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Landwirtschaft
Direktverkauf als Erfolgsrezept

Zwei von zwölf Kartoffelsorten – Vineta (l.) und Laura – halten Reik Kasper und Bianka Lerke in den Händen.
Zwei von zwölf Kartoffelsorten – Vineta (l.) und Laura – halten Reik Kasper und Bianka Lerke in den Händen. FOTO: K. Kunipatz
Forst. Alle Kartoffeln sind aus dem Boden. Darüber ist Reik Kasper, Leiter der Kartoffelproduktion bei der Forster Agrargenossenschaft erleichtert. Katrin Kunipatz / kkz

"Denn im vergangenen Jahr war es irgendwann so nass, dass wir mit der Erntemaschine nicht mehr auf die Kartoffeläcker kamen und etliche Knollen im Boden blieben", so Kasper.

Der Ertrag ist in diesem Jahr nicht überragend. Rund 30 Tonnen pro Hektar haben die Mitarbeiter geerntet. Im vergangenen Jahr gab es dagegen eine Rekordernte mit rund 45 Tonnen pro Hektar. "Aber im Frühjahr 2017 war es zu trocken und die Pflanzen setzten nur wenige Stolonen an, aus denen sich später die Kartoffeln entwickeln", erklärt er.

Je nach Sorte sind die geernteten Knollen mal größer oder kleiner. Alle Speisekartoffeln werden in den Hallen am Kölziger Weg sortiert und eingelagert. "Kartoffeln brauchen es kalt, dunkel und müssen gut belüftet sein", erklärt Reik Kasper. Unter optimalen Bedingungen halten sie sich, bis im nächsten Sommer die ersten Frühkartoffeln aus dem Boden kommen. Dies ist wichtig, denn die Agrargenossenschaft vermarktet ihre Kartoffeln ausschließlich selbst. Gaststätten in Forst und Umgebung, Kindergartenküchen, Caterer und natürlich vielen Einzelkunden kaufen in der Kartoffelhalle ein. Selbst von Weißwasser und Bad Muskau kommen die Kartoffelkäufer gefahren. Darunter sind treue Kunden, die schon seit vielen Jahren das nahrhafte Gemüse in Forst erwerben.

Den Grundstein für die Direktvermarktung legte Martin Pohl, der Anfang der 90er-Jahre die Kartoffelproduktion leitete. Unterstützung hatte er von Egon Rattei, dem damaligen Vorsitzenden der Agrargenossenschaft. "Bis 1989 haben wir auf 450 Hektar Kartoffeln angebaut", sagt er. "Aber nach der Wende wollte keiner mehr unsere Speisekartoffeln haben." Doch für die Fruchtfolge sei die Kartoffel wichtig und deshalb habe man auf rund fünf Hektar wieder damit angefangen und von Anfang den Verkauf selbst organisiert.

Schrittweise wurde in den folgenden Jahren die Anbaufläche gesteigert und am Kölziger Weg investiert. Es entstand ein Sortierplatz mit moderner Technik. Besonders wichtig waren die Lagerhallen. Sie müssen frostsicher sein. Für das ideale Lagerklima sorgt eine computergesteuerte Be- und Entlüftungsanlage. Temperatur und Luftfeuchtigkeit können so optimal an die Bedürfnisse der Kartoffel angepasst werden. Ein anderes wichtiges Standbein sind die Stärkekartoffeln. Das Emsland-Stärke-Werk in Golßen ist seit Jahren ein fester Partner der Forster Agrargenossenschaft. Heute sind zehn Frauen und Männer in der Kartoffelproduktion beschäftigt. Insgesamt 60 Mitarbeiter hat die Agrargenossenschaft in der Tier- und Pflanzenproduktion.

Bei der Auswahl der Sorten orientiert sich Reik Kasper wie schon Martin Pohl vor ihm am Geschmack der Kunden. Beliebt sind seit vielen Jahren die Sorten Solara, Afra oder die rotschalige Laura. "Wir probieren immer auch neue Sorten aus", sagt Reik Kasper. Seit 2016 sei beispielsweise die Goldmarie im Programm.

Gespannt ist der Chef der Kartoffelproduktion, wie sich die Situation entwickelt. Neue Kunden kommen nach Forst, seit die Bauern AG Neißetal Anfang Oktober den Verkauf im Kartoffellagerhaus Groß Gastrose eingestellt hat. Ob daraus Vorteile für die Forster erwachsen, muss sich zeigen. 60 Hektar Kartoffeln seien im Moment eine gute Größe, so Reik Kasper. Für eine größere Fläche bräuchte er mehr Lagerfläche und eine zweite Erntemaschine.

Zum Thema:
Die Agrargenossenschaft Forst verfügt über rund 2500 Hektar Ackerland. Darauf werden Weizen, Gerste, Roggen, Hafer, Mais, Raps und Zuckerrüben angebaut. Für die Kartoffel verbleiben 60 Hektar. 30 Hektar davon sind den Speisekartoffeln vorbehalten. Zwölf verschieden Sorten werden angebaut. Auf weiteren 30 Hektar wachsen sechs Sorten Stärkekartoffeln.Kartoffelverkostungen finden seit fünf Jahren im Herbst statt. Diesen Samstag und Sonntag können Interessierte bei den Obsttagen der Bauschule Dubrau Forster Kartoffeln probieren. Am Sonntag, 22. Oktober, ab 11 Uhr findet die Verkostung im Restaurant "Zum blauen Dach" in Bohrau statt. (kkz)