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Ein Schloss inmitten der Stadt

Reste der Feldsteinmauer in der Straße Am Haag.
Reste der Feldsteinmauer in der Straße Am Haag. FOTO: Gerd Kundisch/gkd1
Forst. In loser Folge berichtet Gerd Kundisch über bedeutende Personen, Orte und Bauten der Stadt Forst sowie der Region und erinnert an wichtige Ereignisse in der Geschichte. Im heutigen Beitrag schreibt er über sensationelle Funde. gkd1

Als vor 20 Jahren in der Straße Am Haag die Vorbereitungen für den Bau eines neuen Wohn- und Geschäftshauses vorangingen, stießen die Archäologen auf sensationelle Funde.

Mittelalterliche Keramikscherben und ein aus Feldsteinen errichtetes Gemäuer wurden entdeckt und freigelegt. Archäologe Gerard Jentgens vermutete, dass an dieser Stelle eines der Biebersteiner Schlösser gestanden haben könnte. Sven Zuber, damaliger Geschäftsführer des städtischen Museumsvereins, sprach in diesem Zusammenhang von der Freilegung bauhistorisch einmaliger Gebäudereste, die sorgfältig restauriert werden müssten. Er bezog sich dabei auf Beispiele in Freyburg, Köln und in anderen Städten.

In Verträgen von 1364 und 1367 wird die Forster Burg als Besitz von "...dem von Ileburg dem Liebenwerda gehört, mit den Festen Forst, Calau und Finsterwalde" erwähnt. 1385 erwirbt Hans von Bieberstein die Herrschaft Forst und ließ die Fronfeste zum Schloss umbauen, welches Sitz des herrschaftlichen Verwalters war. 1497 nahm hier Mathias von Bieberstein seinen ständigen Wohnsitz. Er starb 1520. Balthasar, einer seiner drei Söhne, bewohnte dann das Schloss Am Haag und ließ es wiederum umbauen. Johann Magnus berichtete in seinen "Lausitzer Analen": "Balzer baute das feste Schloß mit Mauern, Wällen, Wassergraben aus der Neuße, Gefängnis, Schlosskirche, Begräbnisgewölbe, darinnen noch zinnerne Särge, Taufstein, Turm und Glocken." Balzer starb vermutlich vor 1565.

Dessen Sohn Ulrich blieb unverheiratet und wohnte bei seiner Schwester in Frankfurt. Weil dieser sich nicht um Forst und das Schloss kümmerte, verfiel es schon zu seinen Lebzeiten. 1670 schrieb Johann Magnus "das Schloß ist itzo wüste."

Zwanzig Jahre später, um 1690, wurde das Kornhaus - ein herrschaftliches Magazin - im alten Schlossgemäuer errichtet. Beim großen Stadtbrand von 1748 blieb es zwar verschont, sollte aber wegen Baufälligkeit in den Generalbebauungsplan aufgenommen werden. Ein Neubau kam nicht zustande, man begnügte sich mit wiederholten kostspieligen Reparaturen.

Zerstört und wieder aufgebaut wurde es 1804 nach einem großen Hochwasser. Fortan diente es als Gerichtsdienerei mit Wohnung und Gefängnis. 1866, während des Krieges gegen Österreich, diente das Kornhaus als Militärmagazin. 1888 erfolgte der Abriss, nachdem es zwischenzeitlich der aufstrebenden Textilindustrie als Lagerhaus diente.