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| 16:50 Uhr

Historisches
Ein Dorfmuseum als Lebenswerk

Reinhard Natusch zeigt wie der Muldenhauer mit dem Zieheisen,  die Rundungen von hölzernen Schaufeln oder Trögen arbeitete.
Reinhard Natusch zeigt wie der Muldenhauer mit dem Zieheisen, die Rundungen von hölzernen Schaufeln oder Trögen arbeitete. FOTO: LR / Katrin Kunipatz
Forst. Reinhard Natusch etablierte Museum. Wechselnde Ausstellungen machen es seit 16 Jahren interessant. Von Katrin Kunipatz

Manche Idee für die nächste Ausstellung kommt Reinhard Natusch nachts im Schlaf. Deshalb habe er immer Zettel und Stift neben dem Bett, um beim Aufwachen Gedanken notieren zu können, berichtet der Leiter des Sacroer Dorfmuseums. Genauso war es auch beim aktuellen Geschichtskabinett zu historischen Werkzeugen, das ab Sonntag gezeigt wird.

Die ursprünglich geplante Sonderausstellung „130 Jahre Sport in Sacro“ kann erst im nächsten Frühjahr stattfinden. Damit der Ausstellungsraum bis zum Ende der Saison nicht leer bleibt, räumt Reinhard Natusch in dieser Woche eine Vielzahl historischer Werkzeuge aus dem Lager dorthin. „Ich kenne den Bestand des Museums und überlege immer wieder, was man noch zeigen könnte“, sagt der 88-Jährige. Zwei Tafeln, auf denen typische Utensilien eines Tischlers und eines Fleischers befestigt sind, waren vor 18 Jahren Teil der Ausstellung zur 700-Jahrfeier in Sacro. Im Jahr 2000 wurde acht Tage lang die Sacroer Ersterwähnung gefeiert.

An ein Dorfmuseum wagte der ehemalige Lehrer damals nicht zu denken. Erst als seine Schwiegereltern gestorben waren und das etwa 140 Jahre alte Bauernhaus plötzlich leer stand, sagte Pfarrer Trummer: „Wir machen ein Museum draus.“ Das war 2002. Ein großer Teil der Exponate gehören Reinhard Natusch. „Es ist mein großes Manko, dass ich immer alles zusammentrage“, sagt er. Ein Briefmarkenalbum, das er als 14-Jähriger 1944 im Müll fand, weckte diese Leidenschaft – anfangs für Briefmarken, später für Postgeschichte, antike Möbel und historische Gegenstände.

In Sacro und den umliegenden Orten sind das Museum und die Sammelleidenschaft seines Leiters bekannt. „Bis heute bringen mir Leute Material, das sie beim Aufräumen der Keller oder Böden gefunden haben“, sagt Reinhard Natusch. So wächst der Fundus des Museums weiter. Schwierig sei es, alle Gegenstände, Fotos oder Postkarten zu erfassen. Deshalb arbeitet der Sacroer thematisch.

Anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Feuerwehr Sacro habe er gemeinsam mit Sigrid Tscharn die über 1000 Fotos im Bestand durchforstet und für die Feuerwehr auf einer DVD zusammengestellt. Und natürlich gab es im Dorfmuseum die passende Sonderausstellung. „Allein mit der Darstellung des dörflichen Lebens kann man nicht bestehen“, weiß der Chef des Dorfmuseums. Deshalb plant und gestaltet er – mal mit und mal ohne Unterstützung – thematische Sonderausstellungen.

Neu sind seit dem vergangenen Jahr die Geschichtskabinette. Besucher können die ausgelegten Materialien selbst durchblättern. Die Themen reichten vom Rosengarten über Forster Widerstandskämpfern und die Textilindustrie bis hin zu historischen Werkzeugen. „Selbst hundert Jahre alte Handwerkerrechnungen sind dabei“, sagt Reinhard Natusch. Aber ohne den Heimatverein Forst-Nord mit seinen 26 Mitgliedern sei der Betrieb des Dorfmuseums in dem alten Haus nicht möglich, betont der Senior. Auch von der Kirche und anderen Sacroer Vereinen erhalte er Unterstützung. Für Reinhard Natusch ist die ständige Beschäftigung mit den Exponaten und Ausstellungen wichtig. Es halte den Geist rege, sagt er und ergänzt: „Das Museum ist mein Lebenswerk.“