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| 02:35 Uhr

Erfolgsmodell: Mit 17 hinterm Steuer

Bereit für seine sechste Fahrstunde: der 17-jährige Florian Malke mit Fahrlehrerin Kristin Starick.
Bereit für seine sechste Fahrstunde: der 17-jährige Florian Malke mit Fahrlehrerin Kristin Starick. FOTO: Steffi Ludwig
Forst. Der Führerschein mit 17 gilt auch in Spree-Neiße als Erfolgsmodell: Die Zahl der Unfälle, bei denen 18- bis 24-Jährige als Verursacher gelten, gingen deutlich zurück. Auch in Forst wird der Führerschein mit 17 stark nachgefragt. Steffi Ludwig

Hoch motiviert steigt Florian Malke (17) in den Fahrschulwagen. Es ist seine sechste Fahrstunde durchs Forster Stadtgebiet. "Er stellt sich gut an", lobt Fahrlehrerin Kristin Starick (35). Immer mehr werde der Führerschein mit 17 bei der Fahrschule absolviert, die neben Forst auch Standorte in Spremberg, Guben, Cottbus und Weißwasser hat. "Besonders in Forst und Spremberg ist die Nachfrage hoch, in Cottbus ist offenbar durch Straßenbahn und mehr Busse das Durchschnittsalter der Fahranfänger höher", so Kristin Starick.

Für Florian Malke stand fest, dass er den Führerschein mit 17 machen wollte: "Dann kennt man sich mit 18 schon aus." Auch seine jetzt 19-jährige Schwester Carolin hat den Führerschein mit 17 gemacht - und beherrscht nach Auskunft von Mutter Katrin Malke gerade bei ihrem Work-and-Travel-Aufenthalt den Linksverkehr in Neuseeland, der durchaus auch mal fünfspurig sein kann. "Durch das begleitete Fahren bin ich jetzt beruhigter, weil ich weiß, wie meine Tochter fährt", so Katrin Malke. "Ich konnte sie ohne Angst mit 18 allein ans Steuer lassen. Wir haben sie mit 17 beispielsweise auf dem Weg in den Urlaub ein Stück fahren lassen - das hilft auch den Kindern, weil sie sicherer werden."

Weniger Unfall-Verletzte

Die Zahlen sprechen für das Modell: Hat es im Jahr 2010 noch 665 Unfälle im Landkreis Spree-Neiße gegeben, die durch 18- bis 24-Jährige verursacht wurden, waren es 2015 nur 284. "Das ist eine sehr positive Bilanz", teilt Polizeisprecherin Ines Filohn auf Nachfrage mit. Auch die Zahl der Verletzten bei diesen Unfällen sei deutlich zurückgegangen. Wurden 2010 noch zwei Menschen bei den Unfällen mit Fahranfängern getötet, mussten 2015 keine Toten beklagt werden. Auch die Schwere der Schäden an den Autos habe laut Ines Filohn bei diesen Unfällen abgenommen: Waren es 2010 noch 44 Unfälle mit Totalschaden und 547 Unfälle mit einfacheren Blechschäden, schlagen die elf Totalschäden und 235 Blechschäden im Jahr 2015 deutlich geringer zu Buche. Im vergangenen Jahr sei zudem kein Unfall, bei dem der Verursacher zwischen 18 und 24 war, unter Alkoholeinfluss passiert. 2010 war dies noch zweimal der Fall gewesen.

Junge Fahrer sind sicherer

Auch bei den Unfallursachen sei laut der Polizeisprecherin bemerkbar: "Die jungen Fahrer sind sicherer." So gebe es weniger Unfälle, die beim Abbiegen, beim Einbiegen an Kreuzungen oder durchs Einordnen passieren.

Auch Gerald Steffen, Sachgebietsleiter Führerscheinangelegenheiten und Kfz-Zulassung im Landkreis, lobt den Führerschein mit 17. Er werde über die Jahre sehr gut angenommen (siehe Kasten), und der deutliche Rückgang von notwendigen Nachschulungen für Fahranfänger in ihrer zweijährigen Probezeit sei ein gutes Zeichen.

Auch Fahrlehrerin Kristin Starick kann bestätigen: "Die jungen Fahrer sind unbeschwerter, ältere sind oft überängstlich, was nicht unbedingt von Vorteil ist." Mit Florian Malke hat sie einen dieser unbeschwerten Fahrer am Steuer - und wird mit ihm bald die Überlandfahrten machen.

Zum Thema:
Der Führerschein mit 17 wurde 2006 als Modellversuch eingeführt. Die jungen Leute dürfen ab 17 Jahre Auto fahren, bis zum 18. Geburtstag aber nur mit einer Begleitperson. Diese muss mindestens 30 Jahre alt sein, fünf Jahre einen Führerschein haben und darf höchstens einen Punkt in Flensburg haben. Im Landkreis Spree-Neiße konnten 2015 insgesamt 497 Führerscheine mit 17 erteilt werden (Vergleich 2010: 417). Die Zahl der notwendigen Nachschulungen für Fahranfänger ist 2015 auf 80 gesunken (2010: 160).