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Ein Zeitzeuge erzeugt Aha-Effekte

Gerhard Hoffmann berichtet als Zeitzeuge in Döbern.
Gerhard Hoffmann berichtet als Zeitzeuge in Döbern. FOTO: Hanschke/aha1
Döbern. Mit mehreren Vorträgen vor rund 280 Zuhörern haben im voll besetzten Deutschen Haus die Döberner Heimatfreunde große Aufmerksamkeit gefunden. Ein Höhepunkt war der Rückblick eines Ehemaligen auf die Arbeit des Kreisbetriebs für Landtechnik (KfL) in Eichwege. Angela Hanschke / aha1

Es war eine Anzeige, mit der Gerhard Hoffmann die Aufmerksamkeit der Besucher gewann. "Erlernt den Beruf des Traktoristen". So stand es in der Lausitzer Rundschau am 22. Februar 1958. Für viele junge Männer war das damals eine durchaus attraktive Perspektive. Denn die Bodenreform, die unter dem Motto "Junkerland in Bauernhand" stattgefunden hatte, eröffnete Tausenden Um- und Neusiedlern sowie Kleinbauern die Chance, eigenen Boden zu bewirtschaften. Stützpunkte mit Technik-Brigaden reichten von Trebendorf, Simmersdorf, Noßdorf, Eulo, Keune, Dubrau bis Weißagk. Zusätzlicher Bedarf an landwirtschaftlicher Technik entstand durch die Gründung von Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) in der Pflanzen- und der Tierproduktion. Damit ging auch der dezentrale Maschinenpark der Maschinen- und Ausleihstation (MAS)Eichwege im Jahre 1962 an die LPG über. Aus den MAS entstanden reparatur-technische Stationen, aus deren Zusammenschluss im Jahr 1964 der KfL Spremberg mit dem Spremberger Hauptsitz und dem Betriebsteil in Eichwege hervorging.

In jenem Jahr nahm auch der damals 20-jährige Döberner Gerhard Hoffmann dort seine Arbeit auf. 20 Jahre lang, bis zur politischen Wende, die das Aus für den KfL Eichwege mit sich brachte, war er dort als Elektromonteur tätig. "Ums Jahr 1980 waren im KfL 150 Arbeitskräfte beschäftigt, davon allein 70 in Eichwege", erinnerte er sich. Doch der Zusammenschluss hatte auch Nachteile für den Eichweger Betriebsteil. "Aus dem gemeinsamen Investitionsfonds kam selten oder nur spät etwas rüber. Daher war Eigeninitiative gefragt", betonte Hoffmann. Auch dem Gemeinwohl im Dorf sei manch Unterstützung zugute gekommen - unter anderem dem Freiluft Eisstadion mit Flutlichtanlage für den erfolgreichen Eishockey- und Eisschnelllaufnachwuchs. Freitags wurde so mancher Koffer mit frischer Bockwurst für den Kiosk am Badestrand in Eichwege organisiert. Unterstützt wurden auch die Kicker von "Eintracht Eichwege", der späteren BSG MAS Eichwege beziehungsweise "BSG Traktor Eichwege" aus der schließlich der heutige SV Blau-Weiß Eichwege hervorging. Viele weitere Details zum Umfeld des KfL hatte Gerhard Hoffmann zur Freude der Zuhörer recherchiert. Ein Foto zeigte die Fahrzeugflotte der MAS auf dem Wirtschaftshof vor dem noch gut erhaltenen Eichweger Schloss, das im Jahre 1984 zum großen Bedauern der Einwohner wegen Baufälligkeit gesprengt wurde. "Es war nicht nur Kulisse, sondern auch das kulturelle Zentrum des eigenständigen Ortes, der erst im Jahre 1974 nach Döbern eingemeindet wurde. Dort hatten damals der Bürgermeister und die Gemeindeschwester ihren Sitz. Es beherbergte die Theatergruppe, einen Mal- und einen Fotozirkel, einen Motorsportclub sowie die Redaktion der Betriebszeitung ,Der Traktor', brachte Gerhard Hoffmann in Erinnerung. Für Schmunzeln sorgte auch ein Foto mit der Abordnung des Eichweger Kindergartens, die Transparente mit solch inhaltsschweren Parolen wie "Werktätige Bauern, die neue Technik euer Helfer" emporhielten.

Das Betriebsklima im Eichweger Betriebsteil sei von großem Gemeinschaftssinn geprägt gewesen, berichtete der ehemalige KfL-Elektromonteur. Der Begriff "Familienbetrieb" konnte wörtlich genommen werden. Bis zu zehn Ehepaare zählten einst zur Belegschaft des KfL, auf dessen Gelände im Jahre 1991 ein heute leerstehender Möbel-Großmarkt entstand.