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Drängeln und Umwerfen erlaubt

PS-starke Schrottkarren starten beim jüngsten Crash-Car-Weekend in Preschen.
PS-starke Schrottkarren starten beim jüngsten Crash-Car-Weekend in Preschen. FOTO: Anja Guhlan/ang1
Preschen. Das Crash-Car-Weekend in Preschen hinterlässt jede Menge verbogenes Blech, aber auch ebenso tiefe Eindrücke an eine einzigartige Motorsportveranstaltung in der Region. Anja Guhlan / ang1

Die schlechte Nachricht zuerst: Beim ersten Crash-Car-Weekend in diesem Jahr in Preschen gab es die wenigsten Starter seit Jahren. Nur 20 Piloten gingen mit ihren schrottigen und zerbeulten Autos an den Start. "Wir sind so gar nicht erfreut über die verhaltene Teilnehmerzahl", meint Veranstalter Frank Grechel. Dennoch will man sich den Spaß an der Veranstaltung nicht nehmen lassen. So wurden kurzerhand in einer Fahrerbesprechung einige Änderungen vorgenommen: So wurden unter anderem Fahr-Klassen zusammengelegt. Die drei teilnehmenden Frauen starten mit im Männerreigen statt in der Frauenklasse. Auch fahren die Rennpiloten statt der vorerst festgelegten zehn Runden nun 15 Runden pro Lauf.

Die Einsteigerklasse beginnt: Fünf Crash-Boliden fahren an den Start. Die Stockcars gleichen eher kreativen Schrotthaufen: zerbeulter Lack, angeschraubte Schutzgitter, ausgeschlachtete Innenräume und quergebaute Streben dafür ein unverwechselbares Design. Als die Crash-Boliden starten, heizen sie mit einigen Stundenkilometern über die 300 Meter lange Rennstrecke aus Beton. Fahrer wie der 40-jährige Sven Werchan aus Groß Schacksdorf lieben diese Beton-Strecke in Preschen: "Beton ist klasse. Alleine schon gripmäßig ist das besser als eine Sandstrecke." Der anfängliche Regen auf der Strecke machte das Rennen noch rutschiger und bereitete den Fahrern noch mehr Spaß, obwohl die Unfallgefahr da auch höher ist. Sven Werchan liegt mit seinen umgebauten Polo vom Team "Maximo" sowohl nach dem ersten Lauf als auch nach ein paar weiteren Läufen vorn. Wer als Erster nach 15 Runden pro Lauf über die Linie fährt, sammelt fünf Punkte. Der Zweit- und Drittplatzierte bekommt jeweils drei und einen Punkt. Wer nach dem Rennwochenende die meisten Punkte gesammelt hat, gewinnt das Rennen. Um das zu schaffen, ist alles erlaubt: Drängeln, Schubsen, sogar den Gegner umwerfen, damit er sich überschlägt.

Das "Sockerteam I-KEA" aus Wilmersdorf bei Berlin startet gleich mit vier Rennboliden in den verschiedensten Klassen. Bo Schneider geht mit seinem Crash-Car mit der Nummer 147 an den Start. Für einige Runden sieht es ganz gut aus. Plötzlich verliert sein Crash-Car das linke Vorderrad und ist für diesen Lauf erst einmal raus. Nun heißt es die vorher präparierten Autos so schnell wie möglich zu reparieren, damit sie in den nächsten Läufen wieder an den Start gehen können.

Auch drei Frauen sind mit am Start: So möchte auch Tina Ott (30) aus Klein Kölzig gewinnen. Doch gerade beim ersten Lauf versagt am Start ihre Batterie. "Die war einfach platt", meinte sie. Aber ihr Mechaniker und Schlosser konnte die platte Batterie schnell auswechseln. Im nächsten Lauf ist Tina Ott dann mit am Start: "Ich mag den Adrenalin-Kick beim Fahren, den Geruch von verbranntem Gummi und den Bremsen. Ich hab einfach Spaß beim Crash-Car-Rennen", erzählt sie. Infiziert wurde sie von ihrem Partner Daniel Jacob (35), der ebenfalls als Starter antritt. Gemeinsam verbringen sie viel Zeit mit ihrem doch recht kostenintensiven Hobby.

Nur eines fehlt augenscheinlich beim Crash-Car-Weekend: Der Nachwuchs. Einzig und allein der 16-jährige Leon Pöhsl aus Friedrichshain, der als jüngster Pilot an den Start geht, zeigt sich als Nachwuchstalent. "Noch geht es mir um keine Platzierung. Ich will erst einmal Erfahrung sammeln", meint der jüngste Fahrer, der über den Beton prescht. Seine Mutter Steffi Pöhsl (39) sitzt derweil etwas ängstlich bei den Zuschauern am Streckenrand. "Ich bin immer froh, wenn er heil ins Ziel kommt. Dann aber auch mächtig stolz auf ihn", sagt sie. Auch andere Zuschauer wie Jens Hoffmann (41) aus Forst verfolgen das Rennen: "Am liebsten würde ich selbst mitmachen, aber das ist mir dann doch zu teuer und zeitintensiv. Ich liebe dafür die Action, die einem hier geboten wird." Auch der Dresdener René Thieme (30) ist begeisterter Motorsportfan. "Das Crash-Car-Weekend war mal ein richtiges Highlight. In diesem Jahr bin ich etwas enttäuscht von der mageren Teilnehmerzahl, auch von den wenigen Besuchern. Ich wünsche den Veranstaltern wieder mehr Zulauf."

Frank Grechel als Veranstalter will sich künftig wieder um mehr Teilnehmer bemühen. "Dafür sind wahrscheinlich einige Änderungen von Nöten", meint er. Auf jeden Fall soll das Crash-Car-Weekend, an dem mehr als 20 Helfer mitwirken, aufrecht erhalten werden.

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