| 02:38 Uhr

Dramatischer Anstieg der Straftaten im Kreis

Bettina Groß
Bettina Groß FOTO: Christian Köhler
Forst/Cottbus. Obwohl im Landkreis Spree-Neiße die Einwohnerzahlen seit Jahren sinken, ist die Zahl der Straftaten von 2012 zu 2013 um mehr als 1200 Delikte gestiegen (unten stehender Beitrag). Vor allem Diebstahldelikte liegen im Fokus der Ermittler. Christian Köhler

Heinz-Peter Bischoff (Linke) brachte es im Kreistag auf den Punkt. "Ein Sprichwort sagt, die Angst vor dem Förster schützt den Wald. Leider sehe ich, was die Polizei angeht, keine Angst vor dem Förster mehr, weil oft kein Förster präsent ist." Bischoff spielte damit auf ein Problem an, das CDU-Landeschef Michael Schirack kürzlich der Landesregierung vorwarf: Die Polizeireform, die vorsah, bis zum Jahr 2020 in Brandenburg Polizeistellen von derzeit 8300 auf 7000 Beamte zu reduzieren, sei "grundsätzlich gescheitert".

Die Kriminalität habe in ganz Brandenburg zugenommen. Was dabei für das Land gilt, gilt auch für den Landkreis Spree-Neiße. Dies bestätigte die Polizeidirektorin der Polizeiinspektion Cottbus/Spree-Neiße, Bettina Groß, gegenüber der RUNDSCHAU.

8776 Straftaten in 2013

Im Jahr 2013 wurden 8776 Straftaten im Landkreis verübt. Dabei handelt es sich laut Groß "um organisierte Kriminalität, die sich vor allem auf die Zahl der Diebstahldelikte im vergangenen Jahr auswirkt". Zwischen Spree und Neiße beträgt die Anzahl der angezeigten Diebstähle nach Angaben der Polizeidirektorin 4706 für das Jahr 2013. Zum Vergleich: Im Jahr 2012 lag dieser Wert bei 3521.

Für die vergleichsweise hohe Anzahl an Diebstählen seien vor allem die 1464 Fahrraddiebstähle verantwortlich, die im Vorjahr bei der Polizei gemeldet wurden. "Hinzu kommt das Phänomen, dass im Kreis Spree-Neiße im vergangenen Jahr 533-mal in Keller oder Böden eingebrochen wurde", erklärt Groß. Da bei diesen Einbrüchen nicht erfasst wird, wann ein Fahrrad gestohlen wurde und wann andere Wertgegenstände, muss davon ausgegangen werden, dass die Anzahl der gestohlenen Fahrräder noch höher liegt als bei 1464. Vor allem Fahrräder im Wert von 400 bis 600 Euro seien dabei im Visier der Diebe.

Organisierte Strukturen

Die Polizeidirektorin geht davon aus, dass es sich bei den Tätern um größere Strukturen oder Organisationen handelt. "Es gibt Gruppen von fünf bis sechs Personen, die Fahrraddiebstähle planen und in großer Zahl durchführen", erklärt sie im Kreistag. Dabei würden die Täter geschickt vorgehen: Beispielsweise würden zwei von ihnen die Schlösser zerstören, durch eigene ersetzen und wieder verschwinden. Zu einem späteren Zeitpunkt kämen zwei neue Personen, die dann auf die Fahrräder aufsteigen und sich damit entfernen.

Als weitere Ursache nannte Bettina Groß die Beschaffungskriminalität. Besonders drogenabhängige Personen würden Diebstähle begehen, um ihre Sucht zu finanzieren. Dies bestätigt der Leiter der Kriminalpolizei Marco Mette: "Die Beschaffungskriminalität im Landkreis und der Stadt Cottbus ist mittlerweile ein gesamtgesellschaftliches Problem." Fahrrad- oder Buntmetalldiebstähle würden von dieser Tätergruppe als besonders effektiv angesehen und damit auch öfter begangen.

Genügend Polizisten im Einsatz?

Doris Dreßler (Linke) hakte im Kreistag nach Groß' Ausführungen nach: "Mich interessiert, wie viele Polizisten im Einsatz in den Revieren Spremberg, Forst und Guben sind. Ich will wissen, wie viele Streifenwagen sich im 24-Stunden-Dienst auf den Straßen unseres Kreises befinden." Bettina Groß bemühte sich, konkret zu antworten: "Wir haben in allen drei Revieren Streifenpolizisten im Einsatz und zu jeder Zeit mindestens einen Streifenwagen." Hinzu kämen drei Streifenwagen in Cottbus, die jederzeit zu Einsätzen hinzugezogen werden könnten. Insgesamt seien also mindestens sieben Streifenwagen zu jeder Tages- und Nachtzeit unterwegs. Zusätzlich, so führte Groß gegenüber der RUNDSCHAU aus, seien in den Revieren Forst und Guben jeweils acht Revierpolizisten, in Spremberg sieben, im Einsatz. "Damit erfüllen wir die Maßgaben der Landesregierung und des Innenministers", bekräftigte Groß.

Inwiefern der hohe Krankenstand der Brandenburgischen Polizei auf den Anstieg der Straftaten zurückzuführen ist, dazu wollte sich Groß nicht äußern. "Wenn Kollegen krank sind, sind sie krank", sagt sie im Kreistag. Innenminister Ralf Holzschuher (SPD) bestätigte im Landtag, dass 2013 im Schnitt jeder Polizist 34 Tage krank gewesen ist.