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Eine Stadt kämpft für Denise

Großer war der Andrang bei Registrierungsaktion in Forst. Auch Peggy Weise ließ sich Blut abnehmen.
Großer war der Andrang bei Registrierungsaktion in Forst. Auch Peggy Weise ließ sich Blut abnehmen. FOTO: mjn1
Forst. Am Sonntag war ganz Forst auf den Beinen, um sich auf dem Gelände des Sportplatzes in Eulos als Stammzellenspender typisieren zu lassen. Wer nicht gewusst hat, dass es ein eigentlich trauriger, aber doch so hoffnungsvoller Anlass war, hätte denken können, auf einem Volksfest zu sein. Margit Jahn / mjn1

Kinderschminken, Kinderspiele, Tombola, der Hornoer Spielmannszug und viele weitere Angebote wurden organisiert. Über dreitausend Besuchern kamen auf den Tag verteilt größtenteils in Familie, um sich an der Turnhallentür anzustellen und sich als Spender für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren zu lassen.

Helfen wollen sie der 40-jährigen Forsterin Denise, die bereits zum dritten Mal an Lymphdrüsenkrebs erkrankt ist. Sie kann nur gesund werden, wenn ihr "genetischer Zwilling" gefunden wird, was bisher noch nicht geschah. Daher hat der Familien- und Freundeskreis zu einer großen Registrierungsaktion aufgerufen. Schon um 11 Uhr waren 30 Spender erfasst, eine halbe Stunde später waren es schon 110 Spender. Die Flut der Helfenden war ungebrochen. Denise selbst wuselte von einem zum anderen, hier eine Begrüßung, dort eine Umarmung.

Peggy Weise (45) war eine der Ersten in der zum Labor eingerichteten Turnhalle. Fünf Milliliter Blut wurde ihr abgenommen. Ihre Beweggründe heute hier zu helfen, sind die, dass sie selbst zwei Kinder hat. "Ich wäre froh, wenn so eine Hilfe auch meinen Kindern zugutekommen würde". Denise' Sohn ist 14, Peggys Kinder sind 16 und 22 Jahre alt. Im ersten Schritt wurde der Anmeldebogen mit den persönlichen Daten ausgefüllt, dann ging es zur Zwischenkontrolle, anschließend an den Tisch zur Blutabnahme und danach noch zur Endkontrolle, wo geschaut wurde, dass die Röhrchen mit den Nummern auch zum Papierbogen passten. Vereinzelt kamen auch Anfragen, warum man nur bis 55 zur Spende zugelassen wurde. Kathrin Grothe von der DKMS sagte dazu, ab einem gewissen biologischen Alter sind die Organe belastet. Diese Altersgrenze diene also dem Schutz des Spenders. Wer aber nicht als direkter Spender infrage kam, konnte aber trotzdem mit einer Geldspende helfen. Da jede neue Registrierung 40 Euro kostet, ist die DKMS über jede Spende dankbar. .

Astrid Dörry als beste Freundin und Organisatoren erzählte, welche unfassbare Hilfe von den Forster Firmen für den Sonntag gekommen ist. Am 14. August hatte sich das Organisationsteam zum ersten Mal getroffen und eine wage Hoffnung gehegt, dass sich hoffentlich 200 bis 300 Spender melden würden. Nach dem großen Hilfeaufruf an die Bevölkerung war man versorgungstechnisch auf 1000 Leute vorbereitet.

10.000 Euro privater Spenden sind im Vorfeld auf dem Konto von Denise eingegangen. Dr. Schüler und Dr. Schneider betreuten als ehrenamtliche Ärzte diese Aktion. Beide haben sich schon vor vielen Jahren registrieren lassen. Stefan Schäfer als Forster Europameister im Steherradsport war der Schirmherr des Tages und eröffnete gemeinsam mit Denise Familie und Freunden mit einer kleinen Rede die Aktion. Denise selbst war von dem nicht enden wollenden Besucheransturm überrollt und völlig sprachlos über dieses Hilfsbereitschaft der Bevölkerung aus nah und fern. Fünf Bestrahlungen in Dresden hat Denise jetzt hinter sich, sagt sie am Rande, 15 sind noch offen. Tapfer kämpfte sich die junge Frau mit ihren Gefühlen durch diesen emotional aufgeladenen Tag. "Die Menschen überrennen uns", sagt sie mit Tränen in den Augen.

Am Ende gegen 17.00 Uhr konnten 1052 neue Spender erfasst werden. 8387,92 Euro wurden als direkte Spenden des DKMS-Teams in der Turnhalle zusammengezählt. Verbleibt noch der Erlös aus dem Verkauf der gespendeten Würstchen, Suppenportionen und Kuchen, der Tombola sowie der weiteren Spendendosen, die an den Ständen zur Verfügung gestanden haben, welche dann auch noch auf das Konto von Denise kommen.

Nun heißt es abwarten und Daumen drücken. "Kämpfen, um zu siegen" lautete der Aufruf von Stefan Schäfer. Es lebe die Hoffnung.