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Dreiste Diebe auf dem Friedhof

Mit Blumen, Pflanzen und kleinen Figuren gestalten Angehörige die Grabstätten ihrer Lieben. Leider erregten diese auch das Interesse von Dieben.
Mit Blumen, Pflanzen und kleinen Figuren gestalten Angehörige die Grabstätten ihrer Lieben. Leider erregten diese auch das Interesse von Dieben. FOTO: kkz
Forst. Schön hat die 78-jährige Forsterin das Grab gestaltet, Blumen gepflanzt und alles hergerichtet. Aber beim jüngsten Besuch auf dem städtischen Friedhof in Forst fehlten die Pflanzen und alles andere. Katrin Kunipatz

Die alte Dame sei völlig verzweifelt, berichtet Doris Dreßler. Ihr hatte die Frau den Fall geschildert. Die Linken-Stadtverordnete fragt nun, was die Stadt gegen solche Diebstähle unternimmt.

Bei der städtischen Friedhofsverwaltung ist das Problem bekannt. Barbara Petri, die seit vielen Jahren dort arbeitet, sagt: "Es ist eine pietätlose Geschichte und in jedem Fall wirklich furchtbar. Wahrscheinlich passiert es sogar sehr oft, aber nur ein geringer Teil der Betroffenen meldet sich überhaupt bei uns." Denn die Friedhofsverwaltung kann kaum etwas tun.

Die einzige Möglichkeit ist eine Anzeige bei der Polizei. Für diesen Weg plädiert Dirk Liebeck. Der stellvertretende Leiter des Polizeireviers Forst erklärt, auch beim Diebstahl geringwertiger Sachgüter könne nur nach einem Tatverdächtigen gesucht werden, wenn Polizei und Staatsanwaltschaft der Vorfall bekannt ist.

Schöne wäre es natürlich, wenn sich solche Diebstähle verhindern lassen. Aus Sicht der Polizei sieht Dirk Liebeck aber kaum Möglichkeiten. Ein Streifendienst auf dem Friedhof sei nicht realisierbar. Auch Barbara Petri und ihre Mitarbeiter können den rund 16 Hektar großen Friedhof nicht überwachen. Viele große Bäume, Sträucher und Hecken, die dem Friedhof die angenehme Atmosphäre verleihen, versperren den Blick. Ein gewisses Maß an Sicherheit gibt es in der Nacht, wenn zwischen 20.30 und 7 Uhr - im Winter zwischen 17 und 8 Uhr - alle Tore geschlossen sind. Aber am Tag könne keinesfalls jeder Besucher des Friedhofs kontrolliert werden. Deshalb sei es leicht, einen Blumenstrauß, eine bepflanzte Schale oder ein kleines Bäumchen vom fremden Grab zu nehmen und auf das Grab des Angehörigen zu stellen. Um sich zu schützen, würden einige ihre Blumen mit Stecknadeln präparieren, hat Barbara Petri gehört.

Dabei sind es nicht nur Pflanzen, kleine Figuren oder Laternen, die gestohlen werden. Barbara Petri berichtet, dass sie zufällig jemanden ertappte, als er Natursteinplatten ausgrub und im Pkw abtransportierte. Nach dem Hinweis an die Polizei und einem Anruf beim Besitzer der betroffenen Grabstelle nahm dieser Fall ein gutes Ende.

Dramatischer war es dagegen vor vier Jahren. Es müssen Profis gewesen sein, so die Friedhofsverwalterin, die damals aus Sandstein gearbeitete Blumenschalen, verzierte Urnen und andere künstlerische Grabverzierungen gestohlen haben. Beim müden Wanderer, einer großen Skulptur an der Grabstätte der Familie Eltze, blieb es glücklicherweise beim Versuch.

Ganz anders verhält es sich dagegen mit Blumenschmuck im Kolumbarium. In der Urnengrabstätte neben dem Krematorium ist das Anbringen und Ablegen von Blumen, Ge stecken oder Bildern gemäß der Friedhofsordnung sogar verboten. "Deshalb werden sämtliche Pflanzschalen oder Blumenvasen von den Mitarbeitern der Friedhofsverwaltung regelmäßig entfernt", erläutert Barbara Petri. Ausnahmen gelten nur bei Trauerfeiern und für die Winterzeit, wenn nach dem Totensonntag traditionell Grabstätten gestaltet werden.