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Erstes Treffen ehemaliger Glasarbeiter in Döbern

Auch die Fanartikel wurden den Ehemaligen vorgestellt.
Auch die Fanartikel wurden den Ehemaligen vorgestellt. FOTO: Angela Hanschke/aha1
Döbern. 25 hatten sich angemeldet, mehr als 30 Ehemalige stellten sich am Dienstagnachmittag beim ersten Glasarbeiterstammtisch der Cristalica GmbH ein. Nach Angaben der Geschäftsführung soll dieser regelmäßig fortgesetzt werden. aha1

Etwa 1700 Beschäftigte fanden in der Blütezeit des VEB Glaswerk Döbern - einstmals größter Bleikristallhersteller der DDR - Lohn und Brot. Viele ein Arbeitsleben lang. Um dieses drehten sich die Gespräche natürlich bei diesem Zusammentreffen, ebenso wie um die lange, im Jahre 1867 durch die Gebrüder Hirsch begründete Glasmachertradition. Am 23. September werde deshalb das "Fest der Glasarbeiter - 150 Jahre Döberner Glas gefeiert", kündigte Cristalica-Chef Lutz Stache an.

Einblick in die Welt der personalisierten Erzeugnisse aus Glas, Textilien und neuerdings auch aus Schokolade gab es nicht nur bei seinen Ausführungen im Wintergarten, der ehemaligen Hüttenschänke, sondern auch beim Rundgang mit Gästeführerin Ursula Grote. "Ganz erstaunlich, was hier jetzt produziert wird", befand Edgar Klauke, der 43 Jahre am Standort arbeitete und bis 2005 die Schlosserei leitete. Heute befindet sich hier das voll automatisierte Lager.

Das Glas lässt nicht nur Lothar Hampel, den ehemaligen Chef des Glaswerkes Schönborn, sondern auch Karin Adam nicht los. Zwischen 1982 und 1993 leitete sie das Jugend- und spätere Arbeiterwohnheim in der Nähe des Bahnhofs. Sieben Jahre später wagte ihr Ehemann, der Glasveredler Peter Adam, in der ehemaligen Hedwigshütte den Sprung in die Selbstständigkeit. Ihr Wunsch: "Für die Menschen, die ich damals betreut habe und denen Döbern nicht nur Arbeitsstelle, sondern auch Heimat wurde, Treffen zu organisieren."

Zu diesem kam auch Kurt Laurisch (62). Als Ruheständler, der seit der Wende 27 Jahre lang zu verschiedenen bayerischen Unternehmen pendelte, ist nun bei Schauvorführungen wieder als erfahrener Glasbläser in Döbern gefragt. "Spaß an der Arbeit und kein Zwang dahinter", nannte er seine Beweggründe. Glasgeschichte schrieb auch Frank Mader (61), der im Jahr 2009 gemeinsam mit Andreas Steiger eine Bürgerinitiative gründete und die drohende Zwangsversteigerung der Glashütte verhinderte. "Wer einmal hier in der Glasindustrie gearbeitet hat, hängt daran", sagte der Döberner, der sich ehrenamtlich als Vorsitzender des SV Döbern engagiert. Das Angebot von Lutz Stache an die Anwesenden: "Gemeinsam als Döberner mehr zu unternehmen, um Ideen zu schmieden, um das Leben in Döbern zu verbessern".