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| 13:45 Uhr

Ankündigung
„Originaler geht es nicht“

Manitu-Chef Frank Pfitzmann vor seiner Erlebnisgaststätte mit der Ankündigung der Bluesmesse.
Manitu-Chef Frank Pfitzmann vor seiner Erlebnisgaststätte mit der Ankündigung der Bluesmesse. FOTO: LR / Steffi Ludwig
Forst. Warum „Manitu“-Chef Frank Pfitzmann in Forst an die legendären Bluesmessen erinnern will. Von Steffi Ludwig

Dass der ehemalige Jugendpfarrer Rainer Eppelmann auf seine Anfrage per E-Mail sofort zugesagt hatte, freut Frank Pfitzmann ganz besonders. Schon vor einigen Jahren hatte der Chef der Forster Erlebnisgaststätte „Manitu“, einem der wenigen Live-Clubs in der Region, das Thema Bluesmessen auf dem Schirm gehabt. Aus verschiedenen Gründen klappte es nicht – dafür in diesem Jahr umso besser.

Denn mit Rainer Eppelmann ist einer der Gründer der legendären Bluesmessen in Forst vor Ort und wird in einer etwa einstündigen Talkrunde Frank Pfitzmann Rede und Antwort stehen. Denn Eppelmann war nicht nur Minister für Abrüstung und Verteidigung in der letzten DDR-Regierung. Der Bürgerrechtler war es gewesen, der 1979 seine Samariterkirche in Berlin-Friedrichshain für ein Benefizkonzert geöffnet hatte, das Günther Holly Holwas geben wollte. „Die Gottesdienste mit Blues-Musik, die Bluesmessen, waren geboren“, so Frank Pfitzmann, der viele Bücher zum Thema gelesen hat. Die Messen seien ein Ort des Widerstands gegen das DDR-System gewesen, weshalb auf Eppelmann auch 40 Stasispitzel angesetzt worden seien. Sogar Mordpläne gegen ihn habe es gegeben.

„Letztendlich hat er es geschafft, dass rund 50 000 Menschen zu den 20 Bluesmessen nach Berlin gepilgert waren“, so Pfitzmann. „Er wird uns alles aus erster Hand erzählen. Originaler geht es nicht.“ Pfitzmann selbst war nicht bei den Bluesmessen dabei. „Ich war zum Ende der Bluesmessen 1986 zu jung dafür“, sagt er.

Was Blues ist, hatte er als Jugendlicher jedoch auch in Forst mitbekommen. „Im Kulturhaus Eulo wurden Blueskonzerte gegeben, zu denen viele Leute kamen“, erinnert er sich. Da er ganz in der Nähe wohnte, habe er auch gesehen, wie Blueser verdroschen wurden. „Ohne Grund, weil sie beispielsweise durch ihre Haare zeigten: Wir sind anders.“ Auch Pfitzmann war in der Schule öfter angeeckt, fand die Grenzen der DDR zu eng.

Deshalb kann er sich mit dem Thema gut identifizieren, hatte im „Manitu“ bereits mehrere Bluesbands zu Gast. Auch Jürgen Kerth und Monokel, die am Samstag bei ihm auftreten werden, waren bereits da. „Nur Kirsche & Co. waren noch nicht da“, so Pfitzmann.

Bereits im Mai hatte es eine erste Bluesmesse im „Manitu“ gegeben, mit Pasch, der Jonathan Blues Band und Engerling. „Viele Gäste waren da, auch viel neues Publikum, das die Mischung aus Interview und Konzert gut fand“, erzählt der Wirt.

Diesmal will er auf einer Leinwand auch Alltagsgegenstände aus der damaligen Zeit wie Schnaps, Zigarettenschachteln, Parka oder die typischen Hirschbeutel der Blueser zeigen. Zur Verfügung gestellt hat ihm die Bilder Michael Rauhut, der das Buch „Bye Bye, Lübben City“ über die Blueserszene geschrieben hat. Da Rauhut Professor an einer norwegischen Uni sei, könne er nicht nach Forst kommen.

Rainer Eppelmann ist seit 1998 Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.