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Ein Film gegen das Vergessen

Insbesondere die Partnerschaft zwischen den Feuerwehren knüpfte viele Kontakte zwischen Groß Kölzig und Trzebiel. Maßgeblich damit verbunden ist das Wirken des ehemaligen Wehrleiters Eberhard Schuband.
Insbesondere die Partnerschaft zwischen den Feuerwehren knüpfte viele Kontakte zwischen Groß Kölzig und Trzebiel. Maßgeblich damit verbunden ist das Wirken des ehemaligen Wehrleiters Eberhard Schuband. FOTO: Paul Wernitz/pwr1
Groß Kölzig. Am Samstag wird erstmals der Film "Unvergessene Geschichte" in Deutschland gezeigt. In dem 40-minütigen Beitrag kommen ehemalige Einwohner aus Triebel und jetzige Einwohner aus Trzebiel zu Wort. Angela Hanschke / aha1

Die inzwischen betagten Zeitzeugen erzählen aus ganz persönlicher Sicht und ohne patriotisches Pathos Geschichten über ihr Leben, ihre Familie in der kleinen Stadt, deren Architektur einst durchaus an Bad Muskau erinnerte. Ermöglicht wurde dies durch die Mitarbeiter des Kulturhauses und der Bibliothek in Trzebiel in Zusammenarbeit mit dem deutsch-polnischen Verein Musknica aus Bad Muskau. Wie kam es zu diesem Filmprojekt? "Das ist auch eine lange Geschichte", so Barbara Laris aus Trzebiel. Ursprünglich habe die Kulturhausleiterin Malgorszata Cegielska nur die Vergangenheit der Villa dokumentieren wollen und sei dabei "mit sehr viel Glück" in Kontakt mit den letzten deutschen Besitzern, der Familie Pelzig, gekommen. Sehr viele Fotos und Ansichtskarten - unter anderen auch vom einstigen Posthotel, in dem nun die Verwaltung der Landgemeinde Trzebiel mit 28 Orten ihren Sitz hat - wurden zusammengetragen und neuen Ansichten gegenübergestellt. Drei ehemalige Triebeler aus Deutschland und drei polnische Einwohner berichteten damals von ihrem Leben und den Schicksalen vor und nach dem Krieg. "Während der Ausstellungseröffnung am 17. Juni des vergangenen Jahres gab es sehr gute und emotionale Begegnungen. Sofort danach kamen Anfragen, ob diese Gespräche aufgezeichnet wurden, berichtet Barbara Laris. Allen Beteiligten sei klar gewesen, dass die Zeit drängte, um das Ganze auch für spätere Generationen erlebbar zu machen, denn die sechs Gesprächspartner hatten zu jenem Zeitpunkt bereits das achte Lebensjahrzehnt überschritten. "Wir machen einen Film" - dieser Wunsch beflügelte die jungen deutschen und polnischen Vereinsmitglieder. Bereits am 23. Juni fand im Kulturhaus Trzebiel die Aufführung statt. Den Saal im neu renovierten Kulturhaus füllten 60 Interessierte und ehemalige Bewohner, darunter auch aus Konstanz, wohin es die Familie Pelzig nach 1945 verschlagen hatte. "Ich denke", so Barbara Laris, "ähnliche Begebenheiten haben sich damals wohl in jeder Gemeinde entlang der Neiße ereignet. Heutige Einwohner von Trzebiel wissen nur wenig darüber". Geplant ist daher auch, den Film bei einem Festival vorzustellen, um ein größeres Publikum zu erreichen. Die Wahl für den deutschen Premieren-Ort wurde ganz bewusst gefällt. Im November des Jahre 1999 unterzeichnete die ehemalige Groß Kölziger Bürgermeisterin Jutta Göbel den Partnerschaftsvertrag mit der Gemeinde Trzebiel. Sowohl deutsche als auch polnische Kindergärten, Schulen, Volkskünstler und Vereine gestalten das jährliche Brückenfest von Zelz und Siedlec. Gegenseitige Besuche gibt es auch bei Sportlern und nicht zuletzt funktioniert der Erfahrungsaustausch zwischen den Wehren in Trziebel und Groß Kölzig, betont Ortswehrführer Uwe Wonneberger.

Diese Erfolgsbilanz ist ein Verdienst von Eberhard Schuband, seinem inzwischen verstorbenen Amtsvorgänger, der nach 1945 in Groß Kölzig eine neue Heimat fand. Dessen Vater Ernst Schuband war bis zum Kriegsende der letzte Wehrleiter im damaligen Triebel und der junge Eberhard Schuband zwischen 1943 und 1945 Leiter der Jugendfeuerwehr. Zeit seines Lebens setzte er sich der sich engagiert und mit viel Wärme für diese deutsch-polnische Partnerschaft ein. Sein Großvater, Klempnermeister Bruno Schuband, war Begründer des Familienunternehmens, in dem auch Eberhard Schuband sein Handwerk erlernte. "Das Elternhaus meines Mannes in der damaligen Kirchstraße 9 steht nicht mehr", sagt Dorothea Schuband. Gemeinsam mit dem Groß Kölziger Bürgermeister Eberhard Müller gehörte sie in Trzebiel zu den Ehrengästen bei der Film-Uraufführung und wird auch die Groß Kölziger Premiere besuchen. Zeitgleich wird die Heimatstube in der Hayasche göffnet. Die Besucher können sich dort über die Siedlungsgeschichte, das Leben, Wohnen und Arbeiten in vergangener Zeit sowie über Handwerk, Handel und Gewerbe zu informieren.

Filmvorführung "Unvergessene Geschichte", Samstag, 19. August, 18 Uhr, Turnhalle der Kita Hayasche (Muskauer Straße 8).