Von Steffi Ludwig

Dass in der Forster Innenstadt immer mehr Geschäfte leer stehen, ist nichts Neues. Und dass die erste Priorität darauf liegen muss, diesen wieder zu vermieten, auch nicht – das bestätigt die Geschäftsführerin der Forster Wohnungsbaugesellschaft (FWG), Dagmar Klinke. Seit inzwischen neun Jahren gibt es jedoch die Initiative des Stadtteilmanagements und des Fachbereichs Stadtentwicklung, dass leere Schaufenster mit den unterschiedlichsten Themen belebt werden, um sie etwas weniger trist erscheinen zu lassen.

Gerade in der Ladenstraße  Berliner Straße, die inzwischen eine ganze Reihe Leerstand aufweist, ist in den letzten Tagen einiges geschehen. So ist in der Berliner Straße 1, wo vorher eine Boutique war, gerade ein interessantes Projekt am Laufen. Denn die Forster Malfreunde haben hier von der FWG ein neues Domizil für ihre Galerie bekommen, die vorher ungefähr fünf Jahre lang in leer stehenden Räumen im Eckhaus Frankfurter Straße/Cottbuser Straße beherbergt war. Dort mussten sie Ende Mai ausziehen, da die FWG dort einen neuen Mieter gefunden hat, wie Dagmar Klinke berichtet. Wer das ist, werde bekannt gegeben, wenn alle Verträge unterzeichnet seien.

Da die Wände im neuen Domizil recht stark gemustert und dunkel sind und die etwas betagteren Malfreunde nicht auf Tapezierleitern klettern können, hatte Stadtteilmanagerin Kathleen Hubrich eine Idee: Sie fragte bei der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) an und fand Gehör. Seitdem beschäftigen sich Jugendliche und junge Erwachsene, die ohne oder mit schlechtem Schulabschluss sind und vom Jobcenter vermittelt werden, mit den Wänden. „Sie rechnen aus, wie viel Farbe wir brauchen, und in reichlich zwei Wochen geht es los“, berichtet der pädagogische Mitarbeiter Uwe Fischer. „Die Jugendlichen freuen sich, dass sie sich hier engagieren können.“ Auch die Malfreunde sind glücklich: „Wir waren uns schnell einig und hoffen, die Galerie spätestens im August eröffnen zu können“, sagt Simone Schwarzenberg. Vielleicht ergebe sich auch ein wertvoller Austausch zwischen den Generationen über die Kunst, hofft Kathleen Hubrich.

Fast direkt nebenan in der Berliner Straße 7 und 9 sind seit Kurzem Puppenwagen, Mode und allerlei Utensilien zu sehen, die auf das Forster „Steamrose“-Zeitreisefestival am 7. September hinweisen. Ein Teil stamme aus der Ausstellung, die im Rosengarten aufgebaut war. Die lebensgroßen Puppen habe Günter Andreck vom Bündnis Noßdorf zur Verfügung gestellt, so die Stadtteilmanagerin. Weitere Gewerbetreibende wie die Buchhandlung Berger, Witboy, Reiseland Andreas Wolff sowie Uhren und Schmuck Renner stellen ebenfalls „Steamrose“-Utensilien und Bilder aus.

Und in einem leer stehenden Geschäft in der Berliner Straße 14 sind jetzt Fotos des jungen Fotografen Patrick Lucia, der im vergangenen Jahr mit seiner Aufnahme vom Forster Wasserturm den 1. Platz beim Fotowettbewerb des Landkreises Spree-Neiße „Wir sind Spree-Neiße: liebens- und lebenswerter Landkreis“ gewonnen hat, zu sehen.