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| 13:19 Uhr

UPDATE Was wir wissen, was nicht
Doppelmord in Forst: Polizei fahndet nach Fluchtauto

 Die Ermittlungen in Forst dauern an.
Die Ermittlungen in Forst dauern an. FOTO: Sven Hering
Forst. Nach dem Fund von zwei Toten in Forst sind offizielle Informationen weiter kaum zu erhalten. Am Freitag hat die Polizei nun eine Fahndung herausgegeben. Von Bodo Baumert und Sven Hering

In Forst sind zwei Menschen Opfer eines Gewaltverbrechens geworden. Der Fund der Leichen hat am Montag einen Großeinsatz in der Stadt ausgelöst. Polizei und Staatsanwaltschaft halten sich mit Informationen bedeckt. Erst in der kommenden Woche will sich die Staatsanwaltschaft zu den Umständen der tat äußern.

Am Freitagmittag gab es dann aber überraschend doch noch eine Wortmeldung der Behörden. Sie fahnden nach dem möglichen Fluchtauto der Täter oder anderer Beteiligter und bitten die Bevölkerung um Hilfe.

Rätsel um Forster Gewaltverbrechen FOTO: dpa / Patrick Pleul

„Wer hat am Montag im Zeitraum von 3 bis 6 Uhr einen mit mehreren Personen besetzten hellen Pkw neueren Typs im Stadtgebiet von Forst, auf der L 49 in Fahrtrichtung Cottbus oder auf der A15 in Richtung Berlin gesehen“, fragt Polizeisprecher Torsten Wendt. Sachdienliche Hinweise erhofft sich die Polizei unter Telefon 0355 789 2777 oder via Internet.

Was ist bisher zum Fall wirklich klar? Die RUNDSCHAU hat den Überblick.

Was wir wissen:

- Nach Polizeiangaben sind am Montagmorgen gegen 5 Uhr in einem Haus in der Amtstraße in Forst zwei Männerleichen gefunden worden.

- Nach bisherigem Erkenntnisstand der Ermittler wurden die beiden Männer Opfer eines Gewaltverbrechens.

- Nach RUNDSCHAU-Informationen hat es auch noch einen Schwerverletzten gegeben. Dieser wurde am Montagmorgen mit einem Rettungshubschrauber, der auf einem benachbarten Supermarkt-Parkplatz gelandet war, in eine Klinik geflogen. Polizei und Staatsanwaltschaft wollen das bisher nicht kommentieren.

- Am Montagnachmittag untersuchten Sprengstoffexperten zwei verdächtige Pkw, die in der Nähe des Tatorts abgestellt waren. Zu diesem Zweck mussten vorübergehend 116 Personen ihre Häuser verlassen. Gegen 16 Uhr wurde die Evakuierung beendet. Gefunden wurde in den Autos offenbar nicht Gefährliches.

- Gefahr für andere Einwohner in Forst bestand laut Polizeiangaben nicht. Gerüchte, dass Schulen am Montag ihre Eingänge sichern sollten, weist Polizeisprecherin Ines Filohn zurück. Gründe für eine erhöhte Polizeibereitschaft in der Stadt gebe es nicht. Auch Bürgermeisterin Simone Taubenek erklärte: „ Für die Bewohnerinnen und Bewohner in unserer Stadt besteht keinerlei Gefahr.“

- Die Stadtverwaltung hat bei der Sicherung des Tatortes am Montag geholfen, gibt darüber hinaus aber keine Auskunft. Bürgermeisterin Simone Taubenek: „Die Aufgaben, die die Stadtverwaltung im Rahmen der Evakuierung hatte, wurden vollumfänglich erfüllt. Jetzt ist es ausschließlich Sache der Staatsanwaltschaft und der Polizei, alle erforderlichen Maßnahmen zu treffen, um das Verbrechen aufzuklären. An Spekulationen werde ich mich nicht beteiligen.“

Was wir nicht wissen:

- Inzwischen sind Medienmeldungen aufgetaucht, wonach es sich um einen „Mafia“-Auftragsmord gehandelt haben soll.

- Angeblich soll sich ein drittes Opfer, das in Forst verletzt worden war, bei den Ermittlern gemeldet haben und sich jetzt in ärztlicher Obhut befinden.

- Ob es einen oder mehrere Täter gibt, nach denen die Polizei sucht, wie die Männer zu Tode kamen, was die Hintergründe der Tat sind – dazu schweigen Polizei und Staatsanwaltschaft.

- Die Nationalität der Toten ist auch noch unklar. Anwohner berichten von Autos mit Berliner Kennzeichen, die in jüngster Zeit immer in der Nacht in der Straße gesichtet wurden. „Sie haben sich auf verschiedene Parkplätze gestellt, manchmal auch auf die, die für die Anwohner reserviert sind“, erzählt eine ältere Frau. Junge Männer mit Kapuzenjacken seien ausgestiegen. Das Haus, in dem die Toten gefunden wurden, soll unbewohnt gewesen sein. Österreicher und Montenegriner Medien berichten von einer Spur zur Balkanmafia. Offizielle Angaben dazu gibt es bisher nicht.

- Ob es einen Obduktionstermin für die Leichen, gibt, will die Staatsanwaltschaft an Nachfrage auch nicht bestätigen. Darüber müsse ein Richter entscheiden, so Oberstaatsanwalt Gernot Bantleon auf RUNDSCHAU-Nachfrage.

-Das Bundeskriminalamt (BKA) hat am späten Dienstagnachmittag eine Beteiligung an den Ermittlungen dementiert. „Wir sind nicht involviert“, sagte eine Sprecherin auf RUNDSCHAU-Nachfrage.

Die Staatsanwaltschaft Cottbus hat nun erklärt sich „frühestens nächste Woche“ äußern zu wollen.

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 Nach dem Gewaltverbrechen mit zwei Toten am Montag in Forst haben Spezialisten der Kriminalpolizei am Dienstag am Tatort nach Spuren gesucht. Die Spurensuche könne noch einige Tage dauern, so Polizeisprecherin Ines Filohn.
Nach dem Gewaltverbrechen mit zwei Toten am Montag in Forst haben Spezialisten der Kriminalpolizei am Dienstag am Tatort nach Spuren gesucht. Die Spurensuche könne noch einige Tage dauern, so Polizeisprecherin Ines Filohn. FOTO: Sven Hering
 Ermittler sicherten am Montag Spuren am Tatort in der Amtstraße.
Ermittler sicherten am Montag Spuren am Tatort in der Amtstraße. FOTO: dpa / Patrick Pleul