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| 16:16 Uhr

Forster Geschichtsstammtisch
Forster Stammtisch auf Preschener Steinspuren

Bestaunt wurde der Preschener Steinreichtum.
Bestaunt wurde der Preschener Steinreichtum. FOTO: Angela Hanschke
Preschen. Knapp 60 Besucher kamen zu Angebot des Museumsvereins.

Empfangen wurden sie von Ortsvorsteher Bernd Rosmej, Ortschronistin Sybille Rosmej und dem geschichtlich versierten Wilfried Kaltschmidt (82). Als „Ulmenhain“ deutete der moderierende Kristian Schmidt vom Museumsverein den Namen des kleinen Dorfes, das erstmals als „Bressen“ erwähnt wurde und vor sechs Jahren das 666-jährige Gründungsjubiläum feierte. Schnell wurde aus der anvisierten zweistündigen Tour eine dreistündige Reise durch Geologie, Botanik und Geschichte.

Vieles gab es zu entdecken im „steinreichen“ Ort, darunter Superlative wie den Haufen mit Tausenden Lesesteinen. Allesamt wurden seit Beginn des Spargelanbaus von den Feldern auf der Jerischker Endmoräne zusammengetragen. Sie sind aus Skandinavien stammende „Mitbringsel“ der Saale-Vereisung vor rund 150 000 Jahren. Überall haben sie in Preschen ihre Spuren hinterlassen: im Pflaster der Straßen ebenso wie an Wirtschaftsgebäuden und repräsentativen Hofeinfahrten.

Feldsteine prägen ebenso wie Schlackeeinsprengsel das Aussehen der ehemaligen Wallfahrtskirche Sankt Valentin. „Sie wurde wahrscheinlich am Ende des 14. Jahrhunderts erbaut“, so Sybille Rosmej. Einmalig wie das unverputzte Gemäuer ist auch der separat stehende hölzerne Glockenturm, der zu Beginn der 1990er-Jahre saniert wurde. Ebenso das Kirchen­innere, für dessen Besichtigung Küster Joachim Keitel die spätgotische, mit einem imposanten Kastenschloss versehene Eichentür öffnete. 14-tägig finden dort Gottesdienste statt. Inmitten der Wände mit mittelalterlichen biblischen Bildergeschichten werden Ehen geschlossen und junge Einwohner – wie am kommenden Sonntag die kleine Hanna – getauft. Besonders gut erhalten seien die figurenreichsten Heiligenszenen an der Nordwand, erläuterte Kristian Schmidt und verwies auf den noch vollständig erhaltenen Aufbau der Farbschichten.

In den 1970er-Jahren wurden die wertvollen Malereien freigelegt. Damals sei auch die hintere hölzerne Empore heruntergenommen worden, erzählt Wilfried Kaltschmidt. Vor 37 Jahren hat er gemeinsam mit dem inzwischen verstorbenen Zimmermann Helmut Riedel den markanten Fachwerk-Vorbau des Kirchleins saniert. Wie einst die mittelalterlichen Handwerker bauten beide mit Holz aus Weißagk das Fachwerk auf, verputzten die eingefügten Strohstaken mit Sand, Wasser und Lehm.

Am Donnerstag hatte der 82-jährige Heimatforscher eine ausgesprochene Rarität mitgebracht: die Inventarliste des „königlichen Kammervorwerk Preschen“ ums Jahr 1740. Viel Phantasie war vonnöten, sich anhand der wenigen erhaltenen Gebäude das historische Gut vorzustellen, das sich zuletzt im Besitz des Grafen von Brühl befand.

An die Nachbarschaft des einstigen Militärflugplatzes Preschen erinnern noch die Betonstraßen. Der Vergangenheit gehört auch der Abbau der Erdgaslagerstätten an.

Der Mühlenweg, an dem im Jahre 1691 erstmals eine Wassermühle erwähnt wurde, führt heute in den „Preschener Mühlbusch“. Das 24 Hektar umfassende Bruchgelände steht seit 81 Jahren unter Schutz und erhielt 1961 den Status als Naturschutzgebiet. Revierförster Wieland Wagner aus Preschen kennt dort buchstäblich jeden Baum. Insbesondere jene 1000 Setzlinge der Weißtanne, die vor 20 Jahren dort unter seiner Leitung angepflanzt wurden und seither sicher umzäunt  heranwachsen. „Hier ist der nördlichste Punkt, an dem sie in natürlicher Umgebung vorkommt, sich aber nur schwer natürlich verjüngt“, erläutert er.

 In unmittelbarer Nachbarschaft liegt das Quellgebiet, dessen insgesamt zwölf Schichtquellen 18 Fischteiche speisen.

Die Preschener erwiesen sich als gute Gastgeber, denn Speis und Trank gab es auch für die Wanderfreunde durch die Kameraden der Preschener Feuerwehr.

(aha)