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Ein neuer Berg entsteht bei Forst

Begleitet von Dezernent Olaf Lalk (4.v.r.) verschaffen sich die Ausschussmitglieder einen Überblick zum Stand der Deponiesanierung in Forst.
Begleitet von Dezernent Olaf Lalk (4.v.r.) verschaffen sich die Ausschussmitglieder einen Überblick zum Stand der Deponiesanierung in Forst. FOTO: kkz
Forst. Auf einen rund 25 Meter hohen Müllberg – der kaum noch als solcher zu erkennen ist – steigen die Mitglieder des Werksausschuss Abfallwirtschaft. Ihr Ziel ist ein Probefeld auf der ehemaligen Forster Hausmülldeponie. Katrin Kunipatz

Hier demonstiert die Strabag Umwelttechnik GmbH aus Chemnitz, wie die Abdeckung der Deponie aufgebaut ist. Polier Sebastian Jänsch betreut die seit Frühjahr 2017 laufenden Bauarbeiten. Er erläutert den Schichtaufbau der insgesamt eineinhalb Meter starken Abdeckung.

Ein großer Teil des Müllbergs verschwindet schon unter der 30 Zentimeter starken Schicht aus Eisenschlacke. Das Material wird per Zug von Bayern nach Forst transportiert. Seit Mai erreichen jede Woche drei Züge die Baustelle bei der Abfallentsorgungs-Gesellschaft Neiße-Spree (AGNS). Trotzdem sei es nicht genug, so Dezernent Olaf Lalk. Man prüfe, ob die Gasdrainage-Schicht auch aus mineralischen Bauabfällen gebaut werden kann.

Derweil verteilt eine Planierraupe die Eisenschlacke auf den Flanken des Berges. Das Material, das Lavagestein ähnelt, wird anschließend mit einer Walze verdichtet. Denn auf den stark geneigten Hängen muss es fest liegen, damit die folgenden Schichten nicht abrutschen und die Deponie für Jahrzehnte sicher abgedeckt bleibt. Deshalb kann auch nur segmentweise und Schicht für Schicht gebaut werden. Der Plan sieht vor, bis zum Frühjahr 2018 den gesamte Deponiekörper abgedeckt zu haben. "Im Moment haben wir aufgrund der guten Witterung sogar einen kleinen Vorsprung erarbeitet", sagt Olaf Lalk.

Auf dem Probefeld sind Trennfließ, Sandschicht und die Bentonitmatte eingebaut worden. Aber erst wenn der externe Prüfer sein Okay gegeben hat, gehen die Arbeiten weiter. Auf diese gasdruchlässigen Schichten folgen miteinander verschweißte Dichtungsbahnen aus Kunststoff. Sie hüllen den gesamten Deponiekörper ein. Damit wird verhindert, dass Wasser eindringt und Substanzen aus der Deponie ausspült. Die in den Müllberg hineinragenden Gassammler werden dagegen durch die Folie nach außen geführt und sorgen für eine sichere Entlüftung, erläutert Lalk. Tatsächlich riecht es stark, als der Ausschuss das Rohr passiert. Die Menge des entstehenden Deponiegases sei jedoch gering. Nach einer Untersuchung kam man zum Schluss, dass sich eine Ausbeutung nicht lohne, so der Dezernent.

Der Kunststoff wiederum wird mit einem Entwässerungsfleece abgedeckt. Das Regenwasser fließt so in das bereits vor einigen Monaten errichtete Sickerbecken. Beim jüngsten Starkregen habe es gut funktioniert. Den Abschluss der Deponieabdeckung bildet schließlich eine ein Meter starke Rekultivierungsschicht, die mit Gras und Büschen bepflanzt werden soll. Hier will die AGNS ihren aus Grünschnitt hergestellter Kompost einarbeiten.

Rund fünf Millionen Euro kostet die Abdeckung der rund 6,6 Hektar großen Deponiefläche. Außerdem vergrößert die Sanierung den Fuß der Deponie um etwa zehn Meter. Entlang der Autobahn muss deshalb eine neue Zufahrtstraßen für den noch aktiven Schüttbereich 2 gebaut werden. Dieser liegt direkt neben der Deponie 1 und ist aus der Höhe gut zu erkennen. Genau wie die in einiger Entfernung liegende Stadt Forst.

Zum Thema:
Auf der jetzt sanierten Deponie 1 wurde zwischen 1960 und 1999 Hausmüll aus Forst abgekippt. Genutzt wurde eine Sandgrube, die im Zug des Autobahnbaus in den 40er-Jahren entstand.Für weitere sechs Jahre landete der Müll auf der heute nur noch für mineralische Abfälle genutzten Deponie 2. Hausmüll wird seit 2005 in Großräschen verbrannt. Da die Kapazitäten fast erschöpft sind, plant die AGNS, eine dritte Deponie zu errichten. Dort sollen nur mineralische Abfälle entsorgt werden.