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| 11:20 Uhr

Zampern
Traditionell unterwegs mit rollender Bar

 Mit der Fastnachtskapelle an der Spitze wird allen 45 Grundstücken in Dubrau ein Besuch abgestattet.
Mit der Fastnachtskapelle an der Spitze wird allen 45 Grundstücken in Dubrau ein Besuch abgestattet. FOTO: Angela Hanschke
Wiesengrund/Dubrau. Dubrau hat in der Region die Zampersaison eröffnet – zeitgleich mit den Zamperern aus dem Döberner Ortsteil Eichwege.

Während die Döberner am Samstag bereits ab acht Uhr mit einem Braunbären als Markenzeichen Bares und Naturalien einheischten, gingen es die Dubrauer geruhsamer an. Kurz vor elf Uhr wurden die ersten Zampernickel, darunter auch ein Eisbär, gesichtet und gute Wünsche fürs noch junge Jahr ausgetauscht.

Treffpunkt ist traditionell bei Uschi, der einstigen Dubrauer Postlerin. Die weiß gewandete gute Seele der Dorffastnacht war am Samstag bei Nieselregen und fünf Plusgraden die einzige Schneeflocke im Ort. Umringt von Streifenhörnchen, Kuh, Rabe, Erdbeere, Smiley, Burgfräulein, zwei lammfrommen Schafen und den Musikanten lud sie dazu ein, sich an Kaffee und an der selbst zubereiteten, ofenwarmen Pizza zu stärken. Die mitgeführten geistigen Getränke sind für spendable Einwohner und freundlich anhaltende Autofahrer bestimmt.

Die rollende Bar ist allerdings kein uralter Kinderwagen, sondern eine Chaise – ein Marktwagen, mit dem die Familie einst im Schweizer Kanton Aargau das Gemüse zum Markt fuhr, wie Besitzerin Monika Wehrli (70) verriet. Seit neun Jahren lebt sie in Dubrau und zählt seither zu den treuen Zamperern. Jennifer Kuban, erfahrene und erfolgreiche Autostopperin, lüftet das Geheimnis um den Start am späten Vormittag. „Wir sind so ein kleines Dorf und schnell bei allen 45 Häusern angelangt“, sagt sie. Der erste Halt wird bei Marcus Lorke eingelegt. Simone Radatz schüttelt die Hauptkasse, die später für Sommerfest, Dorfweihnachtsfeier, Silvesterparty und die Zamperkapelle geleert wird. Eierweib Heike Herzog verstaut die zerbrechliche Fracht. Und der Hausherr wird zu einem Tänzchen gebeten.

Nachbarin Edith Scheider wohnt seit 63 Jahren im Dorf. Damals versteckten sich die Kinder, um dem Schwärzen der Gesichter mit Ruß zu entgehen. Heute muss kein Kind mehr dergleichen befürchten. Zur Mittagszeit kehrt der Heischezug bei Familie Schmidt ein, die für ein deftiges Mittagessen sorgt.

Am kommenden Samstag treffen sich alle 111 Einwohner im Saal der Agrargenossenschaft Dubrau, um beim Eieressen die Naturalien zu verzehren.

(aha)