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| 17:15 Uhr

Kein neuer Amtsdirektor
Amtsverwaltung weiter ohne Chef

Der Mannheimer Detlev Kehl stellt sich am Montagabend im Amtsausschuss Döbern-Land vor. Er war der einzige Kandidat für die Wahl zum Amtsdirektor.
Der Mannheimer Detlev Kehl stellt sich am Montagabend im Amtsausschuss Döbern-Land vor. Er war der einzige Kandidat für die Wahl zum Amtsdirektor. FOTO: LR / Katrin Kunipatz
Döbern-Land. Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres scheitert Wahl eines Amtsdirektors für Döbern-Land. Von Katrin Kunipatz

Ein enttäuschtes Stöhnen entglitt den anwesenden Mitarbeitern der Amtsverwaltung Döbern-Land am Montagabend. Gerade hatte Egbert Piosik, Vorsitzender des Amtsausschusses das Ergebnis der Wahl des Amtsdirektors verkündet: „Mit sieben Ja- und zehn Nein-Stimmen ist der Kandidat nicht gewählt.“

Detlev Kehl, der einzige Kandidat an diesem Abend, trug es mit Fassung. „Ich habe mein möglichstes gegeben und gehe erhobenen Hauptes“, sagt er nach der Ausschusssitzung. Für die Verwaltung bedaure er die Entscheidung, für ihn selbst gehe die Welt nicht unter. Dieses Selbstbewusstsein strahlte Kehl auch in der Vorstellungsrunde vor dem Amtsausschuss aus, selbst wenn seine Anspannung spürbar war. Zuvor hatte er jeden Hereinkommenden persönlich begrüßt.

Genutzt hat es dem 58-jährigen Mannheimer nicht. Wobei mancher hinter vorgehaltener Hand äußert, dass es Ambitionen einzelner Ausschussmitglieder auf den Bürgermeisterposten seien, die einen neuen Amtsdirektor verhindern wollen. Gerüchte, die Detlev Kehl nicht bekannt waren. Er habe sich über das Internet, vor allem aus den RUNDSCHAU-Berichten über das Amt Döbern-Land informiert und am Freitag mit dem stellvertretenden Amtsdirektor Sören Reichelt und dem Amtsausschussvorsitzenden Egbert Piosik gesprochen. Am Montagabend versuchte er, die 17 Mitglieder des Amtsausschusses mit seinen Qualitäten zu überzeugen. Seit 26 Jahren ist der Diplom-Verwaltungswirt in verschiedenen Positionen der Stadtverwaltung Ludwigshafen am Rhein tätig. Wie Detlev Kehl darstellt, sei es ihm in den verschiedenen Bereichen der Stadtverwaltung gelungen Abteilungen neu zu strukturieren, sodass mehr Anträge oder Widersprüche in kürzerer Zeit bearbeitet werden konnten. Ob er auch vorhabe, die Amtsverwaltung umzukrempeln, will Ausschussmitglied Yvonne Fischer wissen. Dies sei aus der Ferne schwer zu beurteilen, so Kehl. Statt an der Ausgabenschraube zu drehen, müsse man mehr Einnahmen generieren und dies gehe nur mit ausreichend und qualifiziertem Personal. Auch für zusätzliche Aufgaben, wie die Entwicklung der drei Gewerbegebiete und des Tourismus sei Personal nötig, so der Kandidat.

Schriftlich niedergelegt hat er seine Ideen für den neuen Job unter der Überschrift „Vom letzten Amtsdirektor des Amts Döbern-Land zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister der amtsfreien Stadt Döbern“. Auf die Nachfrage von Ausschussmitglied Bernd Peter bestätigte Kehl, dass er sich durchaus der Wahl zum Bürgermeister stellen wolle.

Daraus wird nun nichts. Noch am Dienstag trat Detlev Kehl die Heimreise nach Mannheim an. Aus Sicht der Amtsverwaltung äußert der stellvertretende Amtsdirektor Sören Reichelt: „Wir sind schon enttäuscht, dass der Kandidat nicht gewählt wurde. Nach unserer Einschätzung wäre er geeignet gewesen.“ Deutlich drastischer formuliert Eberhard Müller, Ausschussmitglied und Bürgermeister von Neiße-Malxetal, seine Kritik am Montagabend. Es könne so nicht weitergehen, „wenn politische Egoismen größere Bedeutung haben, als die Stabilität der Verwaltung“. Unter dem Beifall einiger Anwesender wenden sich die drei Ausschussmitglieder von Neiße-Malxetal zum Gehen, bevor die Sitzung offiziell beendet ist.

Damit ist Döbern-Land seit fast zwei Jahren ohne Amtsdirektor. Bereits im Februar war der einzige nicht persönlich anwesende Kandidat komplett durchgefallen. Zuvor gab es Streit, ob überhaupt vor dem Zusammenschluss neu gewählt werden müsse. Wie es nun weitergeht, dazu will sich die Kreisverwaltung im Verlauf des Mittwochs äußern.