| 02:37 Uhr

Forster Geschichtsstammtisch
Erinnerungen an den Gründer des Forster Kreises

Großes Interesse gab es für die Jahrgänge der Heimatzeitung "Forster Kreis".
Großes Interesse gab es für die Jahrgänge der Heimatzeitung "Forster Kreis". FOTO: Angela Hanschke/aha1
Forst. Zahlreiche Forster, die nach dem Krieg ihre Heimat Richtung Westen verlassen hatten, haben über Gerhard Krumm weiter Kontakte gepflegt. aha1

Wie soll man mit historischen Beständen verfahren, die sich nur schwer in eine Ausstellung einfügen lassen, aber dennoch größere öffentliche Beachtung verdient haben? Innerhalb der Veranstaltungsreihe "Forster Geschichtsstammtisch" werden solche regionalen Miniaturen in einem Fundusabend des Brandenburgischen Textilmuseums vorgestellt. Am Donnerstagabend stand der "Forster Kreis um Gerhard Krumm" im Mittelpunkt.

Museumsleiterin Michaela Zuber hielt vor rund 40 Besuchern die Laudatio zu seinem Wirken. Gerhard Krumm, 1909 im elsässischen Straßburg geboren, lebte seit frühen Kinderjahren in Forst. Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs wohnte er in Lübeck, wo er im Jahre 1947 den "Forster Kreis" gründete, um den aus Forst Vertriebenen beziehungsweise Geflüchteten die Chance zu geben, Kontakte wieder aufzubauen und zu halten.

Gerhard Krumm sammelte im Bundesgebiet Adressen. Zuletzt umfasste dieses Archiv 3200 Familienanschriften. Mit großem Aufwand organisierte er regelmäßig Heimattreffen in Hamburg, Bremen, Iserlohn, Karlsruhe, Frankfurt am Main und München. Sein Verdienst ist auch die Herausgabe der monatlich erscheinenden Heimatzeitung des Forster Kreises. Darin erschienen Suchanzeigen, aktuelle Berichte aus Forst, aber auch Reisewarnungen und Stellenangeboten. Zeugensuchen dienten dazu, um Rentenansprüche zu sichern. Veröffentlichungen von Jubiläen und Todesanzeigen gaben Informationen weiter, die über weiter Entfernungen und später über die Grenze schwer zu erhalten waren. Es gab auch den unentwegten Appell, die Menschen in der alten Heimat solidarisch zu unterstützen.

Aber auch Verhaltensregeln erscheinen im Blatt. Um die Empfänger der Gaben nicht zu gefährden wurde beispielsweise davor gewarnt, Firmen- oder Behördenanschriften als Absender zu verwenden. Die Mitglieder des Lübecker Männerchors, dem Krumm angehörte, gaben ihre Namen dazu, was aber nicht unentdeckt blieb. Und so gelangte der Heimatkreisbetreuer als "Revanchist" ins Fahndungsbuch der DDR. Dennoch konnten dank der erbetenen Spenden zwischen 1950 und 1989 circa 8000 Pakete im Wert von 125 000 DM nach Forst versandt werden, die mittels Aufschrift als "Geschenksendung - keine Handelsware" deklariert wurden. Viele Zuhörer im Saal konnten sich noch gut daran erinnerten.

Krumm, Lokalpatriot im besten Sinne des Wortes, wurde im Jahre 1963 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Nach der friedlichen Revolution fand am 8. September 1990 das erste Gesamtdeutsche Forster Treffen mit mehr als 600 Teilnehmern im damaligen Schützenhaus statt. 1991 folgte aus Anlass der Wiedervereinigung die zweite Auflage. In jenem Jahr verlieh ihm die Stadt Forst als 14. und bislang letztem Menschen die Ehrenbürgerwürde. "Für meinen Vater der Höhepunkt in seinem Leben", kommentierte dies damals sein Sohn. Bis mindestens zum Jahre 2002 erschien die Heimatzeitung. Bereits fünf Jahre zuvor musste Gerhard Krumm hochbetagt die Organisation der Heimattreffen aufzugeben. Am 22. Dezember 2003 verstarb er in Lübeck. Sein Grab befindet sich auf dem Forster Hauptfriedhof.

Beifall gab es am Ende der Ausführungen für den Vortrag und posthum auch für Krumms Lebenswerk. Zwei Vitrinen im Museum zeigen nun von ihm gesammelte Aufzeichnungen, Heimatkalender, Prägestempel, Wappenteller sowie Bände der Heimatzeitung.

Harald Bethke von der evangelischen Stadtkirchengemeinde erinnerte an die Spendensammlung innerhalb des Forster Kreises, die 49 000 DM für den Aufbau des Turmes der Forster Stadtkirche erbrachte und Dietmar Petke berichtete von der Spendenaktion zugunsten des Forster TV 1861. Eine Bitte äußerte Manfred Geisler, der im Rahmen des Forster Jahrbuchs die Geschichte der Ehrenbürger aufarbeitet. "Ich gehe davon aus", so sagte er, "dass es noch viele Zeitzeugen gibt, die Gerhard Krumm noch persönlich kennengelernt haben" (Kontakt 03562 660619 oder mfgeisler@t-online.de).