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| 01:31 Uhr

Drahtesel bestimmen Forster Stadtbild

Forst. Forst, so behaupten die Einheimischen selbst, ist eine reine Fahrradfahrerstadt. „Wir sind hier alle mit dem Fahrrad groß geworden. Jedes Kind sitzt in Forst sicher auf dem Sattel“, sagt Petra Neumann von der Touristinformation Forst. So sei es selbstverständlich, dass die Stadt sehr fahrradfreundlich ist. Hannelore Grogorick

Die „Fahrradverrücktheit“ selber wäre schon eine Erklärung dafür, dass die Neißestadt das jährliche Anradeln eine Woche vor dem offiziellen Start am 26. April in der Region stattfinden lässt. Der genaue Grund ist allerdings, dass am vierten Aprilwochenende das Reit- und Springturnier in Forst stattfindet, sodass schon am kommenden Wochenende die blankpolierten Räder auf die Strecke gehen.

Wie die Stadt zu ihrer Prägung kam, dazu sind Petra Neumann keine historisch belegten Fakten bekannt. Sie vermutet, dass das Fahrradfahren in „Mode“ kam, als die Textilindustrie das Stadtbild zunehmend prägte. „Die Arbeiter kamen mit dem Rad zügig und bequem zur Arbeit. Die Wege waren kurz und gut“, sagt sie.

Diese Vermutung kann Manfred Schau, Leiter Radsport-Org.-Büro beim Polizei Sportverein, bestätigen. „Aus dem Radfahren zu den Textilbetrieben ist eine wahre Leidenschaft geworden. Es gründeten sich eine Reihe Radsportvereine. Auch Rennen fanden zunehmend statt. Zu DDR-Zeiten wurden zum Beispiel alle deutschen Zeitfahrmeisterschaften zwischen Forst, Bademeusel, Jerischke und Eichwege ausgetragen.“ Dass hier eine Radrennbahn entstand, das war dann vor über 100 Jahren für die Forster eine Folgerichtigkeit.

„In den 60er und 70er-Jahren bestimmten die Fahrräder das Stadtbild“, sagt Petra Neumann. Erhebungen des ADFC hätten zutage gebracht, dass im Durchschnitt jeder Forster mindestens ein Fahrrad besitzt. Das hätten die Stadtväter berücksichtigt. Sowohl die touristischen als auch straßenbegleitenden Radwege seien topp. „Heute ist das Radeln vor allem die billigste Variante, sich fit zu halten“, sagt die Touristik-Fachfrau. Die Forster würden viele Ausflüge per Drahtesel unternehmen, so zum Muskauer oder Branitzer Park, zur Schokoladenfabrik nach Hornow, zu den Jocksdorfer Affen oder ins polnische Zelz. Döbern bietet vor seinen Toren den Muskauer Faltenbogen, eine Glas-, eine Altbergbau- und eine Geologietour.