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| 02:06 Uhr

Durch die kältesten Wintertage des 20. Jahrhunderts

Zaubernuss hat unser Leser Horst Jäkel in seinem Garten in Eulo fotografiert. Foto: Horst Jäkel
Zaubernuss hat unser Leser Horst Jäkel in seinem Garten in Eulo fotografiert. Foto: Horst Jäkel FOTO: Horst Jäkel
Forst. Die gegenwärtige schneereiche Winterperiode Schnee weckt Erinnerungen – an zurückliegende Winter von langer Dauer, mit großer Kälte und viel Schnee. Fast jeden dritten bis vierten Winter erleben wir sie in unserer Forster Heimatregion von diesem Format. Kurt Noack

Doch nehmen Erinnerungen älterer Leute gern in Anspruch, grimmigere Winter als heute erlebt zu haben. Das Prädikat "kältester Winter" im vorigen Jahrhundert gehört allein den Wintern 1928/1929 und 1946/1947. Am 10. Februar 1929 wurden in Forst minus 32 Grad und in den nahen Dörfern minus 37 Grad gemessen. In Groß Kölzig erfror der dichte Efeubewuchs an der Kirche. Am 1. Februar 1929 lag in der Stadt. "Schnee wie nie" , schrieb die Zeitung. Das Eis auf Mühlgraben und Neiße musste gesprengt werden.An den Winter 1946/47 werden sich vor allem die Leute erinnern, die in kalten Notquartieren lebten. Es war ein ungewöhnlich kalter und besonders langer Winter in dieser Nachkriegshungerzeit. Er begann Anfang Dezember 1946 und endete Mitte März 1947. Dazwischen stieg das Thermometer nur an fünf Tagen über null Grad.Im Winter 1953/54 erlebten die Forster 13 Frosttage um den Monatswechsel Januar/Februar. Frösten bis minus 28 Grad am 31. Januar machten den Winter überdurchschnittlich kalt.Im Winter 1955/56 fiel der erste Schnee am 27. Januar. Am 31. Januar sank die Temperatur rapide. Danach herrschte bis zum 28. Februar ein ungewöhnlich kalter Winter mit sehr strengen Frösten, überwiegend unter minus 20 Grad. Niedrigste Temperaturen traten in den Nächten zum 2. und zum 10. Februar mit minus 25 Grad und darunter, auf. Nach viertägigem Tauwetter war der Schnee am 3. März völlig verschwunden. Auf diesen bitterkalten Winter in Kölzig folgte der bis dahin wärmste Sommer in Deutschland.Der Winter 1962/63 begann am 18. Dezember 1962 mit dem ersten Frost. Schon am 19. Dezember hatte die Kälte ganz Europa erfasst. Dieser sehr kalte Winter dauerte bis zum 1. März 1963 mit Frösten um minus 20 Grad. In den Nächten zum 19. Januar und zum 1. Februar werden minus 25 Grad gemessen. Das Tagesmittel lag am 19. Januar bei minus 15 Grad. Am 19. Februar fiel in Kölzig sehr viel Schnee. Nach sechs Tagen Tauwetter war der Schnee am 9. März verschwunden.Winterwetter herrschte um 1963/64 vom 3. bis 24. Dezember und nochmals vom 10. bis 22. Januar sowie vom 12. bis 22. Februar 1964.In der ersten Januarwoche begann der Winter 1967/68. Die Temperaturen sinken am 12. und 13. Januar auf minus 12 und 13 Grad. Am 12. Januar fielen Züge aus.Zum Winter 1968/69 gehörte der bei Weitem kälteste Monat Dezember des 20. Jahrhunderts. Kein Tag blieb frostfrei. Zwischen dem 20. und 31. Dezember traten in Kölzig an sieben Tagen Fröste um minus 15 Grad auf. Noch am 16. März türmte eisiger Ostwind hohe Schneewehen. Bis Ende März gab es seit Neujahr liegende geschlossene Schneeflächen auf tief gefrorenem Boden. Der Badesee Eichwege hatte am 7. April noch eine geschlossene Eisdecke. Noch am 17., 18. und 19. April schneite es. Früh kam auch der Winter 1969/70. In Kölzig lag zwischen dem 26. November 1969 bis zum 16. März 1970 ununterbrochen 110 Tage lang Schnee. Seit dem Jahr 1895 war das die in Deutschland am längsten anhaltende geschlossene Schneedecke. Der ganze Dezember 1969 war ungewöhnlich kalt. Am 21. Dezember erreichte die Kälte hier minus 25 Grad. Eine wahre Schneeflut lähmte am 5. und 6. März den kompletten Verkehr. Viele Züge fielen aus. Leichte Fröste und Schneeschauer stellten sich noch Anfang April ein. Der letzte Schnee fiel am 30. April.Mit einem schlagartigen Schneegriesel begann der Winter 1978/79 am 29. Dezember um 19 Uhr. Am 30. und 31 Dezember fielen rund 25 Zentimeter Schnee, strenger Frost stellte sich ein und noch mehr Schnee. Stromabschaltungen ließen die meisten Kölziger Silvester im Dunkeln sitzen. Am Neujahrstag gab es zweimal für je 30 Minuten Strom. Noch bis 3. Januar musste immer wieder auf Strom verzichtet werden. Die Leute kauften Talglichter auf. Die Betriebe lagen still. In Stadtwohnungen stellten sich Frostschäden ein. Die Kohleförderung stockte. Aus der Bundesrepublik kamen Steinkohlelieferungen. Erst Anfang März nahm das Tauwetter den Schnee weg. Im Winter 1982/83 blieben der Dezember und Januar ohne Frost in Mitteleuropa, es war mild wie nie. Erst ab 4. Februar fand der Winter in Kölzig mit viel Schnee und Frost statt. Der Winter 1984/85 setzte genau am 24. Dezember mit Frost ein, der bis zum 21. Januar andauerte. Damit machen 28 Eistage hintereinander mit Frösten bis minus 20 Grad am 7. Januar den Winter zu einem sehr kalten.Spät kam der Winter 1985/86 mit etwas Schnee am 27. Januar der Frost sank am 8. Februar auf annähernd minus 20 Grad und schwächte sich in Kölzig bis zum 4. März mit minus 13 Grad kaum ab. Diese Zeit wurde zum kältesten Monat Februar des 20. Jahrhunderts.Für den Winter 1986/87 setzte nach Schneefall am 2. Januar der Frost ein, der mit geringer Unterbrechung bis zum 4. Februar anhielt. Am 13. und 14. Januar sanken die Temperaturen unter minus 20 Grad.Der Winter 1995/96 war ein Winter mit Frösten, die tief in den Boden gingen. Die Wasserversorgung für Kölziger Grundstücke konnte von Ende Januar bis Anfang April nur mit der Hilfe von Wasserwagen erfolgen.Und was wird das neue Jahrtausend der Statistik bringen? Die ersten Winter machten bereits von sich reden. Der Winter 2002/2003 hielt am 9. Januar mit 21 Grad in Cottbus den Kälterekord in Deutschland.Der Winter 2005/2006 begann zu Weihnachten. Anfang März lag auf der Oder noch so viel Eis wie seit 25 Jahren nicht mehr. Kurt Noack

Erika im schützenden Winterkleid. Foto: Horst Jäkel
Erika im schützenden Winterkleid. Foto: Horst Jäkel FOTO: Horst Jäkel