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| 20:55 Uhr

UPDATE Was wir wissen, was nicht
Doppelmord in Forst: Ermittler werten zahlreiche Spuren aus

 In diesem Haus geschah das brutale Verbrechen.
In diesem Haus geschah das brutale Verbrechen. FOTO: LR / Bodo Baumert
Forst. Einen Monat ist es her, dass in Forst zwei Tote gefunden wurden. Steckt die Mafia dahinter? War ein Auftragskiller in der Stadt? Gerüchte gibt es viele, Fakten wenige. Wir verraten, wie der aktuelle Stand der Ermittlungen ist. Von Bodo Baumert und Sven Hering

In Forst sind zwei Menschen Opfer eines Gewaltverbrechens geworden. Der Fund der Leichen hat am 13. Mai einen Großeinsatz in der Stadt ausgelöst. Polizei und Staatsanwaltschaft hielten sich danach mit Informationen sehr bedeckt. Erst nach einer Woche gab es erstmals offizielle Informationen. Seitdem herrscht weiter Schweigen von Seiten der Ermittler.

Rätsel um Forster Gewaltverbrechen FOTO: dpa / Patrick Pleul

Dafür gibt es Informationen aus anderen Ländern. Bei den beiden Toten soll es sich um Mitglieder der Balkan-Mafia handeln, der Doppelmord von Forst Teil eines europaweiten Bandeskriegs sein. Was ist an den Gerüchten dran? Und sas ist bisher zum Fall wirklich klar? Die RUNDSCHAU hat den Überblick.

Was wir wissen:

- Nach Polizeiangaben sind am 13. Mai gegen 5 Uhr in einem Haus in der Amtstraße in Forst zwei Männerleichen gefunden worden.

 Seit dem Mord ist der Tatort in Forst fest verschlossen.
Seit dem Mord ist der Tatort in Forst fest verschlossen. FOTO: LR / Bodo Baumert

- Nach bisherigem Erkenntnisstand der Ermittler wurden die beiden Männer Opfer eines Gewaltverbrechens. Die beiden Männer wurden laut Staatsanwaltschaft erschossen.

- Die Identität der Toten steht fest, wird aber noch geheim gehalten.

- In einiger Entfernung vom Tatort wurden in einem Feuer in einem Waldstück Schusswaffen gefunden. „Ob es sich dabei um die Tatwaffen handelt, wovon die Strafverfolgungsbehörden zurzeit ausgehen, wird erst die waffentechnische Untersuchung beim Landeskriminalamt mit der notwendigen Sicherheit ergeben“, heißt es von Seiten der Staatsanwaltschaft.

Nach RUNDSCHAU-Informationen hat es auch noch einen Schwerverletzten gegeben. Dieser wurde mit einem Rettungshubschrauber, der auf einem benachbarten Supermarkt-Parkplatz gelandet war, in die Klinik nach Cottbus geflogen und dort unter Polizeischutz operiert. Dass es diesen Mann tatsächlich gibt und dass er verletzt wurde, das will die Staatsanwaltschaft bisher nicht kommentieren. „Dazu sage ich nichts“, stellte Oberstaatsanwalt Gernot Bantleon am Dienstag noch einmal gegenüber der RUNDSCHAU klar. Weitere Angaben würden zurzeit „aus ermittlungstaktischen Gründen und zum Schutz der Angegriffenen“ nicht gemacht, hieß es allerdings in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft vom 20. Mai.

 13. Main in Forst: Ein Sprengstoffexperte geht in Schutzausrüstung über die gesperrte Amtstraße. zwei verdächtige Pkw hatten die Polizei zur Vorsicht gemahnt.
13. Main in Forst: Ein Sprengstoffexperte geht in Schutzausrüstung über die gesperrte Amtstraße. zwei verdächtige Pkw hatten die Polizei zur Vorsicht gemahnt. FOTO: dpa / Patrick Pleul

- Am 13. Mai untersuchten Sprengstoffexperten zwei verdächtige Pkw, die in der Nähe des Tatorts abgestellt waren. Zu diesem Zweck mussten vorübergehend 116 Personen ihre Häuser verlassen. Gegen 16 Uhr wurde die Evakuierung beendet. Gefunden wurde in den Autos offenbar nicht Gefährliches.

- Am Tatort wurde eine Cannabisplantage entdeckt. „Eine Ernte mit mehr als 20 Kilogramm Marihuana war in der Bearbeitung“, informierte die Staatsanwaltschaft. Die Plantage wurde in der Woche nach dem Mord mit einem Großaufgebot der Bereitschaftspolizei abgebaut.

 20. Mai in Forst. Die Bereitschaftspolizei räumt die Cannabisplantage.
20. Mai in Forst. Die Bereitschaftspolizei räumt die Cannabisplantage. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau / Bodo Baumert

- Im Zusammenhang mit dem Mord sucht die Polizei seit der Mordnacht nach einem hellen Pkw. Wenige tage nach der Tat wurde die Fahndung öffentlich gemacht. Zeugen, die das Fahrzeug zwischen 3 und 6 Uhr im Stadtgebiet von Forst oder auf der Fahrt in Richtung Cottbus und Berlin gesehen haben, sollen sich bei der Polizeidirektion in Cottbus melden.

