Im Jahr 1938 waren von den 37 884 Einwohnern in der Tuchindustrie mehr als 14 000 Textilarbeiter und 2000 kaufmännische und technische Angestellte beschäftigt. Es gab mehr als 100 Fabrikgebäude mit rund 350 Textilbetrieben, 4500 mechanischen Webstühlen und 240 000 Spindeln. War anfangs die Entwicklung der Forster Tuchindus trie langsamer als in den Nachbarstädten, rückte sie im Zuge der Dampfkraft im Tuchgewerbe an die Spitze der Niederlausitzer Tuchindustrie, auch als Hauptproduktionsstätte von Buckskin, bunten, gemaserten Stoffen. Schon im Jahr 1861 stellten rund 2000 Arbeiter 100 000 Stück Tuch her. Im Jahr 1927 gab es in Forst 288 Tuchfabriken, in Cottbus 55, Spremberg 25, Guben sieben, Sommerfeld (Lubsko) neun und Sorau (Zary) fünf.
Der Platz am Jahnschen Schloss in Forst war von Fabriken umgeben, überall hingen Hinweisschilder: Tuchfabrik, Tuchlager, Appretur. Es gab aber keine Fabrikviertel. Da die Fabrikanten in ihren Betrieben arbeiteten, bauten sie ihre Villen nahebei. Typisch waren auch Pachtbetriebe, weil viele Fabrikanten eigene Fabriken nicht bezahlen konnten. Von den mehr als 280 Forster Tuchfirmen produzierten rund 180 in gemieteten Räumen. Es wurden Herren- und Damenstoffe, Ulster, Kamelhaarstoffe, Schlafdecken und Rosshaarstoffe für Großschneidereien im In- und Ausland hergestellt. Nach dem 1. Weltkrieg wurde Forst zu einem Hauptstandort für Mantel- und Kostümstoffe. Deuschlands größte Zwirnhaarstofffabrik. „Hänsel-Rosshaar“ hatte einen Weltruf.
Vor und während dem 2. Weltkrieg wurde größtenteils auf Kriegsproduktion, vor allem Uniformtuche und Militärdecken umgestellt und zuletzt Platz in den Betrieben für die Rüstungsproduktion geschaffen. Der Mittelschuldirektor Hermann Standke sagt zu einem Tag in den 1930er-Jahren, vor und nach der Arbeit herrsche „ein fast beängstigender Verkehr von Fußgängern, Radfahrern, Lastautos und Autobussen“ .
Bei den wochenlangen Kämpfen im Frühjahr 1945 wurde der größte Teil der Tuchfabriken zerstört. In der unbeschädigten Fabrik Eberle wurde im Sommer 1945 wieder produziert. Anfang 1946 waren es 22 Textilbetriebe mit 362 Webstühlen, Mitte des Jahres 628 Webstühle. Forst war wieder eine führende Tuchindustriestadt. Bis zum Jahr 1989 arbeiteten rund 2300 Forster in der Textilindustrie. In den folgenden drei Jahren wurden diese Betriebe „abgewickelt“ , die Textilindustrie brach zusammen.
Mit einem Projekt zur Blütezeit der Textilindustrie in der Neißestadt wird das Brandenburgische Textilmuseum Forst an der Veranstaltungsreihe Kulturland Brandenburg 2008 teilnehmen, die unter dem Motto „Metropole und Provinz - Provinz und Metropole“ steht (die RUNDSCHAU berichtete). Der Schwerpunkt der geförderten Maßnahme liegt auf den Wirtschaftsbeziehungen Forsts in den 1920er- und 1930er-Jahren, so die Angaben der ehrenamtlichen Geschäftsführerin des Museumsvereins, Angela Maaß. Eine entsprechende Sonderausstellung soll es im September geben.