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| 19:00 Uhr

Landwirtschaft
Eine junge Frau steht auf Rinder

Jacqueline Wonde beim abendlichen Spaziergang mit Merle.
Jacqueline Wonde beim abendlichen Spaziergang mit Merle. FOTO: Angela Hanschke
Preschen. Jacqueline Wonde und Sven Feiertag betreiben in Preschen Landwirtschaft im Nebenerwerb. Von Angela Hanschke

Stein-reich und wärmeverwöhnt – so zeigt sich das abgeschiedene Heidedorf Preschen zwischen ausgedehnten Kiefernwäldern und dem Preschener Mühlbusch. Die Landwirtschaft prägte jahrhundertelang das karge Leben im einstigen Brühlschen Vasallengut. Naturverbunden sind die rund 170 Einwohner noch immer. Zwei große Landwirtschaftsbetriebe – der Agrar- und Schäfereibetrieb Kaltschmidt sowie die Agrargenossenschaft Preschen – bringen noch eine Handvoll Einwohner in Lohn und Brot. Lediglich die Kleintierhaltung gehört bei einigen Gehöften noch zum Alltag.

Täglich spaziert Egon Hänchen mit seinem Ganter Willhelm durch den Mühlenweg. Abends, wenn die Hitze abflaut, bricht auf dem Nachbargrundstück der Familie Feiertag Jacqueline Wonde zur Dorf-Runde mit Kälbchen „Merle“ am Halfter auf. Seit einem Vierteljahr gehört es zum Tierbestand der jungen Leute auf dem Hof. Hellbraun-weiß gefleckt und mit blitzblankem Fell umkurvt der Angus-Charolais-Mix übermütig sein Frauchen. Meist dabei: Shasta – ein weißer Husky-Schäferhund-Mischling.

Kälbchen Merle genießt während der hochsommerlichen Temperaturen tagsüber den Aufenthalt im kühleren Stall, während Susi und Püppi, die beiden stattlichen Charolais-Jährlinge, Schatten unter den Obstbäumen der benachbarten Weide suchen. „Mein Papa und mein Onkel haben sie uns zum Geburtstag geschenkt. Die Überraschung war gelungen. Doch die Beschaffung von Milchpulver am Sonntag, sorgte für großes Kopfzerbrechen“, blickt Jacqueline zurück. Kühe – ein ungewöhnliches Hobby für eine 22-Jährige. „Ich wollte schon immer einen Beruf mit Tieren, liebäugelte mit einer Ausbildung zum Pferdewirt und landete dann im Rinderstall“, sagt sie.

Ebenso wie ihr Lebensgefährte Sven Feiertag in Kahren absolvierte sie in Byhleguhre eine Ausbildung zum Tierwirt. Nach Preschen sei sie schließlich gekommen, weil Sven auf dem Handy einer Arbeitskollegin das Foto der sympathischen Brünetten erspähte und mit der „gemopsten“ Telefonnummer Kontakt zu ihr aufnahm, verrät sie. Die Eltern beäugten das Vorhaben des künftigen Schwiegersohns kritisch und prophezeiten: „Das wird nichts mit Eurer Landwirtschaft!“ Inzwischen hat sie der Liebe wegen ihre Heimat Burg verlassen und ist vor drei Jahren auf den Feiertagschen Hof gezogen. Einen Monat später folgte der Rappe Lotta – ein „Schweres Warmblut“ für ihr Hobby, das Dressurreiten. Doch nach alpenländischem Vorbild als Cowgirl durch Preschen zu traben, ist nicht geplant.

Alle drei Jungrinder sind reine Fleischlieferanten. Die aus Frankreich stammenden weißen Charolais sollen im kommenden Jahr für Nachwuchs sorgen.

Neben den jungen Leuten leben auch die Schwiegereltern auf dem Hof. Doch Chef ist dort der 22-jährige Sven, der bereits als Azubi sein landwirtschaftliches Nebengewerbe anmeldete. Es ist das einzige im Dorf. Die Landwirtschaft liegt ihm im Blut. Bereits seit Mitte des 18. Jahrhunderts sind die Feiertags Bauern. Die Großeltern Gertrud und Arnold Feiertag behaupteten sich auch in der DDR als Land- und Forstwirte im Haupterwerb.

Urlaub? Jaqueline und Sven winken ab. Sattdessen sparen beide eisern für die Anschaffung eines Traktor „Belarus Mts 80“. Doch die Roggenernte fiel in diesem Jahr nur mäßig aus. Und auf den Wiesen verdorrten die Grashalme nach dem ersten Schnitt. „Der ist längst verfüttert, und nun muss Heu zugekauft werden“, sagt der junge Landwirt.

Auch die kleine Herde der 18 genügsamen Kamerunschafe findet kaum noch Futter. Silofutter und Heu mitten im Sommer verfüttern – der Alptraum jedes Bauern. Doch was, wenn die Dürre noch länger anhält? „Auf gutes Wetter hoffen wir bereits seit drei Jahren. Im Vorjahr kamen wir wegen der Nässe erst im November mit der Technik aufs Feld“, berichtet Sven Feiertag. Und auf Dürrehilfen könne er als Landwirt im Nebenerwerb nicht rechnen.

Vielleicht werde das Ganze nur ein zeit- und arbeitsaufwendiges Hobby bleiben, mutmaßt er pragmatisch. Tierwirt sei wohl ein aussterbender Beruf. Dennoch hat Sven Feiertag noch Träume: „Die Erlöse ins Grundstück stecken und das Wohnhaus renovieren, um ein gemeinsames Nest für uns zu bauen“.