brauchen jede Unterstützung". Ein Zug von etwa hundert Menschen zog gestern von der Agentur für Arbeit in der Käthe-Kollwitz-Straße in Forst bis hin zum Kreishaus. Vier Demonstranten halten ein Spruchband, auf dem steht: "Sozialstaat BRD". Dahinter tragen zwei Frauen einen Kindersarg. "Wir tragen heute den Sozialstaat symbolisch zu Grabe", sagt Doris Dreßler. Man wolle sich nicht so einfach kleinkriegen lassen. Viele würden erst noch zu spüren bekommen, was die Reformen tatsächlich für sie bedeuten würden. "Die Gesetze sind doch gar nicht von A bis Z durchdacht."

Sie selbst erhalte gar kein Arbeitslosengeld, sagt Doris Dreßler, da ihr Mann 1,50 Euro zuviel verdienen würde. Ähnliche Erfahrungen haben auch andere Demonstranten gemacht. "Ich habe einen Nebenjob", sagt der 51-jährige Hans-Jürgen Grütmacker, "diese Nebentätigkeit wird mir jetzt voll angerechnet". Leute, die einen Ein-Euro-Job machen, hätten am Ende mehr Geld in der Tasche als er, sagt Grütmacker.

Die Demonstration in Forst verläuft absolut friedlich. Kurz vor dem Kreishaus trifft die Menschenmenge auf Landrat Dieter Friese, dessen Fahrer mit dem Landrats-Mercedes kurz hält, um die Gruppe vorüberziehen zu lassen. "Der sollte auch für einen Euro arbeiten", ruft ein Einzelner aus der Gruppe der Demonstranten. Ansonsten ist keine Aggressivität zu spüren.

Friedlich und mit Argumenten Man wolle mit friedlichen Mitteln und Argumenten auf die Situation der Arbeitslosen aufmerksam machen, sagt Doris Dreßler. Es stecke hinter der Demonstration in Forst auch keine Partei oder Gewerkschaft. "Die Arbeitslosen können die Botschaft ohnehin selbst am besten rüberbringen" , sagt sie. Hartz IV bedeute viel Ungerechtigkeit. Es gebe beispielsweise massive Eingriffe in die Datenschutzrechte und die freie Wahl des Arbeitsplatzes.

Weitere Demonstrationen geplant "Es fehlen die Leute auf der Straße", ruft Hans-Jürgen Grütmacker durch das Megafon. Man bräuchte sich nicht zu schämen. Der gelernte Maurer, der seit mittlerweile vier Jahren arbeitslos ist, engagiert sich bei der Demonstration als Ordner. Er vermutet, dass in den nächsten Wochen mehr Menschen zu mobilisieren seien. "Jetzt haben die Leute noch ihr Geld, aber ab Februar müssen sie dann mit ihrem Arbeitslosengeld II zurecht kommen."

Nach Angaben von Landrat Dieter Friese konnte der Eigenbetrieb des Landkreises Spree-Neiße gestern ohne Probleme seine offizielle Arbeit aufnehmen. Er habe sich vor Ort in Spremberg und in Guben in den Außenstellen darüber informiert, so Friese. Probleme, die es bundesweit durch falsche Datenübertragung gegeben habe und durch die auch Menschen in Spree-Neiße betroffen waren, seien mittlerweile behoben.

In den nächsten Wochen soll es weitere Demonstrationen gegen die Hartz IV-Gesetze in Forst geben, erklärten die Veranstalter. Nächster Treff ist der kommende Monatg um 18 Uhr vor der Agentur für Arbeit.