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Ein Haus, das viele Namen trägt

Seit 1991 heißt das Gebäude in der Kleinen Amtsstraße „Bürgerzentrum Kunst & Kultur“. Mittlerweile haben dort die Forster Musikschule und ein Restaurant ihr Zuhause gefunden.
Seit 1991 heißt das Gebäude in der Kleinen Amtsstraße „Bürgerzentrum Kunst & Kultur“. Mittlerweile haben dort die Forster Musikschule und ein Restaurant ihr Zuhause gefunden. FOTO: Gerd Kundisch/gkg1
Forst. Viele Namen haben es schon geziert, das heutige Forster „Bürgerzentrum“. Das einstige „Haus der Tuchmacher“ avancierte in den vergangenen Jahrzehnten zum „Kulturhaus der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft“, zum „Kreiskulturhaus“ und vor zwanzig Jahren zum „Bürgerzentrum Kunst & Kultur“. Von Gerd Kundisch

In der Nähe des Friedrichplatzes, in der Kleinen Amtstraße, steht das heutige Forster "Bürgerzentrum". Der Bau geht auf den am 2. März 1870 gegründeten Fabrikanten-Verein zurück. Mit dem rasanten Aufstieg der Forster Textilindustrie zum Ende des 19. Jahrhunderts bündelten sich die einzelnen Verbände des Fabrikanten-Vereins unter dem Namen "Zentralbüro der Industrie-Verbände".

Deren erste Geschäftsstelle befand sich am Ernst-Hammer-Platz, beschreibt der "Forster Wegweiser" des Jahres 1959. Mit der industriellen Entwicklung wurde der Wunsch der Vereinsmitglieder geweckt, sich besser zu repräsentieren. Im Wegweiser heißt es weiter: "Zu diesem Zweck überwies der damalige Vorsitzende Neubarth im Januar 1915 für den Bau eines neuen Geschäftshauses dem Verein eine Stiftung in Höhe von 20 000 RM, die später auf 50 000 RM erhöht wurden."

Umbau oder Neubau?

1917, noch während des 1. Weltkriegs, beschloss der Vorstand des Fabrikantenvereins, das Grundstück von Carl August Groeschke an der Ecke Amtstraße/Kleine Amtstraße zum Preis von 100 000 RM zu erwerben. Bereits seit 1864 stand dort ein Gebäude. Nach Abschluss des Kaufvertrages im Januar 1918 begannen nun die Bauarbeiten. Bald stellte sich heraus, dass die vorhandenen Räume den Ansprüchen nicht gerecht würden. Somit stellte sich die Frage: Umbau oder Neubau?

Die Kriegslasten und die grassierende Inflation ließen schließlich nur einen Umbau zu, mit dem im Herbst 1929 begonnen wurde. Das Gebäude mit der heutigen Gaststätte erfuhr eine gründliche Sanierung, das Treppenhaus und der sich anschließende flache Gebäudeteil kamen neu hinzu. Am Tag der Einweihung, dem 10. Dezember 1930, heißt es im Forster Tageblatt, dass dieses Gebäude "nicht nur in Bezug auf die inneren Räumlichkeiten, sondern auch in Bezug auf architektonische Schönheit und Stilreinheit zu den schönsten Bauwerken unserer Stadt gezählt zu werden verdient".

Die kommenden 15 Jahre, bis 1945, hatten hier unter anderem der Arbeitgeberverband, der Fabrikanten-Verein, der Gläubigerschutzverband und die Metallindustrie, weiterhin die Vereinigung der Spediteure und die Forst-Triebeler Kohlenwerke ein Zuhause. Zum Ende des 2. Weltkriegs erlitt das Gebäude nur unwesentliche Beschädigungen. Bis zum 1. November 1950 gingen nun die Volkspolizisten ein und aus, heißt es im Forster Wegweiser 1959.

Tanzen, Filme, Dia-Bilder

Jahrzehntelang war das Bauwerk dann das "Kulturhaus der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft". Eine Bücherei, ein Tonkabinett und die HO-Gaststätte "Freundschaft" fanden bei der Jugend und den Bürgern regen Zuspruch. Ebenso die Dia-Vorträge, Filmveranstaltungen und Tanzabende im großen Saal. Im Volksmund hieß es: "Wir gehen in den Kreml!"

Haus für Freundschaft

Im Januar 1962 beschloss die Kreisleitung der SED, das Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft "zu einem Leitkulturhaus zu entwickeln ... sowie zur Unterstützung der Arbeit der Nationalen Front in den Wohnbezirken", berichtete die Lausitzer Rundschau am 14. September 1962. Damit verband sich die Namensänderung in das Kreiskulturhaus der "Deutsch-Sowjetischen Freundschaft".

1991 erhielt es schließlich den Namen "Bürgerzentrum Kunst & Kultur". Die Musikschule hat darin bis heute ihr Domizil, ebenso das Restaurant "Lausitz", nachdem es Zank und Missverständnisse gab und die Uhr für die Kneipe "Mephisto-Laden" abgelaufen war.

Im Zuge der weiteren Außensanierung 1998 setzte sich die Denkmalbehörde mit ihrer Forderung durch, die Inschrift "Kulturhaus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft" in der Fassade beizubehalten.