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Entwarnung nach Krebsfällen in der Nordstadt

Besorgte und erwartungsvolle Eltern in der Turnhalle der Grundschule Nordstadt erhalten Auskunft über die Ergebnisse der Untersuchungen.
Besorgte und erwartungsvolle Eltern in der Turnhalle der Grundschule Nordstadt erhalten Auskunft über die Ergebnisse der Untersuchungen. FOTO: Landes
Forst. Die Krebsfälle bei drei Viertklässlern an der Grundschule Nordstadt haben keine standortbedingten Ursachen. Das ist das Ergebnis mehrerer Analysen, das jetzt den besorgten Eltern der Kinder vorgestellt wurde. Hartmut Landes

Rund 150 erwartungsvolle Augenpaare waren am frühen Dienstagabend in der Turnhalle der Grundschule Nordstadt in Forst auf Sven Zuber gerichtet. Von ihm, dem stellvertretenden Forster Bürgermeister als Vertreter des Schulträgers, wollten Eltern der Schüler klare Aussagen dazu, ob die Ursachen für Krebserkrankungen von drei Viertklässlern an der Grundschule standortbedingt sein können. Zubers Aussage war unmissverständlich: "Wir können Ihnen die Sorge nehmen, dass dieser Standort durch Schadstoffe gesundheitlich belastet ist."

Sofort gehandelt

Das "wir", von dem Zuber sprach, hatte gute Gründe. Denn nach Bekanntwerden der Krebsfälle hatte die Stadtverwaltung umgehend Maßnahmen eingeleitet, um herauszufinden, ob die Erkrankungen im Zusammenhang mit dem Standort oder Bedingungen in der Schule stehen können. Gesundheitsamt, Arbeitsmedizinischer Dienst, Umweltbehörde und Schulamt wurden zunächst eingeschaltet, später auch übergeordnete Behörden bis hin zum Gesundheitsministerium. Sie alle, einschließlich Landrat Harald Altekrüger (CDU), stärkten nun, sieben Wochen später, dem städtischen Vertreter Sven Zuber den Rücken.

Die Hauptargumente für die Entwarnung am Grundschulstandort liefern drei unabhängige Gutachten. Die Auswertung von Raumluftmessreihen, Analysen der Außenluft und Spezialuntersuchungen haben keine Belastung des Standortes ergeben. Die Labore Dräger Analyseservice, Ingenieurbüro Fritsche, die Argus Umweltbiotechnologie und das Landeslabor Berlin-Brandenburg sind übereinstimmend zu dem Ergebnis gekommen, dass die von ihnen analysierten Proben nicht den Schluss zulassen, dass eine Gesundheitsgefährdung vom Standort ausgeht. Auch Bodenproben, Spielplatzsand und Wasserproben weisen vorliegenden Analysen zufolge keine bedenklichen Konzentrationen von Schadstoffen auf.

Nach Einschätzung der Experten sind die meisten der mehr als 120 untersuchten Stoffe nicht vorhanden oder in so geringen Mengen, dass sie unterhalb von Bestimmungsgrenzen liegen. Dies gilt auch für die als krebserregend geltenden leicht flüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffe und deren Abbauprodukte. Als Grund wurde eine ehemalige chemische Textilreinigung in der Frankfurter Straße/Ecke Blumenstraße vermutet, durch die eine Schadstoffbelastung des Grundwassers verursacht wurde. Nun kommen die Gutachter zu der Erkenntnis: Ein Zusammenhang zwischen der Grundwasserbelastung und den Krebserkrankungen an der Schule besteht nicht. Die Grundwasserschadstofffahne unterliegt seit 2002 einer kontinuierlichen Kontrolle durch die Untere Bodenschutzbehörde des Landkreises Spree-Neiße.

Neben den drei ausgewerteten Messreihen wurden Trinkwasserproben analysiert. Eine vierte Messreihe wird sich eventuellen Ausdünstungen aus der offenen Holzkonstruktion im Hortgebäude der Schule widmen. Damit reagiere man auf Hinweise, wonach Schüler über Übelkeit und Erbrechen geklagt hatten. Eine fünfte Messreihe soll Aufschluss darüber geben, ob es in Kellerräumen, in denen 2009 Schimmel festgestellt worden war und die im Jahr darauf saniert und mit einer Lüftungsanlage ausgestattet wurden, Schadstoffe gibt. Zuber dazu: "Wir erwarten keine Überraschungen."

Wie mehrfach von Eltern gefordert, werden die Gutachten der Elterninitiative an der Schule zur Verfügung gestellt und liegen zur Einsichtnahme im Schulsekretariat aus. Nach Auswertung der vierten und fünften Messreihe soll es einen abschließenden Brief an die Eltern geben.

Die hielten sich in der Informationsveranstaltung mit Fragen an die Experten zurück. Ob die Krebsfallrate an der Nordstadt-Grundschule höher sei als in anderen Schulen, wollte ein Vater wissen. Die Antwort kam von Amtsarzt Sven Sondergeld: Nach Abgleich mit dem Krebsregister gibt es keine statistische Abweichung, sondern eine unglückliche Häufung in einer Klassenstufe. Sondergeld erklärte auch: Nach unseren Erkenntnissen und den Gutachten besteht kein Anlass für eine epidemiologische Reihenuntersuchung aller Kinder der Schule. Unberührt davon sei natürlich das Recht der Eltern, bei Sorge um die Gesundheit den Kinderarzt zu konsultieren.

Mangelnde Transparenz

Hinweise gab es zur Kommunikation zwischen Behörden und Eltern. "Drei Wochen hat es vom Verdacht bis zur ersten Information an die Eltern gedauert. Das ist zu lange", meinte Heiko Riedel als Vertreter der Elterninitiative. Er forderte mehr Transparenz. Das habe im weiteren Verlauf deutlich besser geklappt.

Andere Eltern hatten mit Verwaltung und Behörden nicht so viel Geduld. Sieben meldeten ihre Kinder aus der Grundschule Nordstadt ab und schicken sie nun auf eine andere Schule.