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| 18:33 Uhr

Wie Hebammen früher gearbeitet haben
Geburtshilfe, wie sie früher war im Dorfmuseum Sacro

 Besucher schauen sich die ausgestellten Geburtshilfe-Instrumente einer Hebamme an.
Besucher schauen sich die ausgestellten Geburtshilfe-Instrumente einer Hebamme an. FOTO: Anja Guhlan
Forst. Am kommenden Samstag wird im Rahmen der Museumsnacht noch mehr geboten.

Historische Spritzen, eine Geburtszange, eine Handmilchpumpe und ein Hörrohr liegen auf einem Tisch im Ausstellungsraum. Auch alte Patenbriefe und Taufscheine sind ausgestellt.  Eine neue Ausstellung blickt auf das Kinderkriegen in der Vergangenheit. Wie Reinhard Natusch erklärt, suche man immer wieder nach Themen, die noch nicht aufgegriffen wurden. Mit „Geboren auf dem Lande“ habe man wieder ein neues Thema gefunden, das auch nicht in Vergessenheit geraten soll. „Obwohl es dieses Mal schwer war, Materialien zu finden, sollte ein Anfang gemacht sein“, meint Reinhard Natusch. Er war es auch, der zur Ausstellungseröffnung  noch einige Aberglauben rund um die Geburt präsentierte. So war aus seinem Munde zu hören, dass neu geborene Jungen durch alle Ställe und Mädchen durch alle Stuben und Küchen getragen werden mussten, damit sie später tüchtig werden. Wenn ein Kind bei der Geburt viel schreit, hieß es, werde es später gut singen können.  Sollten bei der Geburtsstunde Vögel vorbeiziehen, so wird auch das Kind im späteren Alter schnell wegziehen. Viele solche Aberglauben wurden von Reinhard Natusch vorgetragen.

Und die rund 35 Besucher, die der Ausstellungseröffnung beigewohnt haben, können sich teilweise sogar noch an solche Aberglaubenpraktiken  erinnern. So erzählt Eckehard Bauer: „Ich musste damals direkt nach der Konfirmation auch direkt solch ein Neugeborenes durch alle Ställe tragen. Meine größte Angst war immer, das Neugeborene ja nicht fallen zu lassen“, erinnert er sich. Er habe auch sein altes Kinderbett der Ausstellung zur Verfügung gestellt.

Auch seine Frau Helga Bauer, die  über 40 Jahre lang als Hebamme tätig gewesen ist, hat ihr Geburtshilfe-Equipment der Ausstellung als Leihgabe zur Verfügung gestellt. „Die Ausstellung ist wirklich gut gelungen“, kommentiert sie und erklärt einigen anderen Besuchern, was man mit den Hebammen-Instrumenten gemacht hat.

Silina Paulke hört aufmerksam zu. Sie ist geschichtsinteressiert. „Ich mag es, wenn ältere Leute noch von früher erzählen. So etwas sollte unbedingt erhalten bleiben“, meint sie. Die Ausstellung findet die 19-Jährige  gelungen. Auch Sieglinde Krüger  staunt, wie viele solcher alten Patenbriefe noch erhalten sind. Der älteste ausgestellte Patenbrief stammt aus dem Jahr 1805.

Auch eine junge Besucherin, die selbst den Hebammenberuf nach dem Abitur erlernen und ergreifen möchte, schaut sich die Ausstellung an: „Ich interessiere mich schon sehr lange für Hebammen und die Geburtshilfe und habe mich schon intensiv mit dem Thema beschäftigt. Allzu viel Neues war da heute leider nicht dabei.“

Für Reinhard Natusch und Kathleen Hergesell, der neuen Vorsitzenden  des Vereins, ist die Ausstellung dennoch wichtig, weil sie Historisches erlebbar macht und in Erinnerung ruft.

(ang)