| 02:35 Uhr

Erstes Klassentreffen nach 60 Jahren

FOTO: ZVG
Forst. Eigentlich glaubt man es nicht, dass es Schulabgänger gibt, die sich nie wieder nach ihrer Schulzeit getroffen haben. Aber es ist so. 60 Jahre nach ihrer Einschulung haben sich die Abc-Schützen von damals mit ihrem Lehrer Klaus-Dieter Schmidt zum ersten Klassentreffen im Hornoer Krug eingefunden. Warum eigentlich? Margit Jahn / mjn1

Organisatorin Margitta Geffers vermutet Zeitgründe. Oder es hat sich einfach niemand dazu gefunden. Am vergangenen Samstag wurde alles nachgeholt. Vorsorglich hatte Margitta Geffers Namensschildchen organisiert. Die waren aber doch nicht nötig; eine Vorstellungsrunde reichte.

Ganze zwei Jahre dauerte die Vorbereitung. In fast schon kriminalistischer Spürarbeit wurden Namen und Adressen von 42 Schülern ausfindig gemacht. Der Nachnamenwechsel durch Heirat machte es nicht einfacher. Wolfgang Peschick, der gemeinsam mit Margitta Geffers das Klassentreffen organisierte, hatte zumindest die Forster schnell zusammen. Ansonsten wurde bei Familien nachgefragt und im Internet gesucht. Nach zwei Jahren Vorbereitungszeit war es soweit. 36 ehemalige Schüler der damaligen 8. Grundschule "Ernst Thälmann" waren gekommen. Damals war für 35 Schüler der Einschulungstag der 4. September 1957. Weil sie zum Übergang in die 6. Klasse bereits 42 Schüler waren, wurde die Klasse dann in eine Tagesklasse 7a und in eine Hausklasse 7b aufgeteilt. Eine davon führte dann Klaus Dieter Schmidt.

Um 18 Uhr stand die von allen heiß ersehnte Schulbesichtigung auf dem Programm. Die Schulleiterin der Evangelischen Grundschule, Kerstin Jannack, sowie Schulvereins-Geschäftsführer Mike Ströse führten sie durch das Haus. Begeistert waren alle vom alten Keller, denn "hier roch es noch genau wie damals", waren sich alle einig. Mauerwerk, Fußboden sowie Mobiliar schienen teilweise unverändert. Auch Werkbänke sowie Werkzeuge stehen noch im Keller.

Ein Wiedersehen mit ihrer alten Schule im doppelten Sinne hatte Karin Averdieck. War sie zu Beginn 1957 noch Schülerin in der "Eulschen Schule", wurde sie später selbst Direktorin dort - und für Klaus Dieter Schmidt von der Schülerin zur Chefin. Auch eine Konstellation, die nicht häufig vorkommt. Karin Averdieck wohnt inzwischen in Baden-Württemberg und freute sich besonders auf dieses erste Klassentreffen. "Es war schön. Wir haben viel Altes wiedererkannt - die jetzige Ausstattung ist super. Für die Kinder ist es ein idealer Standort", befand sie und ist zufrieden. "Aus dem, was wir aufgebaut haben, haben sie was gemacht. Davor ziehe ich den Hut."

Erinnert haben sie sich auch daran, dass sonnabends, damals noch ein Schultag, es immer eine Buttersemmel und Kakao vom Milchgeld gegeben habe. Die Aula mit ihren dicken Säulen war ihr erster Klassenraum gewesen.

Plauderstoff, der bis früh um 3 Uhr reichte, gab es genügend, denn Karin Averdieck hatte die alten Klassenbücher mit. Sie selbst feixte über die Eintragungen der damaligen Lehrer, die vergessene Hausaufgaben oder Schulschwänzen akribisch notiert hatten. "Es war schön, noch mal reinzugehen, nachdem wir rausgegangen sind", sagte sie und meinte es im doppelten Sinne; als Schülerin, aber auch als spätere Direktorin. Klaus Dieter Schmidt erzählte am Rande von Begebenheiten mit seinen ehemaligen Schülern, als wären sie gestern passiert. Er war sichtlich stolz, was aus seinen Schülern geworden sei. Es sei ein besonderer Jahrgang gewesen. Mit seiner Gitarre sorgte er noch immer für Stimmung. Im Speiseraum der Schule stimmte er mit allen "Hoch auf dem gelben Wagen" und "Unsere Heimat" an, welches die Klasse wie früher stimmungsvoll mitsang.

Karin Averdiecks Fazit zum ersten Klassentreffen nach 60 Jahren: "Es war ein schöner Tag - und ich habe fast alle wiedererkannt."