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| 18:12 Uhr

Wie viele Toiletten braucht Forst
Die Suche nach dem Örtchen

Die öffentlichen Toiletten am Friedrichplatz und – wie hier im Bild – am Bahnhof sind täglich geöffnet. Klar und deutlich sind Zeiten angeschrieben. Aber in der Stadt fehlen die Wegweiser zu den stillen Örtchen.
Die öffentlichen Toiletten am Friedrichplatz und – wie hier im Bild – am Bahnhof sind täglich geöffnet. Klar und deutlich sind Zeiten angeschrieben. Aber in der Stadt fehlen die Wegweiser zu den stillen Örtchen. FOTO: LR / Kunipatz
Forst. Es gibt keine öffentlichen Toiletten in Forst, behauptet ein Leser. Er liegt falsch. Es fehlen Schilder. Von Katrin Kunipatz

Eine Bedürfnisanstalt fehle in der Innenstadt, moniert ein Leser am RUNDSCHAU-Telefon. In der Nähe des Marktes gebe es keine öffentliche Toilette, denn die am Friedrichplatz sei nur für die Marktleute, meint er. „Sollen denn die Leute in die Sträucher gehen?“, fragt der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Die polnischen Nachbarn würden vormachen, wie es geht. Überall gebe es dort in den Städten öffentliche Toiletten, die ausgeschildert seien.

Roland Obst, Leiter des städtischen Betriebsamtes, widerspricht. „In Forst gibt es an zwei Standorten öffentliche Toiletten: am Friedrichplatz und am Bahnhof.“ Weitere Toiletten sind im Rosengarten vorhanden. Sie sind auch im Plan des Parks verzeichnet. Ganzjährig nutzbar ist aber nur die von außen zugängliche Toilette am Restaurant Rosenflair auf der Wehrinsel. Die anderen Toiletten im Rosenpark schließen außerhalb der Saison, weil sie nicht ausreichend vor Frost geschützt werden können.

Bei der Toilettenanlage am Friedrichplatz gab es tatsächlich Einschränkungen, bestätigt Roland Obst: „Dies ist aber schon über zwei Jahre her.“ Technische Probleme seien damals der Grund gewesen. Sie resultierten aus Vandalismus. Ein Problem, das die Stadt seit der Errichtung der Toilette in den 90er-Jahren begleitet. „Von schlimmen Verunreinigungen einmal abgesehen, ging es zum Teil soweit, dass Türen ausgewechselt werden mussten“, sagt Obst.

Kosten, die die Stadt als Eigentümerin der Toiletten tragen muss. Die tägliche Betreuung übernehmen andere. Roland Obst erläutert, dass verschiedene Forster Reinigungsfirmen für die regelmäßige Säuberung verantwortlich sind. Ein Schließdienst stellt täglich sicher, dass sich die Türen während der Öffnungszeiten öffnen. Dies geschieht aber erst, wenn der Nutzer 50 Cent einwirft. Etwa 800 Euro kommen auf diese Weise pro Jahr zusammen. „Einnahmen, die nicht einmal die Fixkosten für Strom und Wasser decken“, sagt Roland Obst. Eine Miettoilette, wie es sie teilweise in Cottbus gibt, sei in Forst nicht denkbar.

Wirklich wünschenswert wären Hinweisschilder. Denn Ortsunkundige haben kaum eine Chance, die Toiletten zu finden. Auf den Stadtplänen gibt es keine Hinweise auf die WC. Die verschiedenen Wegweiser lenken die Schritte der Suchenden nur zum Rathaus, der Schwimmhalle oder touristischen Anziehungspunkten. Einzig am Bahnhof läuft man beim Verlassen des Geländes an drei auffällig silbern glänzenden Türen mit klaren Zuordnungen für Männer, Frauen und Rollstuhlfahrer vorbei. Das Toilettenhäuschen am Friedrichplatz befindet sich in Sichtweite der Kirche. Aber rote Klinker und rankender Efeu verbergen den Zweck des kleinen Gebäudes hinter der Bushaltestelle vor Passanten. Nur wer an der richtigen Seite vorbeigeht, liest die Aufschrift an den Türen. Für Marktbesucher gibt es aber nicht nur am Friedrichplatz Rettung bei einem dringenden Bedürfnis. Zu den Öffnungszeiten des Rathauses am Lindenplatz kann man dort auf die Besuchertoilette gehen. Ähnlich weit entfernt ist die Kundentoilette im Kaufland. Mehrmals am Tag schauen dort Verantwortliche nach dem Rechten. Der prüfende Blick der Redakteurin bescheinigte zumindest der Damentoilette am Donnerstagmittag ausreichende Sauberkeit. Noch näher dran am Markt ist das Café Fumfahr. Eine Mitarbeiterin versichert, weggeschickt würde keiner. Natürlich behalte man sich vor, von Passanten einen kleinen Obolus zu verlangen, die nichts verzehren oder einkaufen.

Der Leiter des Betriebsamts weiß aber auch, dass trotzdem einige das kleine Geschäft in den Grünanlagen erledigen. „Es gibt Ecken, da riecht man es sogar“, so Obst. Die Grünanlagen werden aber auch als Hundetoilette missbraucht. Für die Mitarbeiter des Betriebsamts, die dort sauber machen oder den Rasen mähen, sei es nicht angenehm. Hundetoiletten mit Beutel und Sammelbehälter habe die Stadt schon ausprobiert. „Vandalismus hatte zur Folge, dass sie irgendwann nicht mehr erneuert wurden“, sagt Obst.