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| 17:04 Uhr

Windenergie
Erdarbeiten für fünf Windräder

Spezialmaschinen bohren 15 Meter tiefe Löcher in den Boden. In diese wird wie hier zu sehen Bewährung eingesetzt und später Beton eingefüllt.
Spezialmaschinen bohren 15 Meter tiefe Löcher in den Boden. In diese wird wie hier zu sehen Bewährung eingesetzt und später Beton eingefüllt. FOTO: LR / Katrin Kunipatz
Biesnig. Fundamente für den Windpark Briesnig entstehen. Ende August soll der erste Turm kommen. Von Katrin Kunipatz

Am Rand des ehemaligen Tagebaus bei Briesnig haben Anfang Juli die Bauarbeiten für fünf große Windräder begonnen. Die Wiesbadener Firma Abo Wind AG hat im Januar ein noch vom Energieunternehmen Vattenfall geplantes Projekt übernommen. Bereits im Dezember soll der Windpark Strom ins Netz liefern, erläutert Ute Simon. Sie ist Abteilungsleiterin im Berliner Büro der Abo Wind und gemeinsam mit ihren Kollegen mit Planung, Beantragung und Aufbau der Windenergieanlagen betraut.

Von Bohrau aus geht es über einen Feldweg zur Baustelle. Unterwegs weist Ute Simon auf die weiträumig freigeschnittenen Wege hin. Hinter dem Wald biegt die Straße rechtwinklig ab. Bauarbeiter erweitern den Kurvenbereich mit Schotter. Die Büroleiterin erläutert, dass die Rundung mehrere Meter breit befestigt werden müsse, damit die bis zu 70 langen Schwerlasttransporter bis zu Standort der einzelnen Windräder fahren können, ohne im Boden zu versinken.

Seit drei Wochen laufen die Vorbereitungen für die Fundamente. Weil die 200 Meter hohen Windräder auf der geschütteten Kippe errichtet werden, muss der Untergrund verdichtet werden. Gemeinsam mit der Sachverständigen für Bergbau bei der Firma Gicon, Heike Beutler, hat die Abo Wind entsprechende Maßnahmen erarbeitet. Umgesetzt werden sie von der TDE Mitteldeutsche Bergbau Service GmbH, mit der auch die Leag zusammenarbeitet.

15 Meter tief ragen Betonpfähle in den Boden, die das Fundament des 200 Meter hohen Windrads stützen. Spezialmaschinen bohren Löcher in den Boden, die vorerst mit entsprechender Bewährung und später mit Beton gefüllt werden.
15 Meter tief ragen Betonpfähle in den Boden, die das Fundament des 200 Meter hohen Windrads stützen. Spezialmaschinen bohren Löcher in den Boden, die vorerst mit entsprechender Bewährung und später mit Beton gefüllt werden. FOTO: LR / Katrin Kunipatz

Den Anfang machte die Rütteldruckverdichtung. Mit Wasser spülen Lanzen Naturkies bis in eine Tiefe von 40 Metern. Wie erwartet, sackte der Boden nach. Schmale Risse im Umkreis zeugen davon, berichtet Ute Simon. Anschließend wurde der Boden mit einem Fallgewicht verdichtet, um eventuell entstandene Hohlräume zu schließen. Danach kontrollierte ein Gutachter, ob die gewünschte Verdichtung erreicht ist.

Im Fall des ersten Windrads ist diese Prozedur bereits abgeschlossen. Eine Spezialtiefbaufirma begann in der vergangenen Woche, Löcher für 15 Meter lange Betonpfähle zu bohren. Insgesamt 32 Stück stützen die Fundamentplatte. „Für diese kombinierte Pfahlplattengründung ist eine Zulassung im Einzelfall nötig, die ein Prüfstatiker bestätigt“, erklärt Ute Simon. Nur so könnten die Windräder stabil im geschütteten Boden verankert werden. Die Abteilungsleiterin geht außerdem davon aus, dass sich der Boden am Standort der einzelnen Windkraftanlagen weiter setzen wird. Das besondere Fundament mit den Stützpfählen stelle sicher, dass dies gleichmäßig und langsam geschieht.

Voraussichtlich Mitte August könnte das erste Fundament gegossen werden, so Ute Simon. Ende August soll der Aufbau des ersten Turms beginnen. An den Standorten der anderen vier Windräder wird sich die Prozedur aus Bodenverdichtung, Fundamentvorbereitung und Turmaufbau in den nächsten Monaten wiederholen. „Bis Ende November soll der Aufbau der fünf Windenergieanlagen abgeschlossen sein“, sagt die Büroleiterin.

Ein sportlicher Zeitplan, der sich auch aus der ökologischen Baubegleitung ergeben habe, so Ute Simon. Beispielsweise durften die eventuell im Kippengelände brütenden Feldlerchen und Flußregenpfeifer nicht beim Brüten gestört werden. Deshalb startete die Abo Wind erst im Juli, wenn junge Bodenbrüter bereits die Nester verlassen haben. Im Frühjahr musste die bereits abgelaufene Zulassung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz erneuert werden. Vom Baugrund abgesehen, sei der Standort der Windräder auf der Kippe günstig, so Ute Simon. Landschaft und Bäume seien noch jung, sodass sich Fledermäuse noch nicht angesiedelt haben. Gleiches gelte für Eidechsen. Festgelegt ist außerdem, welche Ausgleichmaßnahmen in den umliegenden Gemeinden stattfinden müssen.

Doch die Briesniger und Bohrauer bleiben in Bezug auf die Windräder skeptisch. Vor einigen Jahren hatte eine Initiative für einen größeren Abstand zur Wohnbebauung gestritten. Ins Gesetz wurde er nicht aufgenommen. Entsprechend kritisch begleiten die Einwohner der Forster Ortsteile das Projekt. Am 22. August will die Abo Wind eine weitere Infoveranstaltung in Briesnig durchführen. Zur ersten Treffen im Mai kamen nach Angaben des Wiesbadener Unternehmens 50 Besucher.