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Erzieher verunsichert wegen Immissionen aus Brozek

Sabine Dittmann hätte sich eine bessere Informationspolitik gewünscht.
Sabine Dittmann hätte sich eine bessere Informationspolitik gewünscht. FOTO: Angela Hanschke (Archiv)
Forst. Verunsichert sind Erzieher einer privaten Kita im Forster Stadtteil Keune, was die Auswirkungen durch den Brand auf einer Recyclinganlage in Keune angeht. In einem offenen Brief werden die bisherige Informationspolitik und Lücken bei der grenzübergreifenden Zusammenarbeit bemängelt. Jürgen Scholz

Man alle Mitteilungen akribisch verfolgt, "um menschlich richtig und verantwortungsbewusst den Kindern und uns selbst gegenüber zu handeln", heißt es von dem offenen Brief, den die Betreiberin des Kinderhauses am Wasserwerk in Keune verschickt hat. "Die Belastung der Umwelt war anfangs durch die aufsteigende Rauchwolke ersichtlich, ist aber bis heute durch die stark nach Chemikalien riechende Luft wahrnehmbar", so Erzieherin Sabine Dittmann. Es habe sichtbare Veränderungen der Gesundheit bei Kindern und Erwachsenen gegeben, wie beispielsweise Kopfschmerzen, Übelkeit, Augenreizungen und anhaltender Hustenreiz bis hin zum Auswurf.

Das habe man auch dem Landesumweltamt in Cottbus mitgeteilt, als es bis zum 8. März keine aussagekräftigen Mitteilungen für die Öffentlichkeit gegeben habe. Das Landesumwelt in Potsdam habe aber dann darauf hingewiesen, dass weder Landesamt für Umwelt, noch das Ministerium für ländliche Entwicklung über eine Messeinrichtung für Luftschadstoffe verfüge. Auf bitten des Landkreises nahm die BASF Schwarzheide mit Unterstützung von einer Fachfirma Proben, die zum Teil ausgewertet sind (Verweis). Das auf den Nachweis von Dioxinen spezialisierte Labor in Münster benötigt allerdings noch einige Tage. Was dessen Einsatz den Landkreis Spree-Neiße kostet, konnte Landrat Harald Altekrüger (CDU) am Dienstag noch nicht beziffern.

Da die Geruchsbelastung anhalten suchte die Kita am Dienstag beim Gesundheitsamt des Landkreises Spree-Neiße um Rat. Laut Sabine Dittmann ist man darauf hingewiesen worden, je nach Geruchsbelastung nach eigenem Ermessen zu handeln und zu entscheiden, in welchem Zeitrahmen man sich ins Freie begibt. Dabei stelle sich die Frage, inwieweit sich diese langanhaltende Umweltbelastung bei starken und geringer Geruchsbelastung auf die Bürger der Stadt Forst auswirkt. "Wir möchten hiermit aufzeigen und sensibilisieren, dass dieser Werdegang über die Ämter und Behörden, in einem so langen Zeitraum, der die Gesundheit aller Bürger betrifft, in der heutigen Zeit nicht akzeptabel ist", heißt es in dem offenen Brief.

Darin wird auch die Frage, aufgeworfen, warum es "in der heutigen Zeit hinsichtlich europäischen Abkommen" keine entsprechenden Regelungen zur Zusammenarbeit gibt. Die polnische Feuerwehr hatte vor vier Wochen mit einem massiven Aufgebot über mehrere Tage den Brand bekämpft, aber keine Unterstützung der deutschen Feuerwehren gefordert. Seit mehreren Wochen wird die Brandwache der Betreiberfirma überlassen, da ein aktives Bekämpfen des Brandes nicht möglich sei, heißt es vonseiten der polnischen Berufsfeuerwehr.

Der ehemalige Kreis-Umweltdezernent Klaus-Peter Schulze (CDU) stellt die Frage, warum der Brand nicht mit Erdmassen erstickt werde. Zu diesem Mittel habe man 1996 beim Brand von einem Reifenlager bei Frauendorf gegriffen, als nichts anderes mehr half, so Schulze, der jetzt Bundestagsabgeordneter und Kreistagsabgeordneter ist. Fotos von Montagabend, die ihn Forster Einwohner gezeigt hätte, würden Flammen zeigen. Von einem Glimmen könne keine Rede sein. Gefordert sei das Land Brandenburg.