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| 17:22 Uhr

Forst
DRK kürzt bei Essen auf Rädern

Döbern-Land / Forst. Kurz vor Weihnachten kam die Kündigung. DRK verweist auf gestiegene Kosten. Von Katrin Kunipatz

„Aus Liebe zum Menschen“ – diesen Slogan des DRK Kreisverbandes Forst Spree-Neiße empfinden etliche Senioren und deren Angehörige in den Dörfern zwischen Forst, Döbern und Cottbus als Hohn. „Wir sind enttäuscht vom DRK“, sagt Ursula Mulka. Ihre Schwiegermutter bezieht seit etwa 15 Jahren an den Wochentagen ein warmes Mittagessen über das Deutsche Rote Kreuz (DRK). Völlig überraschend erhielt die 93-jährige Seniorin zehn Tage vor Weihnachten die Kündigung. Bereits ab dem 1. Januar 2018 werde das DRK in Preschen kein Essen auf Rädern mehr anbieten, teilte DRK-Geschäftsführerin Regina Schneider darin mit. Die steigenden Personal- und Sachkosten und der Zwang wirtschaftlich zu arbeiten, führt sie in dem Brief als Gründe an.

Auf Nachfrage der RUNDSCHAU erläutert Regina Schneider: „Außenbereiche mit lediglich ein bis vier Essenteilnehmern oder der Raum Döbern-Land werden zukünftig nicht mehr angefahren.“ Da die Nachfrage in diesen Regionen nur vereinzelt erfolge, sei der Aufwand für die Versorgung „unverhältnismäßig“ hoch und stelle das DRK vor wirtschaftliche Probleme.

Wie der Schwiegermutter von Ursula Mulka geht es auch anderen Senioren. Statt drei gibt es seit Januar nur noch zwei Touren, bestätigt Ines Rosmej. Sie arbeitet in einer Arztpraxis in Gahry und hat deshalb Kontakt zu vielen der älteren Einwohner in der Flächengemeinde Wiesengrund. Ines Rosmej berichtet, dass von der Kündigung Menschen in Kath­low, Dubrau, Sergen, Trebendorf, Mattendorf, Friedrichshain, Gosda II, Groß Bademeusel, Briesnig und die Stadtrandsiedlung Döbern betroffen seien. Aber nicht alle Essenbezieher könnten sich selbst zu versorgen – beginnend beim Einkauf bis hin zur Zubereitung der Speisen. „Sie waren und sind also auf die Versorgung mit einem warmen Mittagessen angewiesen“, stellt Ines Rosmej dar.

Am meisten verärgert Ursula Mulka und Ines Rosmej, dass es seitens des DRK im Vorfeld keine Gespräche gab. Klar könne man für 3,80 Euro pro Portion nicht kostendeckend arbeiten, so Rosmej. Viele der betroffenen Patienten in der Praxis hätten signalisiert, mehr bezahlen zu wollen „Wir sind durchaus bereit, einen Euro mehr für das Essen auszugeben“, sagt auch die Preschenerin. Schon vor einigen Jahren gab es eine Preiserhöhung. Aber damals habe man mit den Betroffenen gesprochen. Wie viel eine Portion kosten müsste, um die Kosten zu decken, beantwortet das DRK nicht. Die Geschäftsführerin teilt in ihrem Antwortschreiben nur mit: „Die Versorgung ist zu einem annehmbaren Preis nicht mehr möglich.“

Für Ursula Mulka stellte sich also noch vor Weihnachten die Frage: Wie nun weiter? Da sie selbst noch arbeitet, müsste sie abends das Essen für die über 90-Jährige vorkochen, was eine enorme Belastung bedeuten würde. Vom DRK wurden ihr, auf Nachfrage, zwei andere Essenanbieter benannt. Nur bringen die ihr Essen nicht von Großräschen oder Spremberg bis nach Preschen. Wie Ines Rosmej berichtet, hätte zumindest eine Patientin in der ersten Januarwoche etwas Neues gefunden.

DRK-Geschäftsführerin Regina Schneider verweist darauf, dass sich im Bereich Friedrichshain und in Randgebieten Döberns ein Lieferant bereit erklärt habe, die Versorgung zu übernehmen. Entsprechende Kontakte könnten auf Wunsch vermittelt werden. Auch seien nicht alle Essenteilnehmer von der Kündigung betroffen. Wer vom ambulanten Pflegedienst versorgt wird, erhalte weiterhin sein Essen. Außerdem könnten sich Pflegebedürftige im Rahmen von Pflegeleistungen ihres Pflegedienstes versorgen lassen. Ein entsprechender Leistungskomplex habe der Gesetzgeber in der Pflegeversicherung vorgesehen, so die DRK-Geschäftsführerin.

Ursula Mulka und andere gekündigte DRK-Kunden hat sich eine andere Lösung ergeben. Sie erhalten ihr Mittagessen in Zukunft vom Deutschen Haus in Döbern. Mit vier Euro pro Portion sei es bezahlbar. „Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen“, so die Preschenerin. Jetzt wisse sie ihre Schwiegermutter wieder gut versorgt.