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| 02:36 Uhr

Erstaunen über klares Wählervotum

Mienenspiel süß-sauer: Philipp Wesemann (links) und Sven Zuber nach der Stichwahl in Forst.
Mienenspiel süß-sauer: Philipp Wesemann (links) und Sven Zuber nach der Stichwahl in Forst. FOTO: Landes
Forst. Bei der SPD ist der Jubel verhallt, bei der CDU der ärgste Kater vergangen. Am Tag nach der Bürgermeister-Stichwahl in Forst mit ihrem überraschend deutlichen Ergebnis kommen die anderen politischen Vereinigungen zu Wort. Hartmut Landes

Medienandrang am Montag in Forst. Alle wollen Wesemann. Ist er bald jüngster Bürgermeister Deutschlands oder nicht? "Nicht ganz", befindet Philipp Wesemann (SPD). In Baden-Württemberg ist einer noch ein paar Monate jünger. Sei's drum. Es geht nicht ums Alter, sondern um die Arbeit, die er zu leisten vermag.

Bei seiner schwierigen Aufgabe erhält er Zuspruch von Politikern jener Fraktionen, die in der Forster Stadtverordnetenversammlung vertreten sind. Erwartet werden konnte das von der Linkspartei. Zwei ihrer Vertreter gratulierten schon am Wahlabend. Fraktionschef Ingo Paeschke, der nach seinem Scheitern im ersten Wahlgang eine Wahlempfehlung für Wesemann ausgesprochen hatte, interpretiert das Ergebnis so: "Erstaunlich, dass alle meiner Wähler unserem Vorschlag gefolgt sind." Paeschke erwartet eine konstruktive Zusammenarbeit und will den Bürgermeister in seiner Arbeit zum Wohl der Stadt unterstützen. Lothar Lischke, Fraktionschef der FDP, bekennt, dass ihn das Ergebnis in dieser Klarheit überrascht habe. Die Zusammenarbeit mit dem neuen Rathauschef werden die Liberalen mindestens genauso weiterführen wie mit dem bisherigen. Und das ist mit Jürgen Goldschmidt noch ein Vertreter ihrer Partei. "Philipp Wesemann ist von den Bürgern gewählt. Und wir arbeiten für Forst, nicht für den Bürgermeister", sagt Lischke, der ein wenig Bauchweh einräumt, weil es Wesemann an Führungserfahrung mangele.

Wichtig sei, dass der neue Rathauschef seinen Worten Taten folgen lasse. Unterstützung verspricht auch Wolfgang Starick. Der Chef der Fraktion "Wir für Forst" erklärt: "Wir werden den Bürgermeister nach besten Kräften unter die Arme greifen, wenn es notwendig ist." Die Wahl von Wesemann hatte er so deutlich nicht erwartet. Doch die Masse der Wähler habe sich für den jungen und dynamischen Kandidaten entschieden. Jetzt komme es darauf an, Politik für Forst und zum Wohl der Bürger zu machen. Starick: "So ist der Wählerwille. Und so gehen wir das jetzt an."

Zum Thema:
Michael Bergrab (Jahrgang 1992) wurde im März 2014 mit 22 Jahren jüngster ehrenamtlicher Bürgermeister in Deutschland. Er ist Rathauschef von Lisberg bei Bamberg in Oberfranken. Die Gemeinde hat 1800 Einwohner. Bergrab studiert Staatswissenschaften an der Uni Erfurt. Er er ist parteilos.Marian Schreier (Jahrgang 1990) wurde am 1. März 2015 mit 25 Jahren jüngster hauptamtlicher Bürgermeister in Deutschland. Er gewann an diesem Tag die Wahl im baden-württembergischen Tengen. Der Ort hat 4500 Einwohner. Er ist Sozialdemokrat, Studium der Verwaltungswissenschaft in Konstanz und Studium in Oxford.Philipp Wesemann (Jahrgang 1989) wird jüngster Bürgermeister einer Kreisstadt in Deutschland. Der gebürtige Forster ist gelernter Biologielaborant, arbeitete für Vattenfall und leitet bisher das Wahlkreisbüro von Dietmar Woidke und Ulrich Freese.