"Passieren kann immer etwas. Aber da bleibe ich ruhig. Panik bringt in dieser Situation nichts", erzählt Steffen Gabriel. In der DDR absolvierte der 35-Jährige eine Ausbildung zum "staatlich geprüften Schallplattenunterhalter", "obwohl ich keine Schallpatten unterhalte", lacht er. Während der Lehre hat Steffen Gabriel seinen späteren Kollegen Ralf Schlawa kennen gelernt. "Wir gründeten die Wanderdisko ,Powershop‘. Die technische Ausrüstung bauten wir uns selbst zusammen. Wir sind im Kreis Forst aufgetreten", erinnert sich Steffen Gabriel. "Ich war der Moderator bei unseren Auftritten. Da ich kleiner als Ralf Schlawa bin, musste ich immer im Vordergrund stehen." Zu dieser Zeit war er hauptberuflich BMSR-Techniker (Betriebsmess-, Steuer- und Regeltechniker) in Friedrichshain. Im Jahr 1986 kam Steffen Gabriel dann zum Forst-Sacroer Karnevalsverein. "Mein Cousin hat mich gefragt, ob ich Lust hätte, die Technik zu übernehmen." Daraus entstand die Idee, die Arbeit als Tontechniker und Diskjockey professionell zu betreiben. "Das passte ganz gut, da ich mit der Wende arbeitslos wurde. 1992 habe ich mit einem Freund eine GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) namens BLS-Studiotechnik gegründet." Verschiedene Agenturen vermittelten die Künstler an Steffen Gabriel weiter. Seit 1995 führt er die Firma allein.

Die Liste der Stars ist lang
Mit den Jahren wurden die Veranstaltungen immer größer. "Früher habe ich 500 bis 1000 Leute beschallt. Heute sind es 20 000 bis 30 000." Steffen Gabriel hat bereits für viele berühmte Künstler gearbeitet. Neben Kurt Nielsen und Rednex finden sich auch deutsche Künstler wie Yvonne Catterfeld, Sascha, Karat oder Roland Kaiser auf der Liste wieder. Vor großen Namen hat Steffen Gabriel keine Angst: "Je berühmter ein Künstler ist, desto größer ist die Herausforderung." Aufregung verspürt der Forster nur noch selten bei Aufträgen. Der "Inselmusiksommer" auf der Schlossinsel Lübben ist allerdings ein Grund für Kribbeln im Bauch. "Das ist ein großes Ereignis in der Region. Auf Alphaville, Blue System und Boney M bin ich richtig gespannt", gibt Steffen Gabriel zu. Einen Künstler, mit dem er besonders gern arbeiten würde, kann der 35-Jährige nicht nennen. "Eigentlich ist mir egal, wer es ist. Jeder wird gleich behandelt", so Steffen Gabriel.
Am Wochenende wird der Studiotechniker mit seinem Kooperationspartner, der Atlantis Audio (Lichttechnik) aus Gahry, das Forster Wasserturmfest mit Technik ausstatten. Es ist das neunte Mal, dass er dabei ist. Obwohl Steffen Gabriel den Künstlern die Technik zur Verfügung stellt, hat er selten mit ihnen gesprochen. "Im Vorfeld gibt es technische Bühnenanweisungen. Darin sehe ich, was ein Künstler an Technik erwartet. Für einen Tontest bringen einige ihren eigenen Tontechniker mit. Das beschleunigt die Arbeit, denn er weiß, was der Künstler möchte", erklärt Steffen Gabriel.
Seit Mittwoch ist er jeden Tag im Stadion zu finden. Etwa 2,8 Tonnen Technik müssen aufgebaut werden. 3,5 Kilometer Kabel sollen die Lautsprecher und Mischpulte mit dem Rest der Technik verbinden. Eine 20 000 Watt starke Anlage sorgt für den richtigen Klang. "Die endgültige Abstimmung der Technik erfolgt am Samstag. Ohne Kooperationspartner wäre ein so großes Projekt nicht zu schaffen", erzählt Steffen Gabriel.

In der Heimatstadt regelmäßig aktiv
Das ganze Jahr ist der Forster bei Veranstaltungen in seiner Heimatstadt dabei. Sei es bei der Wahl der Rosenkönigin oder bei den Veranstaltungen des Karnevalsklub Forst-Sacro. "Ich plane, ab dem nächsten Jahr Ausbildungsplätze anzubieten. Wie viele, kann ich noch nicht sagen. Die Auszubildenden möchte ich übernehmen. Der Beruf ‘Facharbeiter für Veranstaltungstechnik‘ ist sehr beliebt bei jungen Leuten, da er viel mit Musik und Technik zutun hat", weiß Steffen Gabriel. Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt stehen für die jungen Leute mit dieser Ausbildung recht gut. "Der Bereich der Medienbranche ist groß. Wenn man die Veranstaltungstechnik übernimmt, kann man Konzerte, aber auch Konferenzen mit Ton versorgen. Das ist sehr abwechslungsreich."