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500 Jahre Reformation
Eine Runde über den Friedhof

Barbara Petri begrüßt die Besucher am Kolumbarium.
Barbara Petri begrüßt die Besucher am Kolumbarium. FOTO: aha1
Forst. Anlässlich von "500 Jahre Reformation" hat die "Interessengemeinschaft Forster Stadtgeschichte" eine spezielle Friedhofsführung entwickelt. Rund 40 Forster Geschichtsfreunde fanden sich am Samstag auf dem Forster Hauptfriedhof zu den Ausführungen von Barbara Petri und Michaela Zuber ein. Angela Hanschke / aha1

Die Einführung der Reformation gestaltete sich in der Niederlausitz recht zögerlich. Die Bewohner der Region wallfahrten unter anderen nach Preschen, Dubrau, zum Groß Kölziger Marienberg, zur Altforster Kreuzbergkapelle und zur Landkirche zu Altforst, dem Gotteshaus für die wendischen Dörfer Altforst, Berge, Scheuno und Keune. "1538 wurde die Reformation von Amts wegen eingeführt", hatte Michaela Zuber recherchiert. Erst im Jahre 1849, nach rund drei Jahrhunderten, fand wieder ein katholischer Gottesdienst in Forst statt.

Gelb-braunes Laub raschelte unter den Füßen auf dem Weg zu den letzten Ruhestätten von 16 engagierten Christen, die stellvertretend für viele weitere ausgewählt wurden. Am schlichten Kolumbarium gab es vor dem Namen von Horst Hauschke (1933-2013) den ersten Halt. Aufgrund seines Bekenntnisses zum christlichen Glauben war er in der DDR als Lehrer "nicht mehr tragbar". Er galt als "gute Seele" der Bachkirche und engagierter Gästeführer. Eine Besonderheit auf dem Forster Stadtfriedhof ist das "Sandsteinkissen" mit dem Namen von Lydia Zopf (1912-2000). Solche schlichten, für jeden Verstorbenen identischen Steine, seien typisch für die Gottesäcker in Herrnhut und Niesky, berichtete Christian Menzel, Pfarrer i. R. . "Er war meine rechte Hand, als ich nach Forst an die katholische Kirche kam", sagte Pfarrer Bernhard Walter vor dem Grab von Diakon Ulrich Ullmann (1929-1991), der nach dem Weggang der Ordensschwestern in Forst am Kegeldamm das Altenheim leitete.

Vielen Forstern sind die Seelsorgerin und Katechetin Katharina Klose (1926 - 2015) sowie die Kantorin der Forster Stadtkirche Ilse Tietze (1913-2004) noch lebhaft in Erinnerung. Letztere erteilte 45 Jahre lang Klavierstunden und erhielt den Riedelschen Chor.

Von einer Eibe fast verdeckt: das mannshohe Sandsteinkreuz am Grab von Alexander Löwentraut (1856-1932), zwischen 1897 und 1929 Pfarrer in Eulo. Conrad Scholtz (1888-1927) war Pfarrer in Döbern und später in Forst. Er engagierte sich unermüdlich als Mitglied im "Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge".

In unmittelbarer Nähe liegt das Grabmal des Diakon Hans Kaulfers (1914-1974), der sich der Jugendarbeit verschrieb und in Forst den Posaunenchor aufbaute. "Er starb, wie er gelebt hatte - hilfsbereit als Helfer bei einem Umzug", erinnerte sich Regina Kretschmer. Ein hoher Sandstein erinnert an den Superintendent und Schulinspektor Hermann Böttcher (1846-1926), den Mitbegründer des Vereins zur Geschichte der Stadt Forst. Ein kleines Täfelchen in der Ruhegemeinschaft der evangelischen Kirche trägt den Namen von Hans Spiegelberg (1928-2014), dessen Name untrennbar mit der Kantorengeschichte von Forst verbunden ist. Unvergessen sind auch der Lehrer und Kantor an der Landkirche Arthur Noack (1869-1929) sowie die katholische Schwester und mütterliche Oberin Sigolina Liß, die einst den Vornamen Maria trug und als einzige Schwester in Forst beerdigt wurde. Ältester Gemeindekirchenrat, Mitglied des Kreiskirchenrates und der Provinzialsynode Berlin-Brandenburg war Walter Frohnecke (1897-1976).

Stadtbekannt waren auch Hedwig Birke (1899-1983) - Schwester der Charitas und Charlotte Werner (1914-2000), die eine hohe Summe zur Sanierung der Bleiglasfenster spendete. Die letzte Station des Rundganges erinnerte an Pfarrer Hugo Kiefel (1868-1908).

Regina Kretschmer meinte: "Auch alte Grabstätten sollten erhalten werden, zur Erinnerung an die Menschen, ihr Leben und ihr Werk". Auf jüdischen Friedhöfen sei das doch auch möglich.