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| 17:08 Uhr

Veranstaltung
Körperkunst im Fokus

Die Forsterin Ramona Zeuke, die sich ein älteres Tattoo aufarbeiten ließ, mit Tätowierer David Liebner.
Die Forsterin Ramona Zeuke, die sich ein älteres Tattoo aufarbeiten ließ, mit Tätowierer David Liebner. FOTO: Margit Jahn
Forst. Große Nachfrage beim ersten Family-Tattoo-Tag im Forster „Manitu“ führt zu zweiter Auflage. Von Margit Jahn

Als Teufel haben ihn die meisten Gäste des Forster Mittelalter­spektakels Johannes Gaudium in Erinnerung. Dass sich aber hinter dem knallrot geschminkten Teufel aus Berlin ein teuflisch guter Tätowierer versteckt, haben viele Besucher des ersten Tattoo-Events in der Forster Erlebnisgaststätte „Manitu“ erst heute erfahren. „Zukurra-ar-can“ nennt er sich, anderen auch als „Cansas“ bekannt.

Er kam mit Gaudium-Organisator Aimo Bartel während des Gaudiums auf die Idee, einmal ein „Family Tatoo“-Event mit „Crazy Kreativ Tattookompanie“ in Forst anzubieten. Neben „Zukurra“, der seit 30 Jahren tätowiert, wurden fünf weitere Tätowierer eingeladen. Da einige von ihnen erkrankten, sprang kurzerhand Tätowierer David Liebner aus Lauta ein.

Beide Tätowierer suchten sich eine Ecke und bauten ihr kleines mobiles Studio auf. Gleich nach 12 Uhr kamen die ersten neugierigen Kunden, manche schauten sich erst einmal um, andere nutzten das Angebot, um sich ein neues Tattoo vor Ort stechen zu lassen.

So auch Ramona Zeuke aus Forst. Sie selbst hat schon mehrere Tattoos an Oberarm und Hand, heute möchte sie sich ein älteres Tattoo aufarbeiten lassen und mit einem neuen Schnörkel erweitern. „Zum Aushalten“ empfindet sie die Schmerzen während der 15 Minuten, die David Liebner an ihr arbeitet. Sie findet, dass es immer mehr Menschen gibt, die sich für diese Art der Körperkunst interessieren. „Man kennt schon fast gar keinen mehr, der nicht tätowiert ist“, so ihr Fazit. Ihr Mann Steve liebäugelt damit, die Namen seiner beiden Kinder in entsprechender Bandschrift eintätowieren zu lassen.

David Liebner, gelernter Koch und Friseur, hat sein Hobby zum Beruf gemacht und betreibt seit zwei Jahren in Lauta sein Studio „Tiefen Rausch Tattoo“. Durch seinen Onkel, der ein Studio hatte, ist er vor 17 Jahren in die Szene gekommen und hat danach in verschiedenen Studios gearbeitet und Erfahrungen gesammelt.

Tätowierer ist in Deutschland kein Ausbildungsberuf, wird als „gewerbliches Kunsthandwerk“ betitelt, man erlernt seine Fähigkeiten bei Kollegen oder in Kursen. Thomas Bierhold als Begleiter von David Liebner erzählt, während dieser konzentriert arbeitet, dass sich die Interessenten generell ihr Tattoo mehr durchdenken, da es einen bestimmten persönlichen Sinn ergeben soll. Schließlich sei dieses Tattoo ja immer präsent. Manchmal für alle sichtbar, manchmal an verborgenen Stellen.

„Die Beratung hat immer mehr zugenommen“, sagt er, und das sei sehr wichtig in dieser Branche. Eindeutige Regel bei David Liebner: „Unter 18 mache ich nichts. In diesem Fall müssen die Eltern anwesend sein. Der Körper ist noch in voller Entwicklung und die Jugendlichen sind auch noch nicht so weit, diese Arbeit mit den Folgen einzuschätzen“, sagt er.

Auch eine gute Menschenkenntnis sei sehr wichtig. Als Ramona Zeuke fertig ist, wird ihr gesagt, dass sie sich etwa drei bis vier Tage mit Vaseline oder Bepanthen eincremen soll. „Waschen bitte mit warmem Wasser“, wird ihr empfohlen. „Große Arbeiten heilen manchmal erst in drei bis sechs Monaten ab“, so Bierhold dazu.

„Man wird in Kontakt bleiben“, sagt Ramona Zeuke, als sie sich zufrieden mit ihrem neuen kleinen Kunstwerk auf den Heimweg macht. Davids Oma bekam übrigens mit 64 Jahren den Namen ihres toten Mannes mit einem Blümchen vom Enkel auf das Schulterblatt eingraviert und war sehr zufrieden.

Trash Polka nenne sich sein Stil, den er gerne anwendet, meist in Schwarz, Grau und Rot, so der Tätowierer. Stile gebe es viele. Die Chemie zwischen Kunde und Tätowierer sei wichtig. Die liebsten Motive von „Cansas“: „Bilder, die mir Spaß machen. Die gefragten Motive sind regional unterschiedlich.“ Mit moderner Technik, so der Cheyenne-Hawk-Tattoomaschine, mit der er arbeitet, sei ein schmerzärmeres Arbeiten möglich. Bis zum Nachmittag sind ein Elefant, eine Fleur de Lys, Blüten und als neue Herausforderung das Freudsche „Eisbergmodell“ entstanden.

Die Forsterin Christina Ander­ßon vertrat ihre Tochter Annie Frenzel „The German Hammer“, die seit einiger Zeit in Amerika als Tätowiererin tätig ist, und bot T-Shirts der Künstlerin an.

Aufgrund der großen Nachfrage gibt es am 24. November eine zweite Auflage dieser Veranstaltung.