- Eine Mordkommission wurde bei der Kriminalpolizei gebildet und inzwischen mithilfe des Landeskriminalamtes verstärkt. Die Zahl der Tatortspuren, die es zu untersuchen gelte, sei sehr groß, sagt Oberstaatsanwalt Gernot Bantleon gegenüber der RUNDSCHAU. Die Ermittlungen zur Cannabisplantage wurden in eine separate Ermittlungsgruppe gegeben.

 Kriminaltechniker haben in der Forster Amtstraße einen Haufen Spuren gesichert. Die Ermittlungen dauern an.
Kriminaltechniker haben in der Forster Amtstraße einen Haufen Spuren gesichert. Die Ermittlungen dauern an. FOTO: dpa / Patrick Pleul

- Gefahr für andere Einwohner in Forst bestand laut Polizeiangaben nicht. Gerüchte, dass Schulen ihre Eingänge sichern sollten, wies Polizeisprecherin Ines Filohn zurück. Gründe für eine erhöhte Polizeibereitschaft in der Stadt habe es nicht gegeben. Auch Bürgermeisterin Simone Taubenek erklärte: „ Für die Bewohnerinnen und Bewohner in unserer Stadt besteht keinerlei Gefahr.“

- Die Stadtverwaltung hat bei der Sicherung des Tatortes am Montag geholfen, gibt darüber hinaus aber keine Auskunft. Bürgermeisterin Simone Taubenek: „Die Aufgaben, die die Stadtverwaltung im Rahmen der Evakuierung hatte, wurden vollumfänglich erfüllt. Jetzt ist es ausschließlich Sache der Staatsanwaltschaft und der Polizei, alle erforderlichen Maßnahmen zu treffen, um das Verbrechen aufzuklären. An Spekulationen werde ich mich nicht beteiligen.“

Was wir nicht wissen:

- Medien aus Montenegro und Österreich berichten, dass es sich bei der Tat um einen „Mafia“-Auftragsmord gehandelt haben soll.Bei den Opfern soll sich um Darko M. und Baranin Nikola J. handeln, beide aus Montenegro. Dazu heißt es von der Staatsanwaltschaft in Cottbus: Kein Kommentar.“

 Die Bucht von Kotor in Montenegro, heimat einer besonders gefährlichen Mafiagruppe.
Die Bucht von Kotor in Montenegro, heimat einer besonders gefährlichen Mafiagruppe. FOTO: Sabine Mattern

- Zwei weitere Personen sollen am Tatort gewesen und geflohen sein. Eine Bestätigung gibt es dafür ebenfalls nicht.

- Den montenegrinischen Medienberichten zufolge soll es sich bei den Toten um Mitglieder der Kotor-Mafia gehandelt haben. Dusan Desnica, Balkan-Experte der Organisation „Mafia-Nein-Danke“ erklärt im RUNDSCHAU-Interview die Hintergründe: „Die kriminelle Bande aus Kotor war einst eine einzige Gruppe, die dann in zwei Fraktionen zerfallen ist, die sich gegenseitig bekriegen. Diese Auseinandersetzung hält seit 2014 an.“ 40 Tote hat die Auseinandersetzung europaweit bereits gefordert. Ein Ende der Fehde sei nicht in Sicht, so Desnica. Von der Staatsanwaltschaft in Cottbus heißt es dazu: kein Kommentar.- Ob es einen oder mehrere Täter gibt, nach denen die Polizei sucht, wie die Männer zu Tode kamen, was die Hintergründe der Tat sind – dazu schweigen Polizei und Staatsanwaltschaft.

 Dusan Desnica, Balkanexperte des Vereins Mafia-nein-Danke.
Dusan Desnica, Balkanexperte des Vereins Mafia-nein-Danke. FOTO: Dusan Desnica

- Die Nationalität der Toten ist auch noch unklar. Anwohner berichten von Autos mit Berliner Kennzeichen, die in jüngster Zeit immer in der Nacht in der Straße gesichtet wurden. „Sie haben sich auf verschiedene Parkplätze gestellt, manchmal auch auf die, die für die Anwohner reserviert sind“, erzählt eine ältere Frau. Junge Männer mit Kapuzenjacken seien ausgestiegen. Offizielle Angaben dazu gibt es bisher nicht.

- Das Bundeskriminalamt (BKA) hat am eine Beteiligung an den Ermittlungen dementiert. „Wir sind nicht involviert“, sagte eine Sprecherin auf RUNDSCHAU-Nachfrage.Zuvor hatte es Medienberichte aus Deutschland gegeben, dass einer der Toten ein BKA-Spitzel gewesen sein sollte.

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