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| 16:28 Uhr

Dürre mit Folgen
Das Warten auf Regen hält an

Bernd Schäfer, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Gahry, betrachtet eine Gersten-Probe. Viele Schmachtkörner verringern den Ertrag.
Bernd Schäfer, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Gahry, betrachtet eine Gersten-Probe. Viele Schmachtkörner verringern den Ertrag. FOTO: LR / Katrin Kunipatz
Gahry/Sergen. Die Trockenheit zwingt zu einer frühen Ernte wie noch nie. Aber es gibt noch Hoffnung. Von Katrin Kunipatz

In dieser Woche hat bei der Agrargenossenschaft Gahry die Getreideernte begonnen. Ungewöhnlich zeitig, so Geschäftsführer Bernd Schäfer. Er kann sich nicht erinnern, dass die Mähdrescher schon einmal vor dem 20. Juni auf den Äckern unterwegs waren. „Üblich ist für die Wintergerste eine Erntebeginn zwischen Ende Juni und Anfang Juli“, sagt er.

Grund für den vorfristigen Start ist die extreme Trockenheit in diesem Jahr.  „Noch im Herbst konnten einige Teile dieses Getreideschlags bei Sergen gar nicht bestellt werden, weil der Boden zu nass war“,  erklärt Bernd Schäfer. Der starke Frost Ende Februar habe die jungen Getreidepflanzen dagegen nicht beeinträchtigt. Aber im April und im Mai fehlte der übliche Landregen. Meist gab es nur Schauer, die noch dazu örtlich begrenzt waren. In Klein Bademeusel, wo Familie Schnick ehrenamtliche Niederschlagsmessungen für den Deutschen Wetterdienst durchführt, wurden im April insgesamt 39,6 Liter Regen pro Quadratmeter registriert. Im Mai waren es sogar nur 29,8 Liter. Normal sind in Deutschland im April fast 60 und im Mai 70 Liter Regen.

Entsprechend schlecht ist das Getreide gewachsen. Betroffen seien Gerste, Roggen und Weizen gleichermaßen, berichtet Geschäftsführer Schäfer. Die Halme bleiben kurz, deshalb gibt es wenig Stroh. Außerdem ist der Schmachtkornanteil sehr hoch. „Die Pflanzen hatten nicht genügend Kraft, um die Körner richtig auszubilden“, erklärt der Landwirtschaftsmeister. Aber die Gerste ist reif und trocken; sie muss geerntet werden. Mit dem Mähdrescher rollt Fahrer Marcel Träger im bequemen Joggertempo über das Feld. Er schafft etwa zehn Hektar pro Stunde.

Die Ausbeute ist gering. Bernd Schäfer rechnet in diesem Jahr mit zwei Drittel weniger Ertrag. Normalerweise sei eine Hälfte als Futter geplant und die andere Hälfte der Körner für den Verkauf bestimmt. In diesem Jahr hofft Bernd Schäfer, dass die Ernte wenigstens für den eigenen Bedarf reicht. Die Einnahme aus dem Getreideverkauf fehlt dem Betrieb. Hinzu kommt, dass auch der Wiesenschnitt hinter den Erwartungen zurückbleibt. War der erste Schnitt Anfang Mai noch gut, stand wegen des ausgebliebenen Regens beim zweiten Schnitt kaum ein Halm auf den Wiesen. Einige Bereiche waren völlig vertrocknet.

Getrübt wird die Bilanz der Agrargenossenschaft zusätzlich durch die erneut gesunkenen Milchpreise. Positiv trage ausschließlich die mit Gülle und Stalldung betriebene Biogasanlage zum Betriebsergebnis bei. Bernd Schäfer sieht damit die Entscheidung für den Bau der Anlage bestätigt. Ansonsten bleibt dem Chef der Gahryer Agrargenossenschaft nur die Hoffnung auf Regen. Selbst wenn Niederschlag die Getreideernte erschwert und im Extremfall zu weiteren Verlusten führen könnte. Der Regen würde den Wiesen gut tun und vielleicht einen ordentlichen dritten Schnitt möglich machen. Auch die anderen Feldfrüchte wie Mais und Sonnenblume brauchen dringend Wasser, damit es dort nicht auch zu großen Ausfällen kommt. Bewässern kann Bernd Schäfer keines seiner Felder. Dies wäre auch zu teuer, so der Landwirt. Im Hinblick auf die Klimawende müsse man aber prüfen, wo es sich lohnen könnte eine solche Anlage aufzubauen.

Ein Ausgleich für die Trockenschäden ist  nicht in Sicht. Darauf möchte Schäfer auch nicht bauen: „Dauerhaft helfen uns nur stabile Marktpreise für Getreide und Milch.“