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| 15:32 Uhr

Landwirtschaft
Futter für Milchkühe wird knapp

Landwirtschaft Milchkuh
Landwirtschaft Milchkuh FOTO: LR / Manfred Feller
Spree-Neiße. Trockenheit zwingt ersten Agrarbetrieb zum Tierverkauf. Silage reicht bis zum Frühjahr. Von Katrin Kunipatz

Heiß, trocken und sonnig präsentiert sich das Wetter seit Mai dieses Jahres. „Nur 300 Millimeter Niederschlag sind seit Januar gefallen“, beschreibt Frank Schneider, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Spree-Neiße, die Situation. Normal wäre etwa die doppelte Regenmenge. Die Ernteausfälle resultieren aus der Trockenheit, die nun auch den Milchviehbetrieben Sorgen bereitet.

„Schon seit der Mitte dieses Jahres zehren wir von den Vorräten und haben kaum Möglichkeiten, neue Reserven anzulegen“, sagt Bernd Starick, Vorstandsmitglied der Bauern AG Neißetal. Man habe versucht, die Ausfälle beim Wiesenschnitt aufzufangen und im Juli auf einer Fläche von 100 Hektar Gras angesät. Es folgten fast 30 Tage ohne Regen mit Temperaturen von über 30 Grad Celsius. Die wenigen Samen, die überhaupt keimten, vertrockneten. „Vergangene Woche entschieden wir, alles umzupflügen und, weil die Zeit drängt, Winterroggen auszusäen“, sagt Starick. Der könnte Mitte April kommenden Jahres seinen Tieren als Futter dienen. Bis dahin reicht die Futtermenge für die rund 620 Kühe im Stall der Bauern AG Neißetal. Wenn auch nur knapp. Deshalb wird in den nächsten Wochen überlegt, welche Tiere zu halten sind und auf welche man verzichten muss.

Bernd Schäfer, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Gahry, ist schon einen Schritt weiter. „Wir sind gezwungen unseren Tierbestand um 50 auf rund 830 Tiere zu reduzieren“, sagt er. Es sei ein harter Einschnitt, aber das Futter in den Silos wird knapp. Vor allem die Anwelksilage fehlt. War der erste Schnitt noch gut, kratzte man beim zweiten Schnitt schon die wenigen Halme zusammen. Der dritte Schnitt fiel aus. Schäfer fürchtet auch, dass sich die Wiesen – selbst falls Regen kommt – in diesem Jahr nicht mehr ausreichend erholen, um im Oktober mähen zu können. Deshalb habe die Agrargenossenschaft Gahry schon während der Ernte begonnen Stroh zuzukaufen, um es später als Silage verfüttern zu können.

Auf die Milchqualität und die Milchmenge wirkt sich die schlechte Ernte noch nicht aus. Die Milchkühe bekommen Futter, das bereits im vergangenen Jahr eingelagert wurde. Glücklicherweise gab es 2017 viel Grünschnitt. Katastrophal wäre es, wenn auf dieses extrem trockene Jahr ein weiteres folgt, so der Gahryer Geschäftsführer. Er überlegt bereits, noch größere Reserven anzulegen.

Aber auch die Hitze machte den Kühen in diesem Sommer zu schaffen. „Die Wohlfühltemperatur einer Kuh liegt bei zehn bis 15 Grad“, erläutert Bernd Starick. Zwar habe man versucht in den bereits nach allen Seiten offenen Ställen für zusätzliche Luftbewegung zu sorgen, aber bei Außentemperaturen von über 30 Grad seien die Möglichkeiten begrenzt. Der Hitzestress führt dazu, dass die Milchmenge zurückgeht und auch der Fettgehalt abnimmt, bestätigt Bernd Schäfer.

Knapp wird das Futter auch bei der Agrargenossenschaft Forst, aber über den Winter werde es reichen, so Vorstandsvorsitzende Susanne Zahn. Schon jetzt werden bei Silage und Heu die Futterrationen an die vorhandene Menge angepasst. Als Folge werde die Milchleistung nach unten gehen. „Wir überlegen, einige Mutterkühe abzugeben und soweit es geht Mastrinder zu verkaufen, um weniger Fresser im Stall zu haben“, sagt Zahn

Trotz aller Widrigkeiten planen die Agrarbetriebe fürs kommende Jahr und sehnen den Regen herbei. Die Forster haben Raps ausgebracht. Auf den Feldern der Gahryer habe man „die Gerste in die Asche gelegt“, beschreibt Bernd Schäfer sehr bildhaft die völlige Trockenheit. In Schenkendöbern hofft man, dass Luzerne und Gras vielleicht noch im Oktober nachwachsen.