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Grenze
Endlich Ruhe an der Brücke Zelz

Zwei Findlinge engen die Zufahrt zur Neißetalbrücke bei Zelz ein.
Zwei Findlinge engen die Zufahrt zur Neißetalbrücke bei Zelz ein. FOTO: Archiv
Zelz/Forst. Zwei große Findlinge flankieren die Zufahrt zur Neißebrücke in Zelz. Vor etwas mehr als zwei Monaten hat die Kreisstraßenmeisterei Spremberg im Auftrag des Landkreises Spree-Neiße die beiden Felsen dort abgelegt, um zu verhindern, dass außer Fußgängern und Radfahrern auch Fahrzeuge die Brücke passieren. Katrin Kunipatz

"Seitdem ist Ruhe", erklärt ein Anwohner gegenüber der RUNDSCHAU. Er wohnt an der Brückenzufahrt und hat in den vergangenen Jahren häufig mitbekommen, wenn Kriminelle gestohlene Autos, Arbeitsmaschinen der Forstwirtschaft oder Agrarfahrzeuge auf die polnische Seite schafften. Nach seiner Einschätzung steigerte sich die Zahl der Vorfälle in den Jahren, seit die Brücke neu gebaut wurde. Die Diebe kamen unregelmäßig - im Extremfall zweimal pro Woche oder auch drei Wochen gar nicht, mal gegen Mitternacht oder im Zwielicht des anbrechenden Tages. Und sie kannten keine Hemmungen, ohne Rücksicht auf den entstehenden Lärm zerstörten sie mit ihren Fahrzeugen, Winkelschleifern oder Brechstangen die vom Landkreis angebrachten Poller. "Selbst die verschiedenen nachträglich angebrachten Sicherungen waren letztlich kein Hindernis", erläutert Frank Kuckert, Sachgebietsleiter der Unteren Straßenbaubehörde. Die vorübergehende Deponierung der Findlinge trage nach allen vorangegangenen Versuchen nun tatsächlich zur Beruhigung der Lage bei. So jedenfalls berichten es ihm die Einwohner von Zelz. "Mindestens für ein Jahr sollen die Steine liegen bleiben", sagt Kuckert. Danach werde entschieden, wie es weitergeht.

Der Pressesprecher der Polizeidirektion Süd tut sich schwer, eine Einschätzung abzugeben. Es sei nicht bekannt, ob seit die Neißebrücke bei Zelz nicht mehr passierbar ist, weniger Fahrzeuge gestohlen würden, als zuvor, so Torsten Wendt. "Zumal die meisten Fahrzeuge nicht bei uns geklaut werden, sondern sowieso über die Autobahn nach Polen verbracht werden", sagt der Polizeisprecher. Vermutlich würden die Kriminellen nach Sachsen oder in den Norden ausweichen, um die Grenze zu überqueren. Für eine konkrete Antwort müsste man die Statistik auswerten. Grundsätzlich schätzt er das Vorgehen des Landkreises jedoch positiv ein. "Es ist gut, wenn wir es den Kriminellen nicht so einfach machen", sagt Wendt.

Wichtig ist Frank Kuckert, dass die Brücke nicht dauerhaft für den Verkehr gesperrt ist. Sonst könnte der Landkreis Gefahr laufen, für den Bau erhaltene Fördermittel zurückzahlen zu müssen. Erstmals zum 10. deutsch-polnischen Brückenfest Anfang September wurden die Findlinge zur Seite geräumt. Zwei Kollegen der Straßenmeisterei und einen Lkw mit Ladekran hätten dies schnell erledigt, so Kuckert. Ähnlich würde es im Fall des grenzüberschreitenden Katastrophenschutzes passieren. Bevor jedoch Rettungsdienst und Feuerwehr tatsächlich auf fremdem Staatsgebiet zum Einsatz kommen dürfen, braucht es eine offizielle Anforderung und die entsprechende Genehmigung. Damit habe der Landkreis genügend Zeit, um die Steine von der Brückenzufahrt zu räumen, versichert der Sachgebietsleiter. Und ergänzt: Seit die Brücke 2008 eingeweiht wurde, habe es diesen Ernstfall noch nicht gegeben.