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Döberner Glas gegen Kostüme: Im Affenkostüm auf der Autobahn

Hinter der Bar fühlt sich Ursula Grote wohl. Gemeinsam mit Ronny Sabo kümmert sie sich um die Getränkewünsche der Karnevalisten.
Hinter der Bar fühlt sich Ursula Grote wohl. Gemeinsam mit Ronny Sabo kümmert sie sich um die Getränkewünsche der Karnevalisten. FOTO: zvg
Döbern. Seit über 40 Jahren feiern die Döberner Karneval. Genauso lange ist Ursula Grote dabei. Die 75-Jährige bleibt betreut Funken und Männerballett und kann viele Geschichten erzählen. Katrin Kunipatz

Ursula Grote ist mittendrin, wenn der Döberner Karnevalsclub (DKC) Fasching feiert. Ursel - wie sie von allen gerufen wird - gehöre zu den Erfahrensten beim 1974 als Betriebssportgemeinschaft gegründeten Verein, versichert Karnevalspräsident Wieland Wagner. Wie in den Jahren zuvor wird sie bei den Veranstaltungen im Deutschen Haus an der Bar neben der Bühne die Durstigen mit Bier, Mixgetränken oder Kaffee versorgen. "Früher haben wir die Liköre vorher noch selbst gemacht", sagt Ursula Grote. Heute hilft ihr Ronny Sabo beim Mixen. "Während ich noch die richtigen Zutaten suche, hat er die Mischung schon fertig", sagt sie und schmunzelt.

Der Karneval begleitet Ursel seit ihrem 33. Lebensjahr. Dabei sind Fasching und Verkleiden gar nicht ihr Ding. In all dieser Zeit stand sie deshalb auch nur in einer Saison als Hofdame neben dem Prinzenpaar auf der Bühne. Ursula Grote bleibt lieber hinter den Kulissen. Begonnen hat sie als Betreuerin der Tanzmädchen. "Die Ausbildung der Funken übernahm damals der Ballettmeister des Staatstheaters Cottbus und wir haben uns um die Kostüme gekümmert", so die Seniorin. Bis nach Adlershof und Babelsberg sind die Döberner gefahren und haben im dortigen Fundus nach Kostümen gesucht. "Mit einem Auto voll Glas sind wir hin und konnten auswählen, was uns gefällt", berichtet sie. "Riesige Säcke brachten wir manchmal mit." Zwischen normalen Kostümen seien sogar Kleider bekannter Künstler gewesen. Die Döbernerin erinnert sich an Susan Baker und Emöke Pöstenyi - zwei Stars des Fernsehballetts - in deren Kostümen die Tänzerinnen des DKC auf der Bühne standen. Oder die Karnevalsprinzessin im Kleid aus einer Froschkönig-Verfilmung. Für viel Spaß sorgte eine Heimfahrt, als ein Karnevalist das geborgte Affenkostüm noch auf der Autobahn anprobierte. "Er hat den Kopf aus dem Fenster gesteckt und andere Fahrer erschreckt", sagt Ursel.

Sieben ausverkaufte Veranstaltungen gab es zu DDR-Zeiten im Deutschen Haus Döbern, zu denen die Besucher in Bussen gefahren kamen. Noch heute feiern die Döberner jedes Jahr einen Mottofasching. Passend dazu wird ein Programm mit Sketchen und Tänze geboten. "Büttenreden gibt es bei uns eigentlich nicht", so Wieland Wagner. Und bei den politischen Seitenhieben beschränke man sich auf die Kommunalpolitik. 80 Mitglieder hat der Verein. Jeder unterstützt nach seinen Möglichkeiten die Vorbereitung für Karneval und Kindersommerfest. Hinzu kommen die kleinen und großen Tänzerinnen, die beim Tanz- und Fitnessclub in Döbern trainieren und ihre Show- und Funkentänze auch bei den Karnevalsveranstaltungen des DKC präsentieren.

Nach den Funken übernahm Ursula Grote die Betreuung des Männerballetts. Auch hier galt es, Kostüme zu besorgen oder nähen zu lassen. Mit der Zeit sammelte der DKC einen eigenen Kostümfundus, der gepflegt werden will. Bis heute ist sie regelmäßig bei den Treffen im Vereinsraum in Eichwege dabei.

Privat hat Ursula Grote nie eine andere Faschingsfeier besucht. Immer ist sie in dieser Zeit beim Döberner Karnevalsclub. Schließlich gelingt ein Programm nur, wenn Helfer hinter der Bühne beim Umkleiden und Schminken mittun. Kostümieren brauchte sie sich dafür nicht. Und so erscheint sie auch als Bardame nicht in Verkleidung. "Aber natürlich auch nicht im Rollkragen", sagt sie augenzwinkernd. Die eigene Familie hat die Döbernerin mit ihrer Begeisterung für den Karneval angesteckt. Der große Sohn und die jetzt Ex-Schwiegertochter sind beim DKC und seit einigen Jahren tanzt und singt die Enkeltochter auf der Bühne im Deutschen Haus.

www.karneval-doebern.de

Zum Thema:
Die Saison steht beim DKC in diesem Jahr unter dem Motto "Der DKC lädt herzlich ein, im Zirkus wieder Kind zu sein". Zweimal wird im Deutschen Haus in Döbern gefeiert. Am 18. und 25. Februar, jeweils 19.11 Uhr, geht es los. Karten gibt es bei Irene Wieland (Telefon 0174 6692240).DKC-Präsident Wieland Wagner empfiehlt denen, die Platz zum Tanzen haben wollen, den ersten Termin. Das Karnevalsprogramm aus Sketchen und Tänzen der Funken und des Männerballetts ist bei beiden Veranstaltungen identisch.