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Ein Verein öffnet neue Wege

Türöffner: Ireneusz Brzezinski öffnet den Forstern die Pforte zum Biberstein-Schloss. Ansonsten gilt der Wirtschaftsförderer der Stadt Zary (Sorau) als sehr rege, was die Belebung der Stadt angeht, in der 40 000 Einwohner leben und die Arbeitslosenquote bei fünf Prozent beträgt.
Türöffner: Ireneusz Brzezinski öffnet den Forstern die Pforte zum Biberstein-Schloss. Ansonsten gilt der Wirtschaftsförderer der Stadt Zary (Sorau) als sehr rege, was die Belebung der Stadt angeht, in der 40 000 Einwohner leben und die Arbeitslosenquote bei fünf Prozent beträgt. FOTO: Angela Hanschke/aha1
Forst/Zary. Die östliche Niederlausitz hat eine Geschichte, die von Deutschen und Polen geprägt wurde und wird. Der Verein Land und Leute entwickelt seit Jahren Touren, die Einblicke, aber vor allem Begegnungen ermöglichen. Nun wird eine neue Tour vorbereitet. Angela Hanschke / aha1

Seit 17 Jahren gibt es den Verein "Land und Leute" - Region Lausitzer Neiße e.V. Die Förderung von Heimatpflege und Heimatkunde haben seine Mitglieder in ihrer Satzung festgehalten. Ein breites Spektrum, das sowohl den naturkundlichen als auch den geschichtlichen Bereich im polnischen Teil der Niederlausitz umfasst.

Hunderten Gästen aus der unmittelbaren Nachbarschaft und dem gesamten Bundesgebiet, darunter auch vielen Kindern sowie einer Familie aus den USA haben die derzeit 15 Mitglieder um den 61-jährigen Vereinsvorsitzenden Ingolf Zägel diesen Landstrich inzwischen nahe gebracht. Sieben Tagestouren wurden im Laufe der Zeit entwickelt. Ein Unterfangen, in das die ehrenamtlichen "Tourismusförderer" unglaublich viel Zeit investierten. "Ich will nicht hören, was nicht geht, sondern was geht", lautet die Maxime, die Ingolf Zägel nie aus den Augen verloren hat.

Praktisch jeder Kilometer der einzelnen Touren wurde zuvor intensiv mit dem Fahrrad erkundet. Broschüren und detailliertes Kartenmaterial entstanden. Freundschaftliche Kontakte zu Ansprechpartnern auf polnischer Seite wurden geknüpft. Und so öffneten sich manche Türen, die vorher verschlossen schienen.

In der vergangenen Woche war Ingolf Zägel erneut unterwegs. Dieses Mal jedoch mit dem Kleinbus in Gemeinschaft mit einem halben Dutzend Mitstreitern aus der Region, um eine neue Tour aufzubauen. Stattliche 60 Kilometer umfasst sie. "Es wird daher eine Kombitour, die von Forst bis nach Zary führt. Unsere Gäste brechen daher mit dem Bus ab dem Vereinssitz im Preschener Weg 5 auf oder mit der Bahn und treten die Rückreise mit dem Fahrrad an, das von uns dorthin befördert wird", verriet Zägel. Vorbei an kleinen Ortschaften und durch den Sorauer Wald ging die Studienreise und endete in der Hauptstadt der polnischen Lausitz, die in den vergangenen Jahren einen großen wirtschaftlichen Aufschwung genommen hat. "Knapp 40 000 Einwohner leben hier. Derzeit liegt die Arbeitslosigkeit bei fünf Prozent", informierte der Wirtschaftsdezernent der Stadt Zary (Sorau), Ireneusz Brzezinski während der Exkursion durch das Stadtzentrum mit den weithin sichtbaren "drei Getreuen von Sorau", dem Wächter-, dem Glocken- und dem Plempturm.

Jeder Meter atmet dort deutsche und polnische Geschichte. Am alten Postamt erinnert das schmiedeeiserne Relief eines vierspännigen Wagenzuges an die Postkutsche, die zur Regierungszeit des sächsischen Kurfürsten Friedrich August I., des Starken, der ab dem Jahre 1697 als August II auch die polnische Königskrone trug, täglich zwischen Dresden und Warschau verkehrte. Gleich gegenüber lädt auf einer Bank die Bronzeskulptur von Georg Philipp Telemann zum Verweilen ein. Der Barockkomponist, dessen Todestag sich im Juni dieses Jahres zum 250. Mal gejährt hat, wurde im Jahre 1705 vom kunstsinnigen Erdmann von Promnitz an seinen Hof geholt.

Ireneusz Brzezinski ermöglichte den Forster Besuchern eine Visite im barocken Promnitz-Palais - bis zum Jahre 1945 Sitz des Kreisgericht im ehemaligen Landkreis Sorau - und im Biberstein-Schloss, welches Mitte des 16. Jahrhunderts das im Renaissance-Stil umgebaut wurde. Beide Schlösser sind seit rund zehn Jahren in Privatbesitz. In Letzterem, dessen Innenhof künftig ein Glasdach überspannen solle, werde sich einmal Kultur ansiedeln, kündigte der Wirtschaftsdezernent an.

"Sehr beeindruckend" fand auch Kristian Schmidt, Vorsitzender des Forster Museumsvereins, den Blick in das Gebäudeensemble mit den alten Stuckelementen und Wandmalereien. "Auf Wunsch können ebenfalls die Teilnehmer der neuen Tagestour diesen Schlosskomplex am Markt besichtigen", ergänzte Ingolf Zägel auf der Rückreise, während der auch der Bismarck-Turm sowie das Blockhaus - ein Aussichtsturm auf dem Rückenberg, dem höchsten Punkt der historischen Mark Brandenburg, sowie der Reiterhof in Pietrzykow, auf der ehemaligen Gutsanlage des alten Vorwerks Pitschkau in der Landgemeinde Lipinki {Lstrok}uzyckie (Linderode) besucht wurden.

Kontakt und weitere Informationen zum Verein "Land und Leute - Region Lausitzer Neiße" gibt es im Internet www.niederlausitz.de