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Erst in Deutschland mit Farbe

Serdar Hesso mit seinem ersten Bild, das seine Flucht mit dem Schlauchboot symbolisiert.
Serdar Hesso mit seinem ersten Bild, das seine Flucht mit dem Schlauchboot symbolisiert. FOTO: Steffi Ludwig
Forst. Er ist Modedesigner, hat viele Jahre lang im syrischen Aleppo erfolgreich in seinem Beruf gearbeitet. Doch dann kam der Krieg und zerstörte alles. Steffi Ludwig

Serdar Hesso (39), seine Frau und die drei Kinder mussten flüchten, lebten erst in der Türkei. Doch dort seien die Zustände nicht gut gewesen, die Kinder hätten nicht in die Schule gekonnt, berichtet Serdar Hesso.

Deshalb schickte er seine Kinder und seine Frau weiter auf die Flucht Richtung Deutschland, für seine eigene Flucht reichte das Geld nicht. Er musste erst noch eine Weile arbeiten, bis er selbst mit dem Schlauchboot flüchten konnte, berichtet er in recht gut verständlichem Deutsch. Seine Familie hat er wiedergefunden.

Am Montag hatte er seinen großen Auftritt bei der Eröffnung der interkulturellen Woche im Forster Kreishaus, bei der auch eine Ausstellung mit seinen Bildern eröffnet wurde. Vor knapp zwei Jahren war er in Guben angekommen, als einer der ersten in der Notunterkunft in der Bahnhofstraße, wie sich Simone Hoth vom Gemeinnützigen Berufsbildungsverein Guben (GBV) erinnert. Seit April 2016 wohnt er mit seiner Familie in einer Wohnung des Sozialamtes, die Familie sei auch aktiv im Netzwerk "Flucht und Migration", berichtet Simone Hoth. Bereits beim Gubener Appelfest habe Serdar Hesso eine kleine Ausstellung seiner Bilder gezeigt.

Denn erst, seit er in Deutschland ist, habe er angefangen, mit Farbe zu malen, gibt der Syrer zu. In Syrien habe er keine Zeit dazu gehabt und habe dort auch nicht malen können, höchstens mit Bleistift. Doch hier sei gleich das erste Bild entstanden, das seine Flucht im Schlauchboot zeigt. "Das Schlauchboot hält die Flüchtenden wie eine schützende Hand. Noch verfolgt sie die blutige Spur, doch eines Tages wird das Wasser die Tränen und das Leid weggespült haben", hat er darunter geschrieben.

Für seine großformatigen Werke verwendet er oftmals leuchtende Farben. Die Motive sind abstrakt, aber auch gegenständlich. Die Bilder lassen Interpretationsspielraum, sprechen jedoch eine deutliche Sprache.

Im Bild "Im Exil" zeigt Serdar Hesso die innere Zerrissenheit des Menschen, wieder mit intensiven Farben. Er versuche nun spirituell, seiner Entfremdung und Heimatlosigkeit ein Gesicht zu geben. Er vermisse seine Mutter und seine Geschwister, die zum Teil in Syrien geblieben sind.

"Es war uns wichtig, über die Malerei Dinge zu vermitteln", sagte auch Spree-Neiße-Integrationsbeauftragte Annett Noack. Auch einige Werke des in Forst lebenden und ebenfalls aus Syrien stammenden Innenarchitekten Rami Abosaleek sind im Kreishaus zu sehen.

Serdar Hesso, der im Duett mit der Gubener Sängerin Miriam Quappe auch seine musikalischen Fähigkeiten gezeigt hat, ist unterdessen in Deutschland angekommen. "Viele Menschen haben mir geholfen", sagt er dankbar. "Und durch die Malerei und Musik geht es mir besser. Ich will auch in Deutschland arbeiten." Dafür müsse man viel lernen, das sei ihm und vielen anderen Flüchtlingen bewusst.

Zum Thema:
Die Werke von Serdar Hesso und Rami Abosaleek sind bis zum 20. Oktober zu den Öffnungszeiten im Forster Kreishaus, Heinrich-Heine-Straße 1, auf zwei Etagen zu sehen